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Italienischer Pokal : Der perfekte Abschied für Gigi Buffon

Er lebe hoch: Gianluigi Buffon gewinnt mit 43 Jahren noch einmal die Coppa Bild: Reuters

Mit seinen 43 Jahren nimmt die lebende Legende Buffon nochmal einen Titel mit. Beim Finalerfolg von Juve ist freilich der „junge Kern“ der Mannschaft der Schlüssel zum Sieg.

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          Es war das perfekte Abschiedsgeschenk für „Gigi“: In seinem letzten Pflichtspiel für die Bianconeri nahm die lebende Legende Gianluigi Buffon nochmal einen Titel mit. Für den 43 Jahre alten Torhüter, seit rund zwei Jahrzehnten in den Diensten von Juventus Turin, war es der insgesamt fünfte Triumph in der Coppa Italia. Dazu kommen sagenhafte zehn italienische Meistertitel. Und natürlich der Sieg mit der Squadra Azzurra bei der WM 2006, beim nachträglich wegen der Korruptionsvorwürfe gegen die Veranstalter arg verhagelten „Sommermärchen“ von Deutschland.

          Matthias Rüb
          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Doch das Pokalfinale vom späten Mittwochabend bot nicht nur einen Rückblick auf einen der Größten aller Zeiten zwischen den Pfosten, sondern vor allem einen Ausblick in die Zukunft des italienischen Rekordmeisters. Beim verdienten 2:1 (1:1) gegen Atalanta Bergamo war der „junge Kern“ der Mannschaft der Schlüssel zum Sieg. Mann des Spiels war der 21 Jahre alte schwedische Nationalspieler Dejan Kulusevski, der Turin in der 31. Minute mit einem Kunstschuss gegen seinen früheren Klub Atalanta in Führung brachte und dazu mit einem feinen Doppelpass im Strafraum dem 23 Jahre alten italienischen Nationalspieler Federico Chiesa (73.) das Siegtor auflegte.

          Für Chiesa war es der glückliche Abschluss – sein Linksschuss ins kurze Eck aus etwa acht Metern Entfernung ging durch die Beine von Atalanta-Torhüter Pierluigi Gollini – einer mittelmäßigen Leistung, unmittelbar vor seiner Auswechslung gegen den Argentinier Paulo Dybala (74.). Für Kulusevski war der Assist zum Siegtor nach dem eigenen Führungstor die Krönung einer durchweg fabelhaften Leistung über 83 Minuten, ehe er von Trainer Andrea Pirlo im Tausch für Leonardo Bonucci auf die Bank gerufen wurde.

          Wegbereiter zum Sieg: der junge Dejan Kulusevski
          Wegbereiter zum Sieg: der junge Dejan Kulusevski : Bild: Reuters

          Weitere Leistungsstützen für die Bianconeri waren der niederländische Abwehrchef Matthijs de Ligt, 21 Jahre alt, der Atalantas kolumbianischen Stoßstürmer Duván Zapata bis auf wenige Ausnahmen fest im Griff hatte; und im offensiven Mittelfeld der ehemalige Schalker Weston McKennie, 22 Jahre alt, der am Mittwochabend vor allem durch Lauffreude und Kampfgeist, weniger durch Geistesblitze im offensiven Spielaufbau überzeugte. Pirlo setzte gegen Bergamo mit sicherem Gefühl auf seine bunte Jungentruppe.

          Der Verlauf des Pokalfinales ist schnell erzählt. Atalanta, vorab von den Buchmachern in die Favoritenrolle gedrängt, begann aggressiver, verteidigte hoch und schnürte Juventus bis zur Mitte der ersten Halbzeit bisweilen in der eigenen Hälfte ein. Meist aber hielt der Abwehrriegel vor Buffon, der seinerseits mit gewohnter Souveränität den Rest erledigte. Mit der ersten echten Torchance, eingeleitet durch das beherzte, ja grenzwertige Einsteigen des Kolumbianers Juan Cuadrado gegen den von Bundestrainer Joachim Löw frisch in den EM-Kader berufenen Robin Gosens, führte durch Kulusevski zur Führung für die „Vecchia Signora“. Den verdienten Ausgleich für „La Dea“ aus Bergamo, die auf den zweiten Pokalsieg nach ihrem Coppa-Erfolg von 1963 drängte, erzielte der ukrainische Linksverteidiger Ruslan Malinovskyi (41.) mit einem satten Schuss aus gut zehn Metern. Buffon war chancenlos.

          Der perfekte Abschied: Gianluigi Buffon feiert mit Leonardo Bonucci
          Der perfekte Abschied: Gianluigi Buffon feiert mit Leonardo Bonucci : Bild: Reuters

          Im zweiten Spielabschnitt spielte Juve wie Atalanta im ersten: Mit hohem Pressing kaufte der Altmeister aus dem Piemont dem Emporkömmling aus der Lombardei den Schneid ab. Bei Großchancen von Kulusevski (58.) und Chiesa (61.) retteten erst Torhüter Gollini und dann der Pfosten. Doch das Unheil für den Herausforderer kündigte sich an. Da half es auch nicht, dass die Fans aus Bergamo ihr Team konstant lauter anfeuerten als die aus Turin angereisten Tifosi. Auch dies ein Blick in die Zukunft des (postpandemischen) Fußballs in Italien (und anderswo): Beim Pokalfinale waren nach dürren Monaten mit lauter „Geisterspielen“ erstmals wieder Zuschauer zugelassen. Die 4500 vorschriftsgemäß „maskierten“ Fans im Mapei-Stadion zu Reggio Emilia sorgten für eine mehr als ordentliche Stimmung.

          Und sonst? Bleibt der vierzehnfache Pokalsieger und nach zuletzt neun Titeln in Folge heuer von Inter Mailand entthronte Serienmeister aus Turin am letzten Spieltag der Serie A auf Schützenhilfe angewiesen, um wenigstens noch die Qualifikation für die Champions League zu erreichen. Und zwar ausgerechnet von Bergamo: Atalanta empfängt am Sonntagabend den zuletzt schwächelnden AC Milan, der ein Pünktchen Vorsprung vor Juventus hat, während die Turiner zur gleichen Zeit unbedingt in Bologna gewinnen müssen, dann wieder mit dem polnischen Stammtorhüter Wojciech Szczesny zwischen den Pfosten.

          Für Juve-Trainer Andrea Pirlo dürfte der erste Titel (im „Trostwettbewerb“ der Coppa Itala) in der ersten Saison keine Überlebensversicherung sein, sollte das Minimalziel Champions League verpasst werden. Als möglicher Nachfolger auf der Bank geistert derzeit der Name von Zinédine Zidane durch den Blätterwald. Dieser Tage konnten die Späher der einschlägigen Medien auch Superstar Cristiano Ronaldo dabei beobachten, wie er seine eindrucksvolle Sammlung von Sport- und Geländewagen auf einen geschlossenen Sattelschlepper verladen und mit unbekanntem Ziel abtransportieren ließ. In Turin, so schlossen die Beobachter, habe der 36 Jahre alte Portugiese, der bei Juve über einen Vertrag bis Juni 2022 verfügt, schon jetzt keine Zukunft mehr. Zwar blieb Ronaldo im Pokalfinale vom Mittwochabend blass. Aber ohne seine entscheidenden Tore in Augenblicken der Not hätte die „Alte Dame“ in einer verkorksten Saison noch viel älter ausgesehen.

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