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Italienischer Fußball : Herr Rossi wirft das Handtuch

  • Aktualisiert am

Stadionbesucher: Guido Rossi beim WM-Spiel Italien gegen Tschechien Bild: AP

Erst nach dem Manipulationsskandal ins Amt gehoben, nun zur Aufgabe gezwungen. Guido Rossi, neuer Chef bei Telekom Italia, ist als Fußballverbands-Präsident zurückgetreten. „Rossi versteht nichts von Fußball“, rief ihm Liga-Chef Matarrese noch hinterher.

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          Der kommissarische Präsident des italienischen Fußball-Verbandes FICG, Guido Rossi, ist am Dienstag zurückgetreten. Der 71 Jahre alte Wirtschaftsexperte, der im Mai nach der Aufdeckung des Manipulationsskandals im italienischen Fußball das Ruder anstelle des zurückgetretenen Franco Carraro übernommen hatte, warf im Streit mit dem Nationalen Olympischen Komitee von Italien (Coni) das Handtuch. Als mögliche Nachfolger Rossis gelten der Manager Vito Gamberale sowie das Fußball-Idol Gianni Rivera.

          Coni-Chef Gianni Petrucci drängte auf die Demission Rossis, nachdem dieser am vergangenen Freitag zur neuen Nummer eins der Telefongesellschaft Telecom Italia ernannt worden war. Der Einsatz an der Spitze des Fußballverbandes erfordere ein totales Engagement und sei mit der Führung eines großen Konzerns nicht zu vereinbaren, sagte Petrucci. Rossi hatte zwar erwidert, daß es keine Interessenskonflikte zwischen seinem neuen Managerposten und der Leitung des Fußballverbands gäbe, Petrucci beharrte jedoch auf seine Position. „Wir brauchen einen Verbandschef, der voll im Einsatz ist“, meinte Petrucci.

          „Rossi versteht nichts von Fußball“

          Rossi hatte Petrucci vorgeschlagen, bis Ablauf seines sechsmonatigen Vertrags im November im Amt zu bleiben, um noch ein Statut mit neuen Regeln bei der Wahl der Verband- und Liga-Chefs zu installieren. Petrucci lehnte jedoch das Angebot ab. Angeblich wollte der Coni-Chef den unter Druck geratenen Rossi loswerden, nachdem dieser mit dem neuen, mächtigen Liga-Chef Antonio Matarrese in Streit geraten war.

          Rücktritt vom Präsidentenamt: Guido Rossi
          Rücktritt vom Präsidentenamt: Guido Rossi : Bild: AP

          „Rossi versteht nichts von Fußball. Er ist ein Wirtschaftsexperte, der zur Sanierung des Verbandes ernannt worden ist. Er sollte sich von Personen helfen lassen, die mehr als er etwas von Fußball verstehen. Man kann das italienische Fußballsystem nicht verwalten, wenn man von Fußball nichts versteht“, sagte Matarrese vergangene Woche.

          Donadoni ist Trainer von Rossis Gnaden

          Mit seinen harschen Worten kritisierte Matarrese Rossis Versuch, neue Regeln für das italienische Fußballsystem zu erlassen. Verärgerung hatte beim Liga-Chef auch Rossi Entscheidung hervorgerufen, den relativ unerfahrenen Coach Roberto Donadoni zum Trainer der italienischen Nationalmannschaft zu ernennen.

          Die Leistungen der Squadra Azzurra unter Donadoni in den EM-Qualifikationsspielen blieben bislang hinter den Erwartungen zurück. Rossi reagierte verärgert. „Man suchte eine Ausrede, um mich loszuwerden und jetzt ist die Ernennung zum Telecom Italia-Präsidenten gekommen. Die Wahrheit ist, daß die alten Herren des italienischen Fußballs das System nicht ändern wollen“, kommentierte Rossi.

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