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Italienischer Skandal : Monti bringt Liga-Stopp ins Spiel

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Ministerpräsident Monti (l., am Dienstag in Rom): „Würde es den Italienern nicht gut tun, wenn wir dieses Spiel komplett stoppen würden?“ Bild: AFP

Wegen möglicher Spielmanipulationen wird gegen einen weiteren italienischen Nationalspieler ermittelt: Leonardo Bonucci soll trotzdem zur EM reisen. Ministerpräsident Monti denkt laut über einen Liga-Stopp nach.

          Italiens Ministerpräsident Mario Monti stellt wegen des bis ins Nationalteam vorgedrungenen Wettskandals den gesamten Profi-Fußball im Land in Frage. „Würde es den Italienern nicht gut tun, wenn wir dieses Spiel für zwei bis drei Jahre komplett stoppen würden?“, fragte der Regierungschef am Dienstag in Rom. Es sei zutiefst enttäuschend, wenn sich der Sport als unfair und manipuliert erweise, meinte Monti.

          Bevor der Regierungschef mit seinen Gedankenspielen für Aufregung sorgte, hatte Italiens Nationaltrainer Cesare Prandelli versucht, die Lage zu beruhigen. Obwohl nach italienischen Medienberichten auch gegen Leonardo Bonucci wegen des Verdachts von Spielmanipulationen ermittelt wird, berief der Coach der Squadra Azzurra den Verteidiger von Juventus Turin in sein EM-Aufgebot.

          Unter Verdacht: Leonardo Bonucci Bilderstrecke

          „Bonucci hat keinerlei Bescheid von der Staatsanwaltschaft erhalten. Deshalb kommt er mit uns zur EM“, erklärte Prandelli am Dienstagnachmittag im italienischen Fernsehen. Ob Bonucci nach Hause geschickt wird, wenn der Ermittlungsbescheid der federführenden Staatsanwaltschaften aus Cremona oder Bari doch noch eintrifft, ließ Prandelli offen.

          Den gesetzten Criscito hatte er nach Bekanntwerden der Ermittlungen aus dem Team für das Turnier in Polen und der Ukraine gestrichen. „Eine menschlich schwierige Entscheidung“, räumte Prandelli ein. Polizisten durchsuchten das Zimmer des Verteidigers im Trainingslager der Azzurri sowie dessen Haus in Genua. Italienische Medien berichteten am Dienstag, dass die Vorwürfe gegen Bonucci nicht so schwerwiegend sein sollen wie gegen den Abwehrspieler von Zenit St. Petersburg.

          Mauri hinter Gittern

          Bonucci fühlt sich indes für die EM stark genug. „Alles okay“, versicherte der 25-Jährige. Prandelli betonte, dass Bonuccis Situation nicht mit der Criscitos zu vergleichen sei. Azzurri-Regisseur Daniele De Rossi fürchtet dennoch schon jetzt die Ausmaße des Wettskandals. „Das ist schlimmer als 2006“, sagte der Mittelfeldspieler. Vor der WM 2006 waren nur Funktionäre in den Liga-Manipulationsskandal verstrickt. „Diesmal sind es Freunde und Teamkollegen der Nationalelf“, sagte De Rossi.

          Criscito will schnellstmöglich mit der Staatsanwaltschaft sprechen, Bonucci bei der EM auf andere Gedanken kommen. Der nicht nominierte Lazio-Rom-Star Stefano Mauri sitzt derweil seit Pfingstmontag hinter Gittern. „Das ist traurig und bitter. Jetzt muss gut und schnell aufgeklärt werden“, forderte Italiens Fußballverbandspräsident Giancarlo Abete. „Schnell“ heißt für ihn aber nach der EM. „Die Staatsanwaltschaft hat danach alle Zeit“, sagte Abete.

          Der Verbandsboss fürchtet, dass die immer größer werdende Unruhe dem Team in den Gruppenspielen gegen Spanien, Kroatien und Irland zum Verhängnis werden könnte. „So einen Sturm gab es noch nie. Was für ein Chaos bei der Nationalelf“, titelte der „Corriere dello Sport“ am Dienstag. „Ein Alptraum“, meinte die „Gazzetta dello Sport“. Prandelli versprach Medien und Fans am Nachmittag im Fernsehen: „Wir wollen aufräumen!“

          Länderspielabsage wegen des Erdbebens

          „Sie haben es gemacht, wann es gemacht werden musste. Solche Ermittlungen sind wichtiger als eine EM“, sagte De Rossi zum spektakulären Polizeieinsatz im Morgengrauen des Montag. Der Mittelfeldspieler des AS Rom stand 2006 in der WM-Mannschaft, die dem Liga-Skandal trotzte.

          Prandelli dagegen lässt sich auf eine positive Umdeutung des Wettskandals nicht ein. Skandale seinen „keine Glücksbringer“ für die Azzurri. „Schlechtes bringt immer nur Schlechtes“, betonte er. Neben den Nationalspielern sind schließlich auch frühere Stars wie Juventus Turins aktueller Trainer Antonio Conte im Visier. „Ich habe absolut nichts damit zu tun“, beteuerte Conte unter Tränen. Ihm wird vorgeworfen, als Trainer des AC Siena in der vergangenen Zweitliga-Saison an Manipulationen beteiligt gewesen zu sein. „Er hat sicher nichts damit zu tun und bleibt unser Trainer“, betonte Juve-Präsident Andrea Agnelli.

          Wegen der neuerlichen Erdbeben in der Emilia Romagna sagte der italienische Verband indes sein für Dienstagabend angesetztes EM-Testspiel in Parma gegen Luxemburg ab. „In unserer Region sind tausende aufgewühlt angesichts der Opfer und der anhaltenden Beben. Da muss der Ball ruhen“, sagte Parmas Provinzpräsident Vincenzo Bernazzoli.

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