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Interview mit Beckenbauer : „Ich weiß, wo die Ärmsten der Armen wohnen“

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Nur ein kurzes Innehalten nach der WM: Franz Beckenbauer Bild:

Franz Beckenbauer hätte sich während der WM gerne mal ins Fanmeilen-Getümmel gestürzt. Im F.A.Z.-Interview spricht der „Kaiser“ über seine afrikanische Mission in der Fifa-Exekutive, das Duell um den Uefa-Vorsitz und Klinsmanns nicht erfüllte Mission.

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          Weltmeister als Spieler, Weltmeister als Teamchef, Organisationsweltmeister der WM in Deutschland, „Kaiser“ und nun, nach der jüngsten Preisverleihung: „Genie des Fußballs“. Franz Beckenbauers Titel, Trophäen und Auszeichnungen füllen Bände.

          Was soll da noch an Titeln und Ehren auf Sie zukommen?

          Es gibt genug findige Köpfe, wie man zuletzt gesehen hat. Genie des Fußballs - ich weiß auch nicht, was jetzt noch folgt. Ich bin aber froh und dankbar, dass es so gekommen ist. Vor allem mit der Weltmeisterschaft in Deutschland, die ja nicht nur für den Fußball, sondern auch für das Land eine große Bedeutung hatte. Ich glaube ohne Übertreibung sagen zu können, dass Deutschland heute in der Welt ein anderes Erscheinungsbild abgibt als vor der WM. Das sind Erkenntnisse, die einen sehr froh machen.

          Sie haben einmal gesagt, dass die WM bald nach ihrem Ende schon hinter dem Mond sei? War sie das wirklich?

          Sie war in mir relativ schnell verschwunden, hat mich aber zum Jahresende mit all den Rückblicken und Ehrungen wieder eingeholt. Ich hätte nicht gedacht, dass mich die Bilder der Weltmeisterschaft, vor allem von den Fanmeilen, emotional noch einmal so berühren würden. Ich wäre so gern mal in dieser Menge, bei einer solchen Fanparty dabei gewesen. Da nicht mitmachen zu können, habe ich bei der WM am meisten vermisst.

          Haben Sie nach der WM den Fußball auch mal ausblenden können

          Ich habe mir dann ein paar Wochen lang kein Spiel mehr angeschaut, nachdem ich während des Turniers 46 von 64 WM-Begegnungen gesehen hatte. So viele Partien schaust du dir normalerweise nicht in zwei Jahren an. Jetzt sehe ich oft Spiele, bei denen die Stimmung drumherum manchmal noch an die WM erinnert, deren Qualität aber häufig sehr durchschnittlich ist.

          Jetzt werden Sie beim Düsseldorfer Kongress der Europäischen Fußball-Union (Uefa) in die Exekutive des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) gewählt - Sie hätten aber auch Uefa-Präsident werden können.

          Ich habe immer wieder betont, wenn Lennart Johansson nicht mehr kandidiert, bin ich interessiert. Da er sich aber wieder zur Wahl stellt, war klar, dass ich unter diesen Umständen nicht antrete.

          Gab es nicht auch andere Überlegungen bei Ihnen, gerade nach der kraftraubenden Weltmeisterschaft und ihrem Vorprogramm, der Welcome-Tour durch die 31 teilnehmenden Länder? Spürten Sie während dieser Wochen, dass auch eine öffentliche Person wie Sie in Zukunft etwas mehr Zeit für sich selbst, für Ihre Frau und Ihre zwei kleinen Kinder brauchte?

          Diese Überlegung kam später dazu. Deswegen war es mir eigentlich ganz recht, dass sich Lennart Johansson wieder zur Wahl stellt.

          Der Deutsche Fußball-Bund hat sich sehr früh auf Johansson festgelegt und damit sein Votum für den Kongress bekanntgegeben. Hat sich der DFB damit auch nach Ihrer Ansicht für den „Richtigen entschieden?

          Der DFB hat richtig entschieden, und die Meinung im Präsidium war einstimmig. Wir haben Lennart Johansson sehr viel zu verdanken - gerade im Hinblick auf die WM 2006 und deren Vergabe im Jahr 2000. Es ist die Pflicht des DFB, Johansson bei dieser Wahl zu unterstützen.

          Was zeichnet den Charakter des schwedischen Amtsinhabers aus?

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