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Italienische Liga : Schadensbegrenzung als Motto einer verkorksten Saison

  • -Aktualisiert am

Milan trägt Trauer: Nationalspieler Alessandro Nesta Bild: dpa/dpaweb

Noch im vergangenen Jahr fühlten sich die italienischen Fußball-Klubs als europäische Marktführer. Doch der kurze Wiederaufschwung der Serie A ist schon wieder vorbei.

          3 Min.

          So schnell ändern sich die Zeiten im internationalen Fußball: Vor einem Jahr noch sonnte sich Italiens Serie A in dem Gefühl, Branchenführer zu sein. Stand man nicht mit gleich drei Mannschaften - Inter und AC Mailand sowie Juventus Turin - im Halbfinale der Champions League? Kam es nicht zu einem rein italienischen Endspiel? Heute stehen Spieler und Manager mit ziemlich leeren Händen da. Vor allem der Kollaps des Titelhalters AC Mailand beim Ausscheiden in der spanischen Provinz bei Deportivo La Coruna mit 0:4 machte die zuvor siegessicheren Tifosi ratlos.

          Nun ist mit Inter Mailand ausgerechnet ein allerletzter Verein im UEFA-Pokal übriggeblieben, der daheim in der Serie A kriselt und mit gerade einmal 49 Punkten um den abermaligen Einzug ins internationale Geschäft bangen muß. Im Hinspiel kam es bei Olympique Marseille zum üblichen Riegelspiel der Mailänder, die im Rückspiel im Meazza-Stadion einen tückischen 0:1-Rückstand aufzuholen haben. "Den Schaden begrenzen" - das ist derzeit nicht nur die Schlagzeile der "Repubblica" zu den Chancen des letzten italienischen Teams in Europa. Schadensbegrenzung scheint überhaupt das Motto einer verkorksten Saison zu sein.

          Am Geld allein kann die Malaise nicht liegen. Zwar krankt der Calcio wegen überzogener Gehaltskosten und unsoliden Wirtschaftens vieler Vereinspräsidenten an einer gigantischen Finanzkrise. Gerade Spitzenklubs wie die beiden Mailänder Vereine oder Juventus Turin jedoch konnten dank schwerreicher Geldgeber wie Silvio Berlusconi ökonomisch mit den europäischen Marktführern mithalten. Juventus Turin, Italiens einzige Adresse mit international vorbildlichen Arbeits- und Geschäftsbedingungen, ist laut einer aktuellen Studie als einziger italienischer Großklub nicht hoffnungslos überschuldet.

          Traditionsklubs in der Krise

          Aber auch Juventus, aktuell abgeschlagener Liga-Dritter, war diese Saison nicht konkurrenzfähig, weil das erfolgreiche Team der letzten Saison vor allem in der Abwehr verjüngt werden muß. Mit vorzugsweise französischem Nachwuchs hat man den Generationswechsel nun eingeleitet. Auch beim AC Mailand wurde beim Debakel in Spanien klar, daß der 36jährige Abwehrchef Paolo Maldini nur noch an guten Tagen seine Verteidigung zusammenhalten kann. Nimmt man hinzu, daß der aktuelle Tabellenzweite AS Rom ebenso mit immensen Geldproblemen kämpft wie die nahezu bankrotten Spitzenteams Parma und Lazio Rom, so ist auch in der kommenden Saison zu befürchten, daß Italiens Traditionsklubs mit den besten Mannschaften aus England und Spanien nicht Schritt halten können.

          Nachdem die beiden Spitzenstars des italienischen Fußballs - Ronaldo und Zidane - schon vor Jahren zu Real Madrid zogen, war es zuletzt Großbritannien, wohin etwa das marode Parma seine Stars ziehen lassen mußte. So ist die Serie A durch ihre früheren, jetzt für Chelsea spielenden Stars Mutu und Crespo immerhin noch als Erinnerung in der Champions League vertreten. Daß auch drei der vier Torhüter im Halbfinale aus Italien kommen und im Ausland reüssierten, zeugt vom Wahn mancher Präsidenten, statt eigenem Nachwuchs lieber teure Stars aus dem Ausland zu holen.

          Als Hauptmanko erweist sich immer mehr die Spaltung der höchsten Spielklasse in wenige reiche Klubs einerseits und das Gros schwächerer Mannschaften andererseits, die einzig gegen den Abstieg spielen. Weil Neulinge wie Ancona, derzeit mit 10 Punkten Schlußlicht, oder graue Mäuse wie Brescia, Reggio Calabria, Modena den Reichen am Wochenende kaum die volle Leistung abverlangen, können diese auch unter der Woche gegen die europäische Konkurrenz nicht mehr mithalten. So geht die eigentliche Grenze mitten durch die oberste Spielklasse, während die ewige Provinz auch noch in einer auf 24 Mannschaften aufgeblähten Serie B auf der Stelle tritt. Und wenn ein Außenseiter wie vor zwei Jahren Chievo Verona doch einmal in den Kreis der Erlauchten vordringt, wird kurzerhand mehr als die halbe Mannschaft aufgekauft, so daß sich das gewaltige Defizit noch vermehrt - ein Teufelskreis der Langeweile.

          Am Osterwochenende bot die Serie A ihren Anhängern alles andere als frühlingshafte Entschädigung für die internationalen Durchhänger; nur in vier von neun Partien fielen mehr als zwei Tore. Der AC Mailand rettete seinen komfortablen Neun-Punkte-Vorsprung durch einen umstrittenen Elfmeter gegen den toskanischen Provinzverein Empoli. Und ein Abseitstor sowie ein nicht gegebener Elfmeter sicherten Inter Mailand den 3:2-Sieg beim beinahe sicheren Absteiger aus Perugia. Soviel Einäugigkeit der Unparteiischen brachte Perugias erbosten Geschäftsführer Alessandro Gaucci dazu, eine Verschwörung zu wittern und dem Fußball für immer abzuschwören: "Dieser Calcio ist schlimmer als die Mafia. Die bringt dich sofort um, aber im Fußball stirbst du jeden Sonntag scheibchenweise."

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