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Investoren bei Inter Mailand : Internazionale macht dem Namen alle Ehre

  • -Aktualisiert am

Sanfter Revolutionär: der indonesische Inter-Investor Erick Thohir Bild: dpa

Beim verschuldeten italienischen Fußballklub Inter Mailand haben nun indonesische Investoren das Sagen. Die wollen aus Inter eine erfolgreiche Marke machen.

          3 Min.

          Am Tag nach der historischen Zäsur war alles wie immer. Zumindest sollte es so aussehen. Massimo Moratti spazierte auf dem Trainingsgelände von Inter Mailand in Appiano Gentile südlich des Comer Sees herum. Er hielt hier und da ein Schwätzchen, sah den Spielern bei ihren Übungen zu und applaudierte frenetisch, als der bald 40 Jahre alte Kapitän Javier Zanetti sechs Monate nach seiner Verletzung erstmals wieder über den Rasen lief. Der 68 Jahre alte Moratti, der 18 Jahre lang Präsident und Mehrheitseigner des FC Internazionale Milano war, feiert Zanetti, das Symbol seiner Ära – viel synthetischer hätte man ein Bild der Vergangenheit dieses berühmten und zur Melodramatik neigenden Fußballvereins nicht inszenieren können.

          Denn seit vergangenem Dienstag ist Inter Mailand noch internationaler, als es der Mehrheit seiner Anhänger in Italien lieb sein dürfte. Der 43 Jahre alte indonesische Investor Erick Thohir hat sich mit zwei indonesischen Geschäftspartnern 70 Prozent der Klub-Anteile gesichert. Thohir zahlt dafür 250 Millionen Euro, mit denen die Schulden des Vereins getilgt und Investitionen getätigt werden sollen. Dass künftig ein Investoren-Trio aus Jakarta bestimmt, in welche Richtung einer der traditionsreichsten Fußballvereine Italiens driftet, kommt in der Serie A einem mittleren Kulturschock gleich. Auch wenn Moratti noch einen Fuß in der Tür hat, beginnt in Mailand eine neue Ära. Sie bedeutet das Ende des bodenlosen Mäzenatentums.

          Puristen stehen die Haare zu Berge

          1,3 Milliarden Euro hat Moratti seit 1995 vom Erdölunternehmen seiner Familie abgezweigt, um sich einen Kindheitstraum zu erfüllen. Manche sprechen auch von einem teuren Komplex, den Moratti mit viel Geld zu marginalisieren versuchte. Nachdem sein Vater Angelo Moratti in den sechziger Jahren den Ruf Inters als Weltverein mit drei Meistertiteln und zwei Europapokalsiegen festigte, wollte es sein Sohn ihm gleichtun. Unter der Ägide von Moratti junior holte Inter fünf Meistertitel, einmal den Uefa-Pokal und 2010 schließlich mit José Mourinho den ersehnten Champions-League-Titel. Aber der Verein dieses „presidente tifoso“, des Vorsitzenden, der gleichzeitig Präsident und Fan war, glich einem Fass ohne Boden. Die vergangenen fünf Bilanzen wiesen einen Verlust von insgesamt 536 Millionen Euro aus. „Für einen Könner holte er zehn Versager“, urteilte die Zeitung „La Repubblica“ über Morattis verschwenderischen Stil. Mit diesem aufwendigen, im Wortsinne amateurhaften, aber in ganz Italien lange weitverbreiteten Geschäftsgebaren ist nun Schluss.

          Der sportliche Höhepunkt von Morattis (Mitte) Amtszeit: der Gewinn der Champions League 2010
          Der sportliche Höhepunkt von Morattis (Mitte) Amtszeit: der Gewinn der Champions League 2010 : Bild: imago sportfotodienst

          Die Indonesier wollen aus Inter zunächst eine erfolgreiche Marke machen, was Puristen in Mailand die Haare zu Berge stehen lässt. Ein Besuch des Teams 2012 in Jakarta rief unter Indonesiern beinahe eine Massenhysterie hervor, was Thohir und Co. zusammen mit einem Potential von weltweit angeblich 160 Millionen Inter-Fans von der Attraktivität der Marke überzeugt haben soll. Der islamische Milliardär Thohir ist geschäftlich in den Bereichen Unterhaltung, Medien und Sport aktiv. 50 Millionen Dollar investierte er in den Washingtoner Fußballclub DC United, 21 Millionen Dollar zahlte er für eine Beteiligung an der Basketballmannschaft der Philadelphia 76ers. Als Basketballfan besitzt er einige Teams in seiner Heimat und engagiert sich dort als Verbandsvorsitzender. Der Einstieg bei Inter ist Thohirs bislang größte Investition im Sport. Entsprechende Erwartungen dürfte der Unternehmer in das Geschäft legen. Klar ist auch, dass es sich um die erste große Investition seit Jahrzehnten handelt, die frei von Sentimentalitäten ist. Fortan geht es nicht mehr um Gefühle, sondern ums Geschäft. Im Rücken hat Thohir die von seinem Vater gegründete Familien-Holding Astra International, die 2012 einen Umsatz von knapp zwölf Milliarden Euro auswies.

          Moratti hat noch Einfluss

          Was wird passieren? Das fragen sich die besorgten und neugierigen Tifosi. Sie wissen, dass trotz der Investition die Altlasten aus der Moratti-Zeit abgespeckt werden müssen. Das betrifft den Spielerkader, in dem frühere Größen wie Christian Chivu, Walter Samuel, Esteban Cambiasso, Javier Zanetti und Diego Milito zusammen auf 30 Millionen Euro Jahresgehalt kommen, aber sportlich in den vergangenen Jahren enttäuschten. Ihre Zeit bei Inter geht dem Ende zu. Außerdem schlagen auch der gerade erst engagierte Trainer Walter Mazzarri und seine sechs Assistenten teuer zu Buche. Allesamt stehen sie fortan unter besonderer Beobachtung. Die Indonesier wollen zwar weltweit in die Marke Inter investieren, aber bei den laufenden Kosten sparen und junge, günstige Talente spielen sehen. Darauf hat sich Inter Mailand in den vergangenen Jahrzehnten nicht unbedingt spezialisiert.

          Damit die Revolution aber so sanft wie möglich vor sich geht, hat Moratti sich in dem 400 Seiten langen Vertrag mit den Indonesiern noch ein wenig Einfluss zusichern lassen. 30 Prozent der Klub-Anteile bleiben bei ihm, drei von acht Mitgliedern des Verwaltungsrats bestimmt weiterhin er. Sein Sohn wird Vizepräsident. Thohir hat sich verpflichtet, auch künftig in die Mannschaft zu investieren. „Ihr Enthusiasmus und ihr Pragmatismus sind eine Garantie für die Zukunft“, sagte der scheidende Patron über die neuen Chefs. Es klang so, als müsste sich Moratti selbst erst vom Sinn dieser notwendigen Operation überzeugen. Ein Blick auf die aktuelle Serie-A-Tabelle könnte ihn aber beruhigen. Inter belegt Platz vier. Auf Platz eins liegt der AS Rom, der am Freitag zum Spitzenspiel den SSC Neapel empfängt. Seit drei Jahren ist der Hauptstadtklub in der Hand amerikanischer Investoren, die die Marke stärkten, sparten und junge Spieler lancierten. Zwei Spielzeiten dümpelte die Roma vor sich hin. Jetzt folgen die ersten Resultate. Der AS Rom ging bislang in jedem seiner sieben Saisonspiele als Sieger hervor.

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