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Skandal beim Weltverband : Ist die Fifa noch zu retten?

Was kommt noch? Und was bedeutet das für Noch-Fifa-Präsident Joseph Blatter? Bild: AP

Es brennt in Zürich: Joseph Blatter von Anti-Mafia-Gesetz bedroht, die Amerikaner könnten die Konten einfrieren lassen, an der Spitze droht ein hässlicher Machtkampf. Eine gute Nachricht gibt es aber doch für die Fifa-Garde.

          Eines steht fest: Der Ball wird immer rollen. Mitten im sportpolitischen Kugelhagel werden die Anhänger des Spiels an diesem Samstag beim Finale der Champions League (20.45 Uhr / Live im ZDF, bei Sky und im Ticker bei FAZ.NET) ihr Seelenbad nehmen können. Der zerfallende Joseph Blatter, ein gewisser amerikanischer Kronzeuge namens Chuck Blazer oder ein Gift und Galle spuckender karibischer Abräumer namens Jack Warner werden hinter den Kabinettstückchen von Lionel Messi und der gewaltigen körperlichen Präsenz von Paul Pogba für eine Weile verschwinden. Das ist schließlich der Sinn der Unterhaltungsindustrie mit 22 Leuten und einem Ball: Dass glücklich ist, wer zumindest 90 Minuten lang vergisst, was doch nicht zu ändern ist.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Aber nach dem Schlusspfiff werden die Probleme wieder da sein. Die amerikanische Justiz hat sich vorgenommen, den in nahezu allen Fasern korrupten Fußball-Weltverband (Fifa) in die Knie zu zwingen, und der knickt in verblüffender Geschwindigkeit ein. Vor allem eine offene Frage treibt den Fußballfunktionären in aller Welt Schauder über den Rücken: Was hat Blatter wirklich dazu getrieben, am vergangenen Dienstag seine Demission als Fifa-Präsident zu erklären?

          Und das nur vier Tage nach seiner Wiederwahl in eine fünfte Amtszeit, die ihn sichtlich belebt hatte? Blatters schwammige Erklärungen tragen nicht gerade zur Beruhigung bei, ein Blick auf das Ermittlungsverfahren der amerikanischen Behörden noch weniger. Welcher Meteorit wird, so fragen sie sich, demnächst auf dem Zürichberg einschlagen? Wessen Leichen werden als nächstes aus dem Keller geholt? Zwar ist die „Operation Fifa-Sturm“ offenbar noch nicht so weit gediehen, dass gegen Blatter selbst ermittelt wird. Aber auch das könnte noch kommen.

          Das Geständnis des ehemaligen Generalsekretärs der nord- und mittelamerikanischen Fußball-Konföderation Concacaf, Chuck Blazer, das am vergangenen Mittwoch veröffentlicht wurde, enthält eine wichtige juristische Botschaft: Die amerikanische Justiz betrachtet die Fifa als eine kriminelle Vereinigung, die unter dem „Racketeer Influenced and Corrupt Organizations Act“, kurz RICO, fällt, ein Bundesgesetz, das 1970 zum Zweck der Mafia-Bekämpfung erlassen wurde.

          „Teflon-Don“ und „Sammy, the Bull“

          Mit Hilfe dieses Gesetzes wurde zum Beispiel 1992 der Mafia-Boss John Gotti alias „Teflon-Don“, Chef der New Yorker Gambino-Familie, seiner gerechten Strafe zugeführt. Er wurde von seinem Lieutenant Salvatore Gravano alias „Sammy, the Bull“, verpfiffen – die amerikanische Justiz versucht üblicherweise, durch solche Deals mit Kronzeugen ein Domino-System in Gang zu setzen, das sie bis zum Boss einer Bande führen soll. Am 25. November 2013 bezeichnete Richter Raymond J. Dearie vom New Yorker District Court gegenüber dem Kronzeugen Blazer auch die Fifa als „RICO Unternehmen“.

          Schon die Mitwisserschaft der Straftaten, die 14 beschuldigten Fifa-Angehörigen von der amerikanischen Staatsanwaltschaft vorgeworfen werden, könnte zur Verfolgung auch Blatters führen. Allerdings würde der 79 Jahre alte Walliser von seinem Heimatland Schweiz in keinem Fall in die Vereinigten Staaten ausgeliefert – anders als die sieben Ausländer, die nach ihrer Verhaftung vor anderthalb Wochen in Zürich für unbestimmte Zeit im Gefängnis schmoren, bis der amerikanische Auslieferungsantrag gestellt, geklärt und verhandelt ist.

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