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Skandal beim Weltverband : Ist die Fifa noch zu retten?

Blatter hat angekündigt, ihre Mitglieder in Zukunft vom Fifa-Kongress, also der Vollversammlung der 209 Mitgliedsverbände, wählen zu lassen. Es ist aber unwahrscheinlich, dass die Nationen, die bisher etwa in Afrika mit straffer Hand vom Präsidenten der Konföderation, dem Kameruner Issa Hayatou, geführt werden, beim Reformkongress plötzlich die Unabhängigkeit aufbringen, der Entmachtung ihres Über-Bosses zuzustimmen. Blatter und Scala müssen also mit den Kontinental-Chefs selbst deren eigene Marginalisierung aushandeln. Künftig würden dann Repräsentanten der echten Fußball-Interessengruppen in der Fifa-Regierung die Entscheidungen treffen und nicht mehr Leute, die notorisch das Eingemachte an Meistbietende verschachern.

Russland und Präsident Wladimir Putin (rechts) bekamen die WM 2018 überreicht Bilderstrecke
40 Jahre Fifa : Die Welt des Joseph Blatter

Wichtigstes Druckmittel für Scala könnten die beiden Kammern der – so weit es geht unabhängigen – Ethik-Kommission sein, die Blatter in seiner vierten Amtszeit eingeführt hat. Der Schweizer Rechtsanwalt Cornel Borbély als Vorsitzender der Untersuchungskammer und der deutsche Richter Hans-Joachim Eckert als Chef der rechtsprechenden Kammer könnten die permanente Bedrohung für die Kontinental-Delegierten in der Exekutive ausbauen. Unbeschriebene Blätter sind dort nur schwer zu finden. Und demjenigen, der krumme Geschäfte macht oder gemacht hat, droht der Ausschluss.

Dazu bleibt den Reformkräften innerhalb der Fifa die Hoffnung auf Einsicht. Hayatou oder auch der einflussreiche kuweitische Scheich Ahmad al Sabah mögen gewohnheitsmäßig ihre Machtspielchen treiben – angesichts der für die Fifa existenziell gefährlichen Lage könnten sie vielleicht kooperieren. Auch die Amtszeitbeschränkung zur Verhinderung von Seilschaften und eine zentrale Leumundsprüfung für führende Funktionäre haben jetzt vielleicht eine Chance.

Eine gute Nachricht gibt es für die Fifa

Beide Drahtzieher, Hayatou und Scheich Ahmad, werden in den Medien seit Tagen als mögliche Blatter-Nachfolger gehandelt, allerdings bedeutete die Wahl einer dieser Figuren keine Erneuerung der Fifa, sondern eine Fortsetzung des Systems Blatter mit neuem Etikett. Und auch der Franzose Michel Platini, Präsident des Europäischen Fußballverbandes Uefa, brächte der Fifa keine Morgenröte nach langer Dunkelheit. Über ihm schwebt eine ständige Gefahr: Die Schweizer Bundesanwaltschaft untersucht auf Veranlassung der Fifa selbst die Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften 2018 an Russland und 2022 an Qatar.

Platini aber hat nicht nur für Qatar gestimmt – sein Sohn Laurent erhielt wenige Wochen darauf eine Führungsposition bei Qatar Sport Investments. Zwielichtige Gestalten also, wohin man auch blickt. Woher also einen neuen Präsidenten nehmen? Sollten die Konföderationen sich nicht auf einen kompromissfähigen Kandidaten einigen können, der auch öffentlich präsentabel ist, würde die Fifa sich in einem hässlichen Machtkampf selbst blockieren.

Nur eine einzige gute Nachricht hat die alte Fifa-Garde in dieser Woche erhalten, natürlich aus ihrer Heimat, der Schweiz. Eine der beiden gesetzgebenden Kammern, der Ständerat, hat am Mittwoch dagegen gestimmt, dass Korruption im Land der vielen Sportverbände in jedem Fall zu einem Offizialdelikt hochgestuft wird. Dabei gaben sich die Kantonsvertreter alle Mühe, das Wort „Lex Fifa“ zu vermeiden.

Vielleicht gar, weil der von der Steuer befreite Weltverband trotzdem Jahr für Jahr „freiwillig“ Abgaben entrichtet? Für das Jahr 2014 waren das laut Finanzbericht 78 Millionen Dollar. Aus Dankbarkeit wahrscheinlich. Es ist schon so: Der Fußball wird immer rollen. Aber er rollt durch einen Sumpf, so unendlich weit. Weiter als das Auge reicht.

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