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Interview mit Rafael van der Vaart : „Was willst du in Hamburg?“

  • Aktualisiert am

Durchwachsener Start: Auswechslung nach 70 Minuten Bild: dpa/dpaweb

Der erste Bundesliga-Auftritt für den Hamburger SV war erfolgreich. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht Rafael van der Vaart über holländische Klischees, den „großen“ HSV und das Leben im Wohnwagen.

          4 Min.

          Der Start in die Bundesliga ist gelungen. Zwar wurde Rafael van der Vaart nach 70 Minuten und durchwachsener Leistung ausgewechselt, doch sein Hamburger SV gewann 3:0 gegen Nürnberg. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung spricht der Neuzugang von Ajax Amsterdam über holländische Klischees, den „großen“ HSV und das Leben im Wohnwagen.

          Wie betont man Ihren Namen eigentlich richtig?

          Richtig ist VAN DER Vaart, also am Anfang und in der Mitte betont. Aber in Deutschland sagen Sie VAN der Vaart, in Holland auch van der VAART. Das macht mir nichts aus.

          Blickfang auf der Tribüne: Sylvie van der Vaart

          Was dachten Sie von Hamburg, als Sie vom Angebot hörten?

          Erst mal gar nichts, ich kannte die Stadt nicht. Dann kam ich mit meiner Frau zum Spiel gegen Gladbach. Ich sprach mit den Verantwortlichen. Es war toll, das Stadion, die Stimmung, die Gespräche. In Holland fragte man mich: Was willst du in Hamburg? Hamburg ist nicht so toll, es regnet immer, und man kann nichts machen, der Klub ist auch nicht so toll. Aber als ich kam, war ich begeistert. Hier gibt es alles, die Alster, den Hafen, Geschäfte, Restaurants. Ich dachte allerdings, Hamburg sei viel kleiner. Wir haben ein Appartement in Eppendorf, ein tolles Viertel. Ich kann es kaum erwarten, wenn wir am 15. August endlich die Schlüssel bekommen und einziehen. Ich kann kein Hotelfrühstück mehr sehen.

          Viele HSV-Spieler ziehen an den Stadtrand, wollten Sie das nicht?

          Ich bin ein junger Mann und habe meine Frau, wir wollen Spaß haben. Da ist es besser, in der Stadt zu wohnen.

          Werden Sie schon erkannt auf der Straße?

          Schon, aber alles ist gut. Die Leute loben mich, aber sie sind entspannt. Sie schreien nicht rum. Ich mag es, wenn die Menschen relaxed sind, mit mir beim Kaffee ein bißchen plaudern.

          Vom Team wurden Sie herzlich aufgenommen.

          Das hätte ich so nicht erwartet. Wenn du als teurer Spieler in ein neues Team kommst, ist das nicht normal. Da habe ich mir schon Gedanken gemacht. Aber alle sind klasse hier, sie sind freundlich, sie helfen mir. Khalid Boulahrouz kenne ich aus der Nationalmannschaft. Das macht es mir leicht.

          Verspüren Sie keinen Druck, als fünf Millionen teurer Profi?

          Wenn du Druck spürst, macht es keinen Spaß mehr. Schon klar, sie haben mich für viel Geld geholt und erwarten viel von mir, das ist nicht leicht. Aber ich bin ein ganz normaler Mensch, spiele mal gut, mal schlecht. Vor fünf Jahren war ich nichts. Jetzt soll ich ein Star sein? Ich bin doch derselbe geblieben. Ich spiele doch nur Fußball. Ich weiß nicht, was ich ohne Fußball geworden wäre - ich war so schlecht in der Schule.

          Wie würden Sie Ihre Art zu spielen beschreiben?

          Ich liebe es, Fußball zu spielen. Ich hoffe, die Menschen sehen, wie sehr ich das Spiel liebe. Das wichtigste ist, Spaß zu haben, es zu genießen. Die Zuschauer kommen doch auch, um Spaß zu haben.

          Das holländische Idol Johan Cruyff konnte gar nicht verstehen, warum Sie zum HSV wechseln.

          Ich habe das gehört, aber es ist nicht wichtig. Es ist doch meine Entscheidung. Ich hatte sofort ein gutes Gefühl, als ich hierherkam. Für mich ist der HSV ein großer Klub. Oder schau dir das Stadion an. Es hängt doch nur an mir, was ich daraus mache.

          Wollen Sie ihm nun zeigen, daß Ihre Wahl richtig ist?

          Ach nein. Ich möchte eine tolle Serie mit dem HSV spielen. Wir wollen in den Uefa-Cup oder mehr. Wir haben ein gutes Team, aber wir müssen uns noch besser kennenlernen.

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