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Borussia Dortmund : Jan Koller und Tomas Rosicky bleiben - bis der Preis stimmt

  • -Aktualisiert am

Rosicky erhält alle Freiheiten, nur gehen darf er noch nicht Bild: dpa

Wie es der Borussia ohne die beiden tschechischen Nationalspieler Koller und Rosicky ergehen kann, hat sich auf gespenstische Weise beim Scheitern im UI-Cup gezeigt. Deshalb bleiben die Stars, vorerst.

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          Welche Profis der Fußball-Bundesligaklub Borussia Dortmund sich noch leisten kann, ist stets aufs neue spannend. Wie lange bleiben dem BVB die Stars erhalten, die nicht dem Beispiel des Nationalspielers Torsten Frings gefolgt sind, der den Verein in Richtung Bayern München verlassen hat?

          Zwei Dortmunder Profis, die trotz Rezession als wertbeständig gelten, haben auch beim Saisonstart an diesem Samstag gegen den VfL Wolfsburg einen Stammplatz sicher. Da der Revierklub aber national wie international von der Spitze ins Mittelmaß heruntergewirtschaftet ist, wird über die berufliche Zukunft der beiden Tschechen Tomas Rosicky und Jan Koller spekuliert, sobald und solange das "Transferfenster" des internationalen Fußballs geöffnet ist. Doch die Geschäftsführung schaltet auf Durchzug - zumindest bis "eine außergewöhnliche Summe" aufgerufen wird, wie Präsident Gerd Niebaum sagt.

          Anspruch längst aufgegeben

          Der neue Cheftrainer Bert van Marwijk weist dem zarten Fußballkomponisten Rosicky und dem hünenhaften Torjäger Koller tragende Rollen zu. "Sie sind sehr wichtig für das, was ich vorhabe." Wie es der Borussia ohne die beiden tschechischen Nationalspieler ergehen kann, hat sich auf gespenstische Weise im UI-Cup gezeigt. Dortmund scheiterte zum frühestmöglichen Zeitpunkt an einer mittelprächtigen Mannschaft aus Belgien.

          Koller und Rosicky sind Spieler, die in einer Wachstumsphase unter Vertrag genommen wurden, als ungebremste Kaufkraft und Investitionslust die Konjunktur prägten - nicht nur in Dortmund, aber besonders dort. Sie stehen noch für den Versuch, dem FC Bayern München die Marktführerschaft streitig zu machen. Wirtschaftlich in Bedrängnis geraten, hat der Börsenklub diesen Anspruch längst aufgegeben. "Wir stecken unsere Ziele moderater als in den letzten Jahren", sagt Geschäftsführer Niebaum. Die Qualifikation für die Champions League werde "nicht dadurch realistischer, daß wir sie vor dem ersten Spieltag als Saisonziel formulieren".

          Rosicky war nicht besonders interessiert

          Wie realistisch aber ist es, daß Rosicky und Koller weiter für Dortmund kicken, wie es van Marwijk gefordert hat? Die beiden Tschechen zu halten, bedeutet den Verantwortlichen viel. Solange der Filigrantechniker und der wuchtige Stürmer noch da sind, bleibt dem Klub, seinen Fans und auch den Spielern die Illusion, wieder eine Spitzenmannschaft werden zu können. Koller und besonders Rosicky scheinen zwar offen für einen Wechsel, aber die ersten Interessenten wurden abschlägig beschieden.

          Wenn Fans ihm die bange Frage stellen, ob er denn bleibe, antwortet Rosicky ausweichend. "Ich bin doch hier." Der FC Porto, Gewinner der Champions League, wäre bereit gewesen, sechzehn Millionen Euro Ablöse für die Freigabe Rosickys zu zahlen, mehr als sein Arbeitgeber vor dreieinhalb Jahren für ihn ausgegeben hat - aber zu wenig gemessen an dem, was Niebaum glaubt verlangen zu können. Der BVB habe sich mit der Anfrage aus Porto nicht weiter beschäftigt, sagt der Präsident. Sie wäre dem Unternehmen nicht einmal eine Veröffentlichung wert gewesen. "Tomas selbst hat sie publiziert." Niebaum sagt, er habe "nicht den Eindruck gehabt, daß Rosicky besonders interessiert gewesen ist".

          Koller: Frankreich „wäre schön gewesen“

          Der FC Porto liegt im internationalen Vergleich inzwischen weit vor Borussia Dortmund, aber bei allem Prestige des Europapokalsiegers: In der portugiesischen Liga liefe der 23 Jahre alte Spielmacher Gefahr, aus dem Blickfeld jener Klubs zu verschwinden, die ihn wirklich faszinieren. Rosicky bevorzugt einen Wechsel nach Spanien oder England als nächsten Karriereschritt.

          Sein Kumpel Koller wäre gern nach Frankreich gegangen. "Das wäre schön gewesen", sagt er. "Die Vereine konnten sich nicht einigen, aber für mich ist deswegen kein Lebenstraum geplatzt." Wie es heißt, bot Olympique Marseille sechs Millionen Euro Ablöse. Nicht genug für die Dortmunder, die auf einen zuverlässigen Sturmführer wie Koller kaum verzichten können, wenn sie in der Bundesliga wenigstens wieder die fünfte Kraft werden wollen.

          "Die beste Nummer zehn der Bundesliga"

          Koller und Rosicky spielen weiter für Dortmund. Wie lange, wissen sie nicht; niemand weiß es, nicht einmal Niebaum, dem die Angebote und Anfragen gelegen kamen, weil er mit ihrer Ablehnung Handlungsfähigkeit bewiesen hat. Dennoch könne er Trainer van Marwijk nicht versprechen, daß die beiden Tschechen bis zum Saisonende für den BVB kicken, sagt der Geschäftsführer. "Eine Garantie gibt es nicht in diesem Geschäft."

          Obwohl sich sein nächster Karrieresprung verzögert, muß Rosicky in Dortmund nicht vorn anfangen. Vom vorherigen Trainer Sammer und dessen Lieblingsspieler Frings im Mittelfeld oft zur Seite gedrängt, darf der Genius nun wieder seine Wunschposition im Zentrum hinter den Spitzen Koller und Ewerthon einnehmen. In dieser Lieblingsrolle traut sein defensiver Hintermann Sunday Oliseh ihm zu, "die beste Nummer zehn der Bundesliga" zu werden. "Man muß ihn nur machen lassen, dann profitiert die ganze Mannschaft davon." Rosicky weiß die Wertschätzung des Trainers und der Kollegen zu würdigen; er versucht dem Eindruck entgegenzutreten, er spiele nur mangels Alternativen noch für Dortmund. "Ich glaube an die Qualität dieser Mannschaft", behauptet er. So ein Glaubensbekenntnis mag schwer fallen und Zweifel in sich bergen. Aber was soll er sonst sagen?

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