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Corona und Italiens Fußball : „Alle husteten und hatten Fieber. Kein Witz!“

  • Aktualisiert am

„Ich schwöre, dass 23 von 25 Spielern krank waren“: Romelu Lukaku von Inter Mailand Bild: dpa

Italien ist eines der von Corona am schwersten getroffenen Länder. Nun berichtet Stürmer Romelu Lukaku von Symptomen bei Inter Mailand schon im Januar. Ein Bergamo-Spieler ist derweil auch nach vier Wochen nicht genesen.

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          Angreifer Romelu Lukaku vom italienischen Fußball-Erstligaverein Inter Mailand befürchtet, dass nahezu sein komplettes Team bereits mit dem Coronavirus infiziert gewesen sein könnte. „Wir hatten im Dezember eine Woche frei, wir kehrten zur Arbeit zurück, und ich schwöre, dass 23 von 25 Spielern krank waren. Ich mache keine Witze“, sagte der 26-Jährige in einem Instagram-Gespräch mit der belgischen Moderatorin Katrin Kerkhofs.

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          Vor dem Spiel gegen Cagliari Calcio am 26. Januar (1:1) hätte nahezu die komplette Mannschaft über die klassischen Corona-Symptome geklagt. „Alle husteten und hatten Fieber. Beim Aufwärmen fühlte ich mich viel heißer als sonst. Ich hatte seit Jahren kein Fieber mehr“, erklärte der belgische Nationalspieler. Abwehrspieler Milan Skriniar habe sich wegen dieser Symptome sogar auswechseln lassen müssen.

          Damals sei allerdings keiner der Spieler auf Covid-19 getestet worden, weil das Coronavirus allgemein noch „kein Thema“ gewesen sei. Entsprechend könne man nicht final sagen, ob es sich um eine Infektion mit dem Coronavirus gehandelt habe, so Lukaku. Bislang gibt es anders als in anderen Vereinen der Serie A in den Reihen der Mailänder auch noch keinen positiv getesteten Spieler. Der Ball ruht in Italiens Spitzenliga seit Anfang März, eine Fortsetzung der Spielzeit ist derzeit unklar.

          Torhüter Marco Sportiello, Teamkollege des deutschen Mittelfeldspielers Robin Gosens beim italienischen Erstligaverein Atalanta Bergamo, indes ist knapp vier Wochen nach seinem ersten positiven Coronavirus-Test immer noch nicht genesen. Auch beim dritten Abstrich, der im Krankenhaus von Bergamo durchgeführt wurde, fiel der Test des 27 Jahre alten Italieners positiv aus. Wie die Nerazzurri am Mittwoch mitteilten, befindet sich Sportiello in einem guten Zustand. Er setzt die Quarantäne in seiner Wohnung fort.

          Bergamo in der norditalienischen Region Lombardei gehört zu den am schlimmsten von der Pandemie betroffenen Städten des Landes. Mit mehr als 24.000 Todesopfern ist Italien eine der weltweit am stärksten betroffenen Nationen, der staatliche Lockdown wird noch bis mindestens zum 3. Mai andauern.

          Eine Entscheidung über die Wiederaufnahme des Trainingsbetriebs in der wegen des Coronavirus unterbrochenen Serie A soll in den kommenden Tagen getroffen werden. „Ich habe mir die verschiedenen Standpunkte mit großer Aufmerksamkeit angehört. In den kommenden Tagen werden wir nach Beratungen mit dem Gesundheitsminister und dem wissenschaftlich-technischen Ausschuss aktualisierte Bestimmungen für die Möglichkeit und die Modalitäten der Wiederaufnahme des Trainingsbetriebes verabschieden“, sagte Sportminister Vincenzo Spadafora.

          Zuvor hatte Spadafora eine Videokonferenz mit den Verantwortlichen des Verbandes, der Profi- und Amateurligen sowie mit Vertretern von Spielern, Schiedsrichtern, Trainern und Ärzten abgehalten. Zudem legte der Verband ein medizinisches Protokoll vor, das erstellt wurde, um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs zu ermöglichen. Dieses sieht vor, dass die Spieler das Training in Kleingruppen und unter strenger medizinischer Aufsicht ab dem 4. Mai aufnehmen können.

          Fußball-Verbandspräsident Gabriele Gravina hatte bezüglich eines möglichen Saison-Neustarts am Wochenende Druck auf die Regierung in Rom ausgeübt. Gravina wünscht sich eine Saisonfortsetzung Ende Mai. Vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs sollen alle Spieler in Sportzentren für drei Wochen unter Quarantäne gestellt und regelmäßig auf das Virus getestet werden. Am Dienstag hatten die 20 italienischen Erstligaklubs einstimmig für eine Fortsetzung der Serie A gestimmt.

          Man sei „entschlossen, die Saison zu Ende zu spielen, sollte die Regierung im Einklang mit den Vorschriften für die öffentliche Sicherheit die Genehmigung zur Fortsetzung der Meisterschaft erteilen“, hieß es in einer gemeinsamen Stellungnahme. Der Ball ruht in Italiens Spitzenliga wegen der Pandemie bereits seit dem 9. März, die Teams haben noch bis zu 13 Saisonspiele zu absolvieren.

          Der Bezahlsender Sky Italia forderte unterdessen einen Preisnachlass für die letzte Rate der TV-Gelder und traf damit bei den Klubs der Serie A auf Ablehnung. Die TV-Gruppe, die die Mehrheit der Übertragungsrechte der Topliga hält, will für die letzten 87 Spiele der unterbrochenen Saison nur die Hälfte der vereinbarten 156 Millionen Euro zahlen. Sollte Sky Italia nicht die komplette Rate zahlen, droht die Serie A laut Medienberichten mit einer juristischen Auseinandersetzung.

          Der ehemalige Milan-Chef Adriano Galliani warnte vor dem Bankrott europäischer Topklubs, sollten die Bezahlsender die Fernsehgelder nicht überweisen. „Hier geht es nicht nur um die TV-Übertragungsrechte. Es fehlen auch die Einnahmen durch die Eintrittskarten für die Spiele im Stadion und die 400 Millionen Euro, die die Uefa für europäische Wettbewerbe verteilen muss. Eine Senkung der Gehälter genügt nicht, um die Klubs über Wasser zu halten“, warnte Galliani, Geschäftsführer des Drittligavereins Monza Calcio im Besitz des TV-Magnaten und früheren Premiers Silvio Berlusconi.

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