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Interview : „Mir fehlen zwei Jahre“

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Metzelder: „Natürlich will ich wieder in die Nationalmannschaft” Bild: picture-alliance/ dpa

Der Dortmunder Fußballprofi Christoph Metzelder spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über seine letzten WM-Chancen, den Besuch beim Weltjugendtag und Kinderprostitution.

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          Der Dortmunder Fußballprofi Christoph Metzelder spricht im Interview mit der Sonntagszeitung über seine letzten WM-Chancen, den Besuch beim Weltjugendtag und Kinderprostitution.

          Haben Sie sich das Länderspiel Niederlande gegen Deutschland angesehen?

          Ja, ich habe es mir im Fernsehen angeschaut. Die Holländer haben vorgeführt, wie auf höchstem Niveau Fußball gespielt wird. Aber die deutsche Mannschaft hat gezeigt, daß sie den unbändigen Willen hat, so ein Spiel noch zu drehen.

          Es war viel Glück dabei, besonders in der deutschen Abwehr. Glauben Sie, es besser zu können, oder sind Sie froh, nicht dabeigewesen zu sein?

          Ich befinde mich immer noch in einem Prozeß der Wiederherstellung. Das haben auch die letzten beiden Bundesligaspiele gezeigt. Sie waren ein kleiner Rückschlag. Ich besitze noch nicht die volle Stabilität, die ich vor meiner langwierigen Verletzung hatte. Aber ich merke im Training, daß es immer besser wird. Natürlich will ich wieder in die Nationalmannschaft.

          Noch mal die Frage: Hätten Sie es in Rotterdam besser gemacht?

          Das ist schwer zu sagen. Die Kritik richtet sich immer gleich gegen die beiden Innenverteidiger. Das ist mir zu einfach. Das erste Tor der Holländer war so ähnlich wie bei meinem Fehler gegen Schalke. Christian Wörns gewinnt das Kopfballduell, und woandershin köpfen kann er den Ball nicht. Wenn man an Gegentoren beteiligt ist, braucht man eine gewisse mentale Stärke. Wer Christian Wörns kennt, weiß, daß er da unglaublich stabil ist.

          Sie sehen also weiter die Möglichkeit, daß die Dortmunder Innenverteidigung Wörns/Metzelder bei der Weltmeisterschaft im kommenden Jahr spielt?

          Das ist eine der Optionen. Wenn ich Fitness und Form finde, bin ich auch wieder in der Lage, für die Nationalmannschaft zu spielen. Um es mal sehr technisch auszudrücken: Mir fehlen auf meiner Festplatte zwei komplette Jahre ohne Training und ohne Spiel. Ich bin gerade dabei, jeden Tag wieder Daten zu sammeln, um den Level zu erreichen, auf dem ich bei der WM 2002 gespielt habe. Man muß die Entwicklung der letzten Monate betrachten, das tun die Bundestrainer.

          In Dortmund galten Sie lange als sakrosankt. Nach der Niederlage gegen Schalke hat Trainer Bert van Marwijk Sie öffentlich gerügt. Ist Ihr Kredit aufgezehrt?

          Ich bin jetzt seit acht Monaten wieder dabei. Da werden andere Ansprüche gestellt als kurz nach dem Comeback im Januar. Es ist die Art unseres Trainers, knallhart zu kritisieren, aber nicht um einen Spieler anzugreifen, sondern stets mit dem Hintergedanken, ihn weiterzubringen. Insofern geht van Marwijks Kritik in Ordnung. Auch daß er sie öffentlich geäußert hat, ist kein Problem für mich.

          Andere Trainer äußern Kritik oft nur verschlüsselt. Sind deutsche Profis zu empfindlich?

          Fußball hat mit Talent zu tun, aber auch sehr viel mit Selbstvertrauen. Es gibt junge Spieler, die mit Kritik noch nicht so umgehen können, die sind in ihrem Selbstvertrauen dann stark beeinträchtigt. Ein Trainer muß unterscheiden, bei wem er das macht. Bei mir oder bei Christian Wörns und Sebastian Kehl kann er ruhig öffentlich kritisieren, weil wir damit umzugehen wissen.

          Sie haben gesagt, es fehle der Dortmunder Mannschaft an Leidenschaft, weil die Spieler gerade erst aus dem Urlaub zurück seien. Waren die Ferien zu lang?

          Nein. Wir haben in der Rückrunde viele Spiele aufgrund einer Eigendynamik gewonnen, die mit jedem Sieg stärker wurde. Und wir haben uns an jedem Sieg berauscht. Dann fährt man fünf Wochen in Urlaub und hat danach fünf Wochen Vorbereitung. Da muß man sich die Leidenschaft und diese Eigendynamik wieder neu erkämpfen. Das ist genauso, wie wenn eine Mannschaft bis zur Halbzeit hervorragend spielt, und nach der Pause kommt ein Bruch. Wir haben in Dortmund nicht mehr die Qualität früherer Jahre. Deshalb brauchen wir wieder das Gefühl, gewonnen zu haben, uns in den Armen zu liegen und in der Kabine Lieder zu singen.

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