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Interview Ze Roberto : „Die Deutschen haben bisher alles richtig gemacht“

  • Aktualisiert am

Ze Roberto - der „Deutschlandexperte” der Brasilianer Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Ze Roberto, Star der Bayern und Brasiliens, spricht in einem Interview mit der F.A.Z. über den WM-Gastgeber, die neuen Stadien und die Fan-Kultur der Zukunft.

          5 Min.

          Ze Roberto, Star der Bayern und Brasiliens, spricht in einem Interview mit der F.A.Z. über den WM-Gastgeber, die neuen Stadien und die Fan-Kultur der Zukunft.

          Ze Roberto, Sie müssen hier rackern, während Ronaldo, Roberto Carlos und Cafu Urlaub machen. Finden Sie das ungerecht?

          Trainer Parreira hat sie in den Urlaub geschickt, sie wurden nicht nominiert. Ronaldo muß einige private Dinge klären, und die anderen beiden haben einfach eine Verschnaufpause vom Trainer bekommen.

          Urlaub täte aber doch wahrscheinlich allen Spielern gut...

          Nein. Für uns alle ist es ein große Ehre, in der Nationalmannschaft zu spielen. Es ist niemand wütend auf die drei Spieler, wirklich nicht. Der Zeitpunkt dieses Turniers, den ja die Fifa festgelegt hat, ist schon ein wenig unglücklich.

          Wie hoch ist also nach einer langen Saison die Lust am Confederations Cup?

          Es ist ein wichtiges Turnier, schließlich sind große Mannschaften am Start. Die Öffentlichkeit nimmt den Wettbewerb als Mini-WM wahr, das Medieninteresse ist immens. Die WM rückt immer näher, deswegen sind diese Spiele eine sehr gute Vorbereitung für alle Beteiligten gewesen. In nur einem Jahr sehen wir uns alle wieder.

          Machen wir mal einen kleinen WM-Check: Was halten Sie als "Deutschlandexperte" denn vom WM-Logo, diesen lachenden Gesichtern? Sind wir Deutschen das?

          Mir gefällt es. Jedes Land, das eine WM ausrichtet, hat seine eigene Vorstellung von der Umsetzung der Dinge, und die deutschen Organisatoren haben sich für dieses Logo entschieden.

          In der brasilianischen Presse wurde dieses Logo als lachende Ecstasy-Pillen verspottet.

          Nein, ich glaube, das sind glückliche, lustige Puppengesichter. Die Deutschen werden für eine lebendige WM sorgen.

          Sind Sie da sicher? Die Deutschen haben nun nicht gerade die Lebensfreude erfunden.

          Immerhin wohne ich bereits seit einigen Jahren in Deutschland, ich kann dies also ganz gut beurteilen. Die WM wird hier sehr ernst genommen und perfekt organisiert, die Stadien sind phantastisch, die Vorfreude enorm. Wohin ich schaue, sehe ich nur Positives im Hinblick auf die WM.

          Sie würden also auch ohne Bedenken das Motto "Zu Gast bei Freunden!" unterschreiben?

          Die Deutschen sind jetzt nicht so heißblütig wie die Brasilianer, aber ich erinnere mich noch gut daran, wie ich damals in Leverkusen empfangen wurde. Nicht nur ich, auch meine Familie wurde mit sehr viel Respekt und Herzlichkeit aufgenommen. Das hat mich sehr beeindruckt. Die Warmherzigkeit ist auf den ersten Blick nicht so ersichtlich wie in Italien oder Südamerika, die Deutschen sind schon etwas reservierter. Aber hilfsbereit sind sie allemal.

          Was halten Sie im einzelnen von den neuen Stadien, zum Beispiel dem in München?

          Wahnsinn, echt beeindruckend. Immer, wenn wir zum Flughafen fahren, kommen wir daran vorbei. Von außen sieht es wie ein Raumschiff aus. Ich habe zwar noch nicht drin gespielt, da ich bei der Eröffnung mit der Nationalmannschaft unterwegs war. Aber es ist derzeit wohl das modernste Stadion der Welt. Jeder Spieler, der dieses Stadion von außen sieht, will unbedingt darin spielen.

          Vor ein paar Tagen haben Sie in Leipzig gespielt. Leider werden nur sehr selten in diesem schönen Stadion Spiele ausgetragen, der örtliche Klub spielt in der vierten Liga. War es denn richtig, diese "Investitionsruine" zu bauen, um die Menschen im Osten mit einzubeziehen?

          Meiner Meinung nach mußte dieses Stadion einfach gebaut werden, egal ob hier ein Klub spielt oder nicht. Und den sportlichen Werdegang der Vereine kann das Organisationskomitee ja nicht vorhersagen. Die WM-Organisatoren haben sich dazu entschlossen, das gesamte Land einzubeziehen. Dies war absolut richtig. Es soll schließlich eine unvergeßliche WM werden, und die Meßlatte durch die WM in Asien wurde sehr hoch gelegt. Die Deutschen haben in dieser Hinsicht bisher alles richtig gemacht. Ich selbst verfolge dies alles aus nächster Nähe, da ich in Deutschland wohne. Die Vision, tolle Stadien hinzustellen, ist einfach von größerer Bedeutung als die Frage, in welcher Liga gerade der lokale Verein spielt.

          Jetzt "kämpfen" wir hier bereits mit einem Luxusproblem: Es gibt einige Leute, die behaupten, die neuen Stadien sähen sich allesamt zu ähnlich. Ging der eigenständige Charakter mit dem Bau der "Neuen" verloren?

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