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WM 2022 in Qatar : Ist es im Mai weniger heiß als im Juni?

Da oben scheint die Sonne, hier unten schwitzen wir: Wetterforscher Rummenigge lässt sich schon 2013 von Organisationskomitee-Chef Hassan Al Thawadi das Klima Qatars erklären Bild: dpa

Karl-Heinz Rummenigge hat im Namen der europäischen Klubs einen Terminvorschlag für die Fußball-WM 2022 in Qatar unterbreitet. Die Ideen des Hobby-Klimaforschers wirken zunächst befremdlich. Aber er könnte die Lösung für den ewigen Streit präsentiert haben.

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          Karl-Heinz Rummenigge ist also nun unter die Wetterfrösche gegangen. Der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern legt derart fortgebildet als Sprecher der europäischen Fußballklub-Vereinigung ECA der staunenden Fußballwelt nun also den Plan mit einem WM-Beginn schon im April vor, mit dem 2022 die WM in Qatar gerettet und Hitzeschlag und Sonnenbrand vermieden werden können.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Klimaforscher Rummenigge hat nämlich ein Wetterfenster zwischen dem 28. April und dem 29. Mai 2022 ausgemacht, das die sportlichen mit den geschäftlichen Interessen rund um den Fußball versöhnt.

          Die Klubinteressen nach einer halbwegs normalen Spielzeit mit den für die Fernsehrechteinhaber so wichtigen Wintermonaten sowie Distanz zu anderen Sportgroßereignissen wie den olympischen Winterspielen oder dem amerikanischen Super Bowl wären gewahrt.

          Und vor allem sollen in dem Zeitraum die Bedingungen für die Spieler signifikant besser sein als während der ursprünglich vorgesehenen, klassischen WM-Periode von Mitte Juni bis Mitte Juli. Dieser Zeitraum gilt aber seit langem als nahezu ausgeschlossen, da in Qatar dann selbst nachts im Dunkeln noch zu große Hitze herrscht.

          Was sind schon drei Grad Celsius?

          Für den Laien erschließt sich Rummenigges April-Scherz erst einmal nicht, da Durchschnitts- und Spitzenwerte im Mai (31,0 beziehungsweise 38,2 Grad) gemäß wissenschaftlich bekräftigter Klimatabellen lediglich drei Grad Celsius unter den Höchstwerten mitten im Sommer (33,9 beziehungsweise 41,2) liegen. Aber Wetterforscher, die auf diesem Gebiet noch renommierter sind als der Hobby-Frosch Rummenigge, bestätigen auf Nachfrage, dass der bayrische Kollege durchaus richtig liegen könnte mit seinen Ideen.

          „Summa summarum macht es auf jeden Fall Sinn, die WM in den Mai zu verlegen“, sagt Elke Roßkamp vom Deutschen Wetterdienst Hamburg. „Der Unterschied der Durchschnittstemperatur ist genauso groß wie in Frankfurt zwischen Mai und Juni, was vor allem an den Spitzenwerten liegt. Im Mai werden in Doha an 50 Prozent der Tage 40 Grad erreicht. Im Juni an 85 Prozent. Das ist ein signifikanter Unterschied, der sich fühlbar auswirkt.“

          Brasilien hatte teils härtere Bedingungen

          Rummenigges Vorschlag beinhaltet zudem späte Anstoßzeiten in Qatar, zu denen dann tatsächlich bessere Bedingungen herrschen könnten als beispielsweise während manches WM-Spiels der deutschen Elf während der WM im verglichen feuchteren Brasilien in diesem Sommer, wo der spätere Weltmeister noch nicht einmal im klimatisch schwierigsten Spielort Manaus antreten musste.

          Die Verlegung in den Abend ergibt dabei sehr viel Sinn, wie Rosskamp bestätigt: „21 Uhr ist dabei allerdings wegen größerer Schwüle die schlechtere Zeit als 18 Uhr, wo es zwar bei 33,5 Grad noch etwas wärmer, aber eben fühlbar weniger schwül ist. Insgesamt ist es im Mai abends in Qatar tatsächlich etwas besser als in brasiliansichen Städten wie Fortaleza zur Mittagszeiten“

          Jörg Kachelmann weist noch etwas genauer aus, dass in Fortaleza, wo Deutschland gegen Ghana ein heißes Spiel bestreiten musste, zur bei der WM genutzten lokalen Anstoßzeit von 13 Uhr im Schnitt bei 30 Grad und 70 Prozent Luftfeuchtigkeit schon etwas schwierigere Bedingungen auf als Qatar in Mai-Abendstunden bei 32 Grad und 50 Prozent Feuchte.

          Kein Reisestress in Qatar

          Solche Bedingungen wurden den Spielern in Brasilien letztlich zugemutet, zudem hatten sie eine zusätzliche Belastung durch die langen Reisewege und den Wechsel von Klimazonen zu verkraften. Letzteres würde in Qatar wegfallen, wo alle Stadien nur kurze Distanzen entfernt voneinander liegen.

          Der von den europäischen Klubs nun erstmals im Detail dargelegte Vorschlag zur Güte weist vielleicht den Weg zur Lösung des Rätsels um einen geeigneten Spieltermin. Dann hoffen wir mal nur, dass Rummenigge seine Forschungen nicht allein auf die Wetterfunktion einer von Qataris geschenkten Uhr gestützt hat.

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