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Italienischer Fußballskandal : Zwangsabstieg für Juventus, Lazio und AC Florenz

  • Aktualisiert am

Mit Juve in die zweite Liga: Weltmeister Alessandro Del Piero Bild: dpa

Italiens Rekordmeister Juventus Turin, Lazio Rom und AC Florenz sind wegen der Verwicklung in den Manipulationsskandal im italienischen Fußball zur Zweitklassigkeit verurteilt worden. Der AC Mailand bleibt zwar in der Serie A, darf aber nicht in der Champions League starten.

          Nach dem WM-Triumph nun der Albtraum für den italienischen Fußball: Rekordmeister Juventus Turin, Lazio Rom und der AC Florenz müssen wegen der Verwicklung in den schweren Fußball-Skandal in die Serie B absteigen. Der mitangeklagte Spitzenclub AC Mailand bleibt zwar in der ersten Liga, muß aber in diesem Jahr auf die Teilnahme an der Champions League verzichten. Das gaben die Richter im Sportverfahren des nationalen Fußballverbandes (FIGC) nach wochenlangen Verhandlungen am Freitag abend in Rom bekannt.

          Außerdem werden Juventus die beiden letzten Meistertitel 2005 und 2006 aberkannt, berichtet die italienische Nachrichtenagentur Ansa weiter. Eine Berufungsverhandlung ist Ende kommender Woche möglich. Bis zum 25. Juli muß Italien endgültig seine Teilnehmer für die europäischen Wettbewerbe nominieren: Zum Nutznießer der Lage könnte Inter Mailand werden.

          Wohin gehen die Top-Spieler?

          Bei Juventus stehen die Weltmeister Gianluigi Buffon, Gianluca Zambrotta, Fabio Cannavaro, Mauro Camoranesi und Alessandro Del Piero unter Vertrag, insgesamt sind 13 von 23 Spielern aus dem WM-Kader betroffen. Der Zwangsabstieg bedeutet auch finanziell einen schweren Schlag: Fernsehsender halten bereits geplante Zahlungen für die Übertragungsrechte der Liga-Spiele zurück. Es heißt, andere europäische Spitzenvereine wie Real Madrid würden schon ihre Hände nach „Juve“-Stars ausstrecken.

          Wechsel nach Manchester zu erwarten: Gianluigi Buffon

          Zudem gibt es harte Strafpunkte: Dem Urteil zufolge startet „Juve“ in der kommenden Saison in der Serie B mit 30 Minuspunkten. Für Florenz gibt es zwölf, für Lazio sieben Strafpunkte. Mailand wird in der vergangenen und in der nächsten Saison mit Punktabzug bestraft, so daß der Tabellenplatz für die Champions League nicht ausreicht.

          Fünf Jahre Berufsverbot für Moggi

          Harte Strafen auch für den früheren Juventus-Manager Luciano Moggi, der als Drahtzieher der Liga-Manipulationen gilt: Er erhält fünf Jahre Berufsverbot im Verband. Liga-Präsident Franco Carraro wird mit viereinhalb Jahren Berufsverbot betraft, die gleiche Strafe erhält unter anderem Schiedsrichter Massino De Santis. Insgesamt waren 26 Funktionäre angeklagt, jedoch keine Spieler.

          Allerdings fällt das Urteil in erster Instanz milder aus als die Forderungen der Anklage: Diese hatte für den Rekordmeister Juventus den Abstieg in die dritte Liga (Serie C) oder in eine noch tiefere Liga gefordert. Neben Lazio und Florenz sollte auch der AC Mailand in die zweite Liga geschickt werden, hatte Chef-Ankläger Stefano Palazzi gefordert. Die Anwälte des Rekordmeisters hatten in dem Prozeß selbst einen Abstieg in die zweite Liga ins Spiel gebracht. Außerdem ermittelt auch die Staatsanwaltschaft.

          Den Ermittlungen zufolge soll Moggi Kopf einer Mafia-ähnlichen Vereinigung gewesen sein. Zu seinen engsten Komplizen gehörte demnach Schiedsrichter De Santis. Es heißt, „Big Luciano“ habe befohlen, welche Schiedsrichter die Juve-Partien pfeifen sollten. Durch gezielte Verteilung von Gelben Karten sollten die Referees Juve-Gegner schwächen.

          Forderungen nach Milde blieben ungehört

          Seit dem WM-Sieg hatten zahlreiche Stimmen aus Sport und Politik Milde und Nachsicht gefordert: Der italienische Fußball dürfe jetzt nicht bestraft und geschwächt werden. Vor allem die wirtschaftlichen Folgen eines Zwangsabstiegs seien unabsehbar, hieß es. Allerdings sprach sich Ministerpräsident Romano Prodi noch kurz vor dem Urteil gegen eine Amnestie aus.

          Der Präsident von AC Mailand und Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi hatte sich immer wieder gegen eine Bestrafung seines Vereins zur Wehr gesetzt: „Ich bin außer mir. Wir haben niemals Vorteile genossen. Im Gegenteil: Wir sind zum Opfer geworden.“ Auch Moggi sagte zuletzt, er trage keine Schuld. Es habe kein Mafia-ähnliches Betrugssystem gegeben.

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