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Interview : Klopp: „Man muß sich auch mal lächerlich machen“

  • Aktualisiert am

Immer voll bei der Sache: Jürgen Klopp Bild: dpa/dpaweb

Jürgen Klopp, Vater des Mainzer Spaßfußballs, über seine Gute-Laune-Philosophie, Neid unter Trainern und Fehler, die ihm Kollegen bereits abgenommen haben.

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          Der Höhenflug des selbsternannten Karnevalsvereins Mainz 05 in der Bundesliga ging auch am Sonntag abend weiter - mit einem respektablen 1:1 gegen Borussia Dortmund.

          Gerade hat Bundeskanzler Schröder gefordert, statt zu lamentieren, solle man die Ärmel "hochkrempeln". Fordert er damit das, was Sie beim FSV Mainz 05 jede Woche vormachen?

          Ich glaube nicht, daß man das auf alle Lebensbereiche einfach übertragen kann. Unsere Probleme erscheinen im Vergleich zu anderen Problemen als regelbar, das ist ein Unterschied. Im Grundsatz glaube ich, daß man alle Dinge positiv angehen sollte. Aber auch der Bundeskanzler sollte nicht vergessen, daß einige Leute wirkliche und ernste Probleme haben. Lamentieren ist nicht der richtige Weg, aber manchmal verständlich.

          Wie schafft man es denn, eine positive Mentalität in einer Gruppe entstehen zu lassen?

          Das hängt natürlich von den Protagonisten ab. Wenn man durch die Welt geht, wird man immer Leute finden, die das Glas als halbleer empfinden. Warum ich es prinzipiell als halbvoll betrachte, das kann ich nicht genau sagen. Aber in der Mannschaft haben wir viele solcher Typen, und Menschen lassen sich auch gerne positiv beeinflussen. Es macht das Leben angenehmer, wenn man die Chance sieht und nicht das Problem. Bei uns in Mainz ist alles dafür bereitet, daß die Spieler, wenn sie am Limit arbeiten, grundsätzlich positiv bewertet werden. Und daß nicht irgendwo nach Krümeln gesucht wird.

          Wie schaffen Sie und die Mannschaft es, Rückschläge wie im DFB-Pokal oder die verpaßten Aufstiege wegzustecken?

          Wenn man alles investiert, dann darf man nicht erwarten, alles zu bekommen; es geht darum, das maximal Mögliche zu erreichen. Es gibt ein übergeordnetes Gesetz: Man kann nicht Fußball spielen, ohne damit zu rechnen, daß man Gegentore bekommt. Wenn es aber dazu führt, daß einen Gegentore oder Niederlagen aus der Bahn werfen, dann läuft etwas schief. Für uns sind Rückschläge nicht mehr als Rückmeldungen. Sich doppelt bestrafen, das darf nicht sein. Nach unserer 2:4-Niederlage in Stuttgart fand ich es witzig, daß offenbar alle gedacht haben, wir können nicht kicken. Ich habe den Jungs erklärt: Das waren vierzig Prozent von dem, was wir können, und wir haben trotzdem zwei Tore geschossen. Es geht ja auch darum, aus dem Stand Dinge zu ändern. Wenn die ganze Welt nach einer Niederlage von uns in Berlin oder Braunschweig behauptet, da kann nicht mehr kommen, haben wir uns entschieden: Natürlich geht das.

          Wie lange sind Vollgasspiele in englischen Wochen durchzuhalten?

          Die Spieler sind darauf trainiert, dies zwei-, dreimal die Woche machen zu können. Das Spiel ist wie eine Trainingseinheit.

          Gibt es in Ihrer Mannschaft denn keine Profis, die noch im nachhinein mit Niederlagen hadern?

          Möglicherweise gibt es die, wenn auch nicht viele, denn die Typen sind ja bewußt ausgewählt worden. Wir sind eine homogene Gruppe, und die Mannschaft läßt sich beeinflussen. Es ist wichtig, daß man Meinungsmacher hat, und da ist in der Hauptsache natürlich der Trainer gefragt. Wenn zwei, drei nicht so recht dabei sind, dann spielen die auch nicht.

          Trotzdem wird stets von den Mainzer "Spaßfußballern" oder "Gute-Laune-Kickern" gesprochen. Können Sie das noch hören?

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