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Chaos bei Manchester City : „Investorengeld ist nicht schlechter als TV-Geld“

Muss sich wohl mit der Strafe abfinden: Manchester-City-Coach Pep Guardiola Bild: dpa

Englands Spitzenklub Manchester City steht vor der wohl härtesten jemals ausgesprochenen Strafe im internationalen Fußball. Anwalt Frank Koch sieht im Financial Fair Play der Uefa dennoch keinen Sinn. Im Interview erklärt er, warum.

          4 Min.

          Der Hamburger Anwalt Frank Koch ist Partner der Kanzlei Taylor Wessing. Im Jahr 2017 hat er die Daimler AG beraten, als diese für 41,5 Millionen Euro Anteile an der VfB Stuttgart 1893 AG, der Ausgliederung der Profiabteilung aus dem Stammverein, erwarb. Derzeit hält der Autokonzern 11,75 Prozent der Aktien am schwäbischen Zweitliga-Fußballbetrieb.

          Christoph Becker
          Sportredakteur.

          Sie haben im Sommer 2017, als Neymar für 222 Millionen Euro nach Paris wechselte, der F.A.Z. gesagt, dass Sie das Financial Fair Play der Uefa für gescheitert halten. Was macht da der von der Uefa ausgesprochene Ausschluss Manchester Citys aus der Champions League für einen Eindruck?

          Bisher war es so, dass man den Eindruck hatte: Die großen Klubs wird man nicht anfassen, die Paris St. Germains und Manchester Citys wird man nicht ausschließen wollen, weil es das Produkt Champions League kaputt macht. So scheint es nicht mehr zu sein. Das fing letztes Jahr an mit dem AC Mailand, auch wenn die nicht mehr die ganz große Strahlkraft haben. Und nun einer der Großen, Manchester City. Man könnte den Eindruck haben: Es tut sich was bei der Uefa, man traut sich an die Großen heran. Es gibt noch die Einspruchsmöglichkeit vor dem Cas, dem Sportschiedsgericht, aber auf das Verfahren hat die Uefa formal keinen Einfluss mehr. Aus ihrer Sicht hat die Uefa die Maßnahme ergriffen. Aber was hat sich denn verschoben bei der Uefa? Für mich ist FFP immer noch gescheitert.

          Klare Meinung: Anwalt Frank Koch
          Klare Meinung: Anwalt Frank Koch : Bild: Taylor Wessing

          Warum?

          Für welches Problem ist FFP die Lösung? Das verstehe ich nicht.

          In diesem Fall für das Vorschieben von Sponsoren, so scheint die Uefa es zu sehen, wenn hinter dem Geld tatsächlich der Investor steht.

          Richtig. Aber war das das große Problem des Fußballs? FFP hat zwei Aspekte: Erstens nicht mehr auszugeben als einzunehmen, grob zusammengefasst. Wirtschaftliche Stabilität, damit ein Verein nicht im laufenden Wettbewerb pleitegeht. Dagegen kann keiner etwas haben. Hier geht es aber zusätzlich um Einnahmen. Es wird gesagt: nicht jede Einnahme ist gut. Die Einnahmen von euren Investoren sind eigentlich schlecht, die wollen wir nicht. Deshalb die Kunstgriffe, wenn man unterstellt, dass es so ist, wie die Uefa nun zu glauben meint. Löse ich damit ein großes Problem des Fußballs? Es gibt viele Ungleichgewichte.

          Hat sich Ihre Sicht auf FFP in den zweieinhalb Jahren seit Neymars Wechsel also gar nicht geändert?

          Ich glaube nach wie vor, dass man den falschen Ansatz fährt, wenn man nur sagt, Investorengeld ist schlecht. Geldströme abzuschneiden, wenn man finanzielle Stabilität möchte, ist für mich ein merkwürdiger Ansatz. Der Titel „Financial Fairplay“ ist irreführend. Ungerechtigkeiten gibt es viele, bestes Beispiel ist die englische TV-Vermarktungssituation gegenüber der Bundesliga. Ist das gerecht?

          Das ist der Markt. Die Liga ist interessanter.

          Richtig. Aber das gilt genauso für Investoren. Das ist mein Punkt: Niemand hat die Menschen gezwungen zu investieren. Ich halte Investorengeld nicht für schlechter als TV-Gelder.

          In den kommenden zwei Jahren möglicherweise nicht mehr ein alltägliches Bild: Manchester City und die Champions League
          In den kommenden zwei Jahren möglicherweise nicht mehr ein alltägliches Bild: Manchester City und die Champions League : Bild: Reuters

          Würden Sie empfehlen, deswegen die 50+1-Regel, die verhindert, dass Investoren die Stimmen-Mehrheit bei den Profi-Klubs erlangen, abzuschaffen?

          Das wäre der zweite Schritt. Aber ich finde die reine FFP-Betrachtung irreführend. Die angebliche Sorge um die Abhängigkeit von einem Investor, die ist auch bei Fernsehsendern gegeben. Bei Setanta gab es das in England (in der Saison 2009/10; d. Red.). Wenn Sky morgen aufhört zu zahlen, hat die Premier League auch ein Problem.

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