https://www.faz.net/-gtl-9pyla

Paderborn-Trainer Baumgart : „Wir leben hier hundert Prozent Fußball“

  • -Aktualisiert am

Emotional: Paderborn-Trainer Steffen Baumgart Bild: Picture-Alliance

Steffen Baumgart, Trainer des Aufsteigers Paderborn, im Interview über den Mut zur Offensive auch in der Bundesliga, verzeihbare Fehler und die grundsätzliche Liebe zum Sport.

          Erst Beinaheabstieg in die Viertklassigkeit, dann stürmischer Durchmarsch in die Bundesliga – und nun sollen Sie, der die beiden Aufstiege als Trainer angeführt hat, dafür sorgen, dass der Verein in der Bundesliga bleibt. Wie gut gerüstet ist Ihre Mannschaft vor dem DFB-Pokalspiel gegen Rödinghausen (15.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker und bei Sky)? Und kann sie auch ganz oben ihrem offensiven Stil treu bleiben?

          DFB-Pokal
          ANZEIGE

          Warum sollte ich jetzt vorsichtig werden? Ich bin ja von der Art und Weise unseres Fußballs überzeugt. Natürlich ahne ich, dass wir in dem einen oder anderen Spiel mal richtig was auf die Nase kriegen. Und trotzdem bin ich mir sicher, dass wir auf unsere Art auch Erfolg haben werden. Bei uns kann der Erfolg Platz zwölf sein. Und vielleicht sagen wir uns nach der Saison sogar, es war mehr drin als Rang zwölf. Vielleicht sind wir aber auch am Ende Fünfzehnter und froh, dass wir noch dabei sind. Am wichtigsten bleibt, dass unsere Art und Weise, Fußball zu spielen und unser Mut nicht verlorengehen. Wir glauben an uns und an unser System. Es geht nicht darum, dass ich meinen Job mit allerlei Sicherheitsvorkehrungen erhalte. Das würde bedeuten, dass meine Mannschaft nur hintendrin steht und versucht, ein Spiel irgendwie mit Erfolg zu überstehen. Es geht darum, den Spaß auf dem Platz zu behalten und das Publikum zu unterhalten.

          Sie haben einmal gesagt, dass das Wichtigste im Fußball Mentalität, Kampfbereitschaft, Laufbereitschaft und Leidenschaft seien. Fähigkeiten, die Sie auch als Spieler in Rostock, Wolfsburg und Cottbus ausgezeichnet haben.

          Wenn ich noch die technischen und gestalterischen Qualitäten wie unser zum VfB Stuttgart gewechselter Spielmacher Philipp Klement gehabt hätte, wäre ich wohl Nationalspieler geworden. Auch ihm habe ich aber gesagt: Wenn du es jetzt noch schaffst, Zweikämpfe zu gewinnen und Bälle zu erobern, bist du auf einem ganz anderen Level.

          Geradlinig, schnörkellos, offensiv, mutig, temporeich: Wer Ihre Mannschaft sieht, könnte glauben, dass sich beim SC Paderborn die Familie Baumgart tummelt.

          Die kleinen Baumgarts sind das nicht, das würden meine Spieler wohl auch gar nicht wollen. Aber ich finde es gut, dass die Spieler versuchen, das umzusetzen, was wir im Trainerteam ihnen vorgeben. Sie erkennen, dass der Fußball, den ich mir als Trainer wünsche, auch etwas bringt.

          Dabei denkt man an die 76 Tore, die Ihr Team in der vergangenen Zweitligasaison geschossen hat.

          Ich sehe aber nicht nur den Weg nach vorn und nicht allein unsere Offensivpower. Was wir insgesamt machen, ist schon sehr komplex, denn wir laufen ja nicht wild nach vorn. Unser Anlaufen und Attackieren in gewissen Räumen hat viel mit geplantem Fußball zu tun. Darum ist unser Spiel für den einen oder anderen nicht sofort erkennbar. Es ist mehr als ein reines Spektakel, das wir in der vorigen Saison geboten haben. Interessant sind nicht nur die vielen Tore, die wir erzielen konnten, sondern die Vielzahl an Torchancen, über 400, darüber hinaus. Wir versuchen, uns systematisch Freiräume zum Torschuss zu verschaffen.

          Wie ist es zu erklären, dass Sie als vorjähriger Zweitliga-Aufsteiger mit einer, Entschuldigung, No-Name-Mannschaft den zweiten Paderborner Bundesliga-Aufstieg nach 2014 schaffen konnten?

          Vieles hatte damit zu tun, dass unsere Spieler, die sich stetig verbessert haben, in unserem System sehr gut funktioniert haben. Bei uns ist der einzelne Profi wirklich nur der einzelne. Wir haben nicht nur eine erste Elf, sondern viele Spieler, die nach unseren Vorstellungen positionsgetreu ihre Aufgaben erfüllen können. Die Spieler, die bei uns zum Zuge kommen, müssen in unserem System funktionieren. Unser System ist nicht einfach mit Zahlen, also beispielsweise mit einem 4-4-2, zu beschreiben. Es geht vor allem darum, wie ich Räume und Überzahl schaffen kann. Bei uns bist du nie ein Einzelkämpfer und wirst nie alleingelassen, du hast immer jemanden neben dir. Die Jungs wissen, was sie zu tun haben. Wir haben eine eigene Handschrift.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          TV-Kritik: Anne Will : Welche Zukunft hätten Sie gern?

          Wer Klimaschutzpolitik als Kampf zwischen den Generationen etikettieren will, ist schief gewickelt. Die Zahl besorgter Eltern und Großeltern, die vergangenen Freitag an der Seite von Kindern und Enkeln auf die Straße gingen, war beachtlich. Der ganzen Debatte fehlt es an Optimismus.

          Länger leben : Kerle, macht’s wie die Frauen

          Von der Gleichstellung der Geschlechter profitieren auch Männer – sie sind gesünder und leben länger. Die regionalen Unterschiede, die in einer Studie sichtbar werden, überraschen.
          Viele Fragen an den Präsidenten in der Whistleblower-Affäre: Donald Trump beantwortet Reporterfragen vor dem Weißen Haus.

          Telefonat mit Selenskyj : Trumps Erpressung

          Für Donald Trump ist das Telefonat mit dem ukrainischen Präsidenten nicht verwerflich. Er sieht nichts Schlimmes darin, seine Macht zu nutzen, um politischen Konkurrenten wie Joe Biden zu schaden. Dabei beginnt der Skandal schon an anderer Stelle.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.