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Irland gegen Frankreich : Trapattonis wagemutige Krieger

  • -Aktualisiert am

In seinem Element: Giovanni Trapattoni Bild: REUTERS

Bis auf Keane und Duff sind in Irlands bester Fußballelf weit und breit keine Spieler von gehobener Qualität zu entdecken. Trainer Trapattoni ist das vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Frankreich egal: „Wir sind nicht berühmt, wir sind Krieger.“

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          Seine Spieler glauben ihm jedes Wort. Und Giovanni Trapattoni redet gern und viel und gestenreich. Auch mit nun 70 Jahren hat der Maestro aus Italien noch lange nicht „fertig“. Eben deshalb wurde dem Lombarden vom irischen Fußballverband die Verlängerung seines Trainervertrages bis 2012 angeboten.

          Inzwischen ist „Trap“, der seit seiner Zeit als Chefcoach des FC Bayern München in Deutschland noch immer populärste Italiener, auf der Grünen Insel fast schon so beliebt wie Jackie Charlton. Dieser englische Weltmeister von 1966 führte die Iren vor zwanzig Jahren zu ihrer ersten von bisher zwei WM-Teilnahmen. Trapattoni ist jetzt aufgerufen, mit den Iren ein kleines Fußballwunder zu schaffen.

          Er hat mit seiner Auswahl kein einziges Spiel während der Qualifikationsrunde zur WM 2010 in Südafrika verloren, wurde Gruppenzweiter hinter Weltmeister Italien und muss sich nun in zwei Relegationsbegegnungen mit Frankreich, dem WM-Zweiten von 2006 und Weltmeister von 1998, herumschlagen. Nur der Sieger darf im Sommer des kommenden Jahres bei der ersten Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden mitkicken.

          Hat noch lange nicht fertig: der ehemalige Bayern-Trainer Trapattoni

          „Ohne jede Angst, ich war wagemutig“

          Trapattoni ist, seinem positiven Naturell folgend, optimistisch, dass seine Iren auch gegen den deutlichen Favoriten das große Los ziehen werden. An diesem Samstag (21 Uhr) geht das Die-oder-Wir-Duell in seine erste Halbzeit. Dann kommen die Franzosen in den Dubliner Croke Park. „Als ich Fußballer war“, erinnert sich der frühere Meistertrainer von Inter Mailand, Juventus Turin oder des FC Bayern, „habe ich gegen Pelé gespielt – ohne jede Angst. Ich war wagemutig. Und so soll auch mein Irland gegen Frankreich spielen.“ Gesagt, getan?

          Immerhin hat der Italiener, der in der Tradition des akribisch organisierten italienischen Fußballs Weltkarriere gemacht hat, den Iren nach einer Phase der Irrungen und Wirrungen zu neuem Selbstbewusstsein, neuer Disziplin und neuer defensiver Stärke verholfen. Andernfalls hätte die Mannschaft im grünen Trikot den Italienern nicht zwei Unentschieden in der WM-Qualifikation abtrotzen können.

          Für Trapattoni zählt die Summe der Einzelteile

          Angst also kennt der Mann, der als einer der erfolgreichsten Fußballlehrer der Welt gilt, in seinem Beruf schon längst nicht mehr. Sein immer noch fast jugendlicher Eifer, seine Spieler in den kleinen technischen Feinheiten zu verbessern – eine gerade im irischen Hauruck-Fußball dankbare Aufgabe – kommt bei seinen Profis sehr gut an. Bis auf Robbie Keane (Tottenham Hotspur) und Damien Duff (FC Fulham) sind in Irlands bester Fußballelf weit und breit keine Spieler von gehobener europäischer Qualität zu entdecken.

          Macht nichts, sagt Trapattoni, denn für ihn zählt nur die Summe der irischen Einzelteile. „Es kann ja sein“, sagt der unerschrockene Trainer, „dass Frankreich und andere Teams noch mehr kreative Spieler haben, doch der Fußball ist konkret. Wir sind hier nicht im Theater, nicht in der Mailänder Scala oder im New Yorker Madison Square Garden. Es ist nur Fußball.“

          Fehler vermeiden, Konter setzen

          Trapattoni, ein Verfechter der Grundwerte und Grundlehren dieses Sports, hebt vor dem Duell mit Frankreich deshalb die Urerkenntnisse in seinem geliebten Spiel hervor: „Fußball ist Ball, Rasen, Gegner und Mentalität. Resultate sind Resultate, eine Show ist eine Show, und die Resultate sind oft ganz anders als die vorher gezeigte Show. Das ist unser Glaube.“

          Also wird sich das kleine Irland dem großen Frankreich mit dem Kämpferherz entgegenstemmen, das dort zur Grundausstattung jedes Spielers gehört. Die französischen Spielernaturen – seien es Thierry Henry, Nicolas Anelka oder Karim Benzema – können sich auf einen Gegner gefasst machen, der mit einer Fehlervermeidungsstrategie, gelegentlichen Kontern und großer Nervenkraft daheim möglichst „zu Null“ gewinnen will. Trapattoni kündigt kampflustig an: „Wir sind nicht berühmt, aber wir sind Krieger.“

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