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Machtkampf beim DFB : Einfach nichts gelernt

  • -Aktualisiert am

Wer wird der nächste DFB-Präsident? Bild: Reuters

Nach den Regentschaften von Zwanziger und Niersbach ist es für die Zukunft des deutschen Fußballs von eminenter Bedeutung, einen herausragenden Präsidenten zu bekommen. Ist dabei ein CDU-Politiker der einzige Kandidat?

          Warum diese Eile? Im Schweinsgalopp wollen die Amateur-Vertreter Reinhard Grindel zum Präsidenten machen. Weil sie über die Mehrheit der Stimmen im Deutschen Fußball-Bund (DFB) verfügen, werden sie nicht aufzuhalten sein. Dabei wäre es das Gebot der Stunde gewesen, sich Zeit zu nehmen. Nach den Regentschaften von Theo Zwanziger und Wolfgang Niersbach ist es für die Zukunft des deutschen Fußballs von eminenter Bedeutung, einen herausragenden Präsidenten zu bekommen; nicht weniger als eine Persönlichkeit vom Format eines Staatsmannes des Sports. Keinem anderen wird es gelingen, die nationale und internationale Glaubwürdigkeitskrise zu überwinden. Ist der CDU-Politiker Reinhard Grindel also, bei allem Respekt, der einzige Kandidat im mit fast sieben Millionen Mitgliedern größten Fachverband der Welt? Die Antwort ist, erstaunlich genug: ja!

          Zumindest tun die Amateur-Vertreter so, als sei der Schatzmeister die einzig wahre Lösung. Dann aber hätte die Wahl Zeit gehabt. Denn mit dem Sprint ins Amt wird Grindel bei Antritt im Frühjahr nicht nach vorne schauen können, sondern sich weiter um die Aufarbeitung der WM-Affäre kümmern müssen. Ein gefährliches, ein vermintes Feld, wie sein Vorgänger erfahren musste. Grindel dieser Gefahr auszusetzen muss also einen guten Grund haben. Es könnte die Sorge der Amateure sein, von einer Strukturänderung erfasst zu werden.

          Der einzige Kandidat: Reinhard Grindel soll zum DFB-Präsidenten gewählt werden

          Der Widerstand gegen eine Professionalisierung des DFB ist mit Händen zu greifen. Das Unternehmen mit einem Umsatz von etwa 200 Millionen Euro pro Jahr, das sagt nicht nur DFL-Chef Rauball, braucht zweifellos einen hauptamtlichen Vorstand, der im operativen Geschäft nicht von ehrenamtlichen Präsidiumsmitgliedern bevormundet wird. Die sind, wenn sie denn allein für die Ehre dienen, diesen Aufgaben in der Regel nicht mehr gewachsen. Aber sie könnten in einem Aufsichtsrat ohne Ressortverantwortung den Herren Managern auf die Finger schauen und sie mit einem Satz vor die Türe setzen, falls denn etwas schiefliefe. Die Macht bliebe erhalten.

          Der Einwand der Gegner, diese Reform verhindere Korruption nicht, stimmt. Aber in Zukunft werden es sich moderne Unternehmen, die längst eigene Compliance-Abteilungen eingerichtet haben, dreimal überlegen, ob sie mit einem Verband zusammenarbeiten können, der aufgrund seiner Struktur alles andere als transparent ist. Die Zeiten, das wird der Sport zu spüren bekommen, sind vorbei. Die Krise des DFB scheint aber nicht groß genug, um einen Schritt nach vorne zu wagen.

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          Der müsste sicherlich gut bedacht, diskutiert, überzeugend vorgetragen und professionell vorbereitet werden. Zur Umsetzung brauchte man erstens eine Satzungsänderung, die nur eine Mitgliederversammlung beschließen kann, und zweitens – Zeit. Genau daran sparen die Amateure. Und treiben, wenn sie sich nicht mehr bewegen sollten, den DFB in eine betonharte Blockbildung. Dann verlieren alle.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

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