https://www.faz.net/aktuell/sport/fussball/interview-in-den-naechsten-20-jahren-wird-bayern-sechzehnmal-meister-1304249.html

Interview : „In den nächsten 20 Jahren wird Bayern sechzehnmal Meister“

  • Aktualisiert am
„Die Musik ist doch längst gespielt”

„Die Musik ist doch längst gespielt” Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht, Heribert Bruchhagen, spricht im Interview mit der F.A.Z. über gierige Münchner, hoffnungslose Konkurrenten und die Gefahren für den Fußball.

          4 Min.

          Der Vorstandsvorsitzende der Frankfurter Eintracht, Heribert Bruchhagen, spricht im Interview mit der F.A.Z. über gierige Münchner, hoffnungslose Konkurrenten und die Gefahren für den Fußball.

          Noch ist der Mehrerlös aus den neuen Fernsehverträgen in der Bundesliga nicht verteilt, da machen Sie schon mobil gegen den Krösus Bayern München und dessen Vorstandsvorsitzenden Karl-Heinz Rummenigge. Warum?

          Zunächst einmal ist die Rechnung doch ganz einfach. Wenn die Liga statt 300 Millionen Euro wie bisher demnächst 420 Millionen Euro einnimmt und damit etwa 40 Prozent mehr als zuvor, hieße das bei einer linearen Anhebung der jeweiligen Gelder, daß jemand, der bisher, bildlich gesprochen, 100 Euro überwiesen bekommen hat, demnächst 140 Euro hätte und jemand, der bisher 20 Euro erhielt, 28. Acht Euro gegen 40 Euro, das wären fünfmal soviel für den, der bisher schon am besten gestellt war.

          Nach allem, was bekannt ist, will die Deutsche Fußball-Liga aber ihr neues Auszahlungsmodell mehr an den Tabellenständen der Gegenwart und der vergangenen drei Jahre orientieren. Dazu ist ein Ranking vom Ersten der Bundesliga bis zum Letzten der zweiten Liga und ein nicht mehr so harter finanzieller Übergang zwischen den beiden Profiligen geplant.

          Ich habe von all den Vorschlägen, die da kursieren, bisher nur gehört und gelesen. Grundsätzlich bin ich auch dafür, wenn die Übergänge von der ersten zur zweiten Liga fließender als bisher gestaltet werden. Ich will aber allmählich mal genauer wissen, was da konkret auf den Tisch kommt, denn wir haben am 25. Januar eine Sitzung, auf der diese Dinge besprochen werden. Die Bayern werden, davon bin ich jetzt schon überzeugt, nicht nur mit 40 Prozent, sondern am Ende überproportional am Mehrerlös partizipieren wollen.

          Was Sie ebenfalls nicht zufriedenstellt, ist die Abschaffung jeglicher Ausländerbeschränkung in der Bundesliga, gekoppelt mit der Einführung sogenannter „Local Player“, also in den jeweiligen Vereinen oder in Deutschland ausgebildeter Spieler. Sind Sie nun wenigstens dafür, daß eine Kaderhöchstgrenze, etwa wie in den europäischen Wettbewerben mit der Kennziffer 25, festgesetzt wird?

          Natürlich, da die Local-Player-Regelung andernfalls zum Lachschlager würde. Sonst nimmt man 25 Ausländer und packt hinten noch ein paar „Local Player“ drauf. Eine Kaderbegrenzung ist das mindeste, was man nach der neuen Beschlußlage verlangen kann.

          Hat denn ein Verein bei der Frankfurter Ligaversammlung am 21. Dezember den Antrag auf Abschaffung der Ausländerbeschränkungen gestellt?

          Natürlich nicht. Das ist vom Ligaverbandsvorstand gekommen, und der wird ganz allein dominiert von der „Kommission Rummenigge“. Für mich ist der Vorstand die „Kommission Rummenigge“. Die Kaderdeckelung, die die Uefa vorsieht, ist von diesem Vorstand ganz bewußt weggelassen worden.

          Sehen Sie auf Dauer die Gefahr, daß der Wettbewerb innerhalb der Klassengesellschaft Bundesliga nachhaltig leiden könnte?

          Früher konnte sich in der Bundesliga auch mal etwas von oben nach unten oder von unten nach oben verschieben. Das ist doch längst vorbei. Nach drei Spieltagen dieser Saison standen die sieben Kandidaten, die nach unten gehören, schon fest - und die sieben, die nach oben gehören, genauso. Vielleicht ist der HSV in dieser Saison noch ein positiver Zufallstreffer. Doch ansonsten ist die Musik doch längst endgültig gespielt. Der Wettbewerb in der Liga wird zukünftig gegen Null gehen. Ich sage voraus, daß Bayern in den nächsten zwanzig Jahren sechzehnmal deutscher Meister wird.

          Welche Chance hat denn die von Ihnen angeführte Frankfurter Eintracht noch, in den Kreis der Großen, zu denen der Klub früher gehörte, zurückzukehren?

          Keine mehr. Aber wir haben eine riesige Chance, im Mittelfeld zementiert zu werden.

          Das sind ja großartige Aussichten für den Fan, dem Sie doch immer wieder neue sportliche Ziele vor Augen halten möchten.

          Natürlich sind das nicht die schönsten Perspektiven, aber letztlich mußt du wahrhaftig bleiben. Bist du es nicht, werden die Ziele viel zu hoch geschraubt, so daß sie gar nicht mehr zu erfüllen sind. Dann kommt es eben zu acht Trainerentlassungen wie in dieser ersten Halbserie. Da werden Erwartungen vorgegaukelt, die nicht einzulösen sind. In der Autoindustrie können zyklisch alle Unternehmen ähnlich erfolgreich sein; im Fußball geht das nicht. Da ist die Gesetzmäßigkeit ganz einfach: Für jeden, der hochkommt, muß einer runtergehen.

          Kein bißchen Konkurrenz mehr also für die Bayern?

          Es wird immer auch andere Klubs als die Bayern geben, die sich um die deutsche Meisterschaft bemühen und dieses Ziel ausgeben. Haben sie Pech, siehe Borussia Dortmund, holen sie sich dabei den Strick.

          Warum schafft es Werder Bremen trotzdem, zumindest auf Sichtweite zu den Bayern zu bleiben, ohne die Grenzen des finanziell Vertretbaren zu überschreiten?

          Weil der Verein in Klaus Allofs einen überragenden sportlichen Manager hat. Wenn die aber mal eine Krise haben sollten, kommen sie aus der auch nicht mehr heraus.

          Daß drei Klubs mit gerade noch zwölf Punkten das Tabellenende nach der ersten Halbserie bilden, ist unter dem Eindruck der klar definierten Verhältnisse dann wohl auch bezeichnend?

          Alles ist klar und voraussehbar. Die Kleinen gewinnen nicht mehr gegen die Großen, sieht man mal von dem Kölner Auswärtssieg in Stuttgart ab. Andersherum gewinnt Bayern von 17 Spielen 13. Wo soll da noch ein Wettbewerb sein? Das Ganze wird in Zukunft noch verstärkt.

          Was wäre gegen diese Entwicklung zu tun?

          Man könnte zum Beispiel die Fernsehgelder anders verteilen. Rummenigge argumentiert immer, daß Juventus Turin im Vergleich zu den Bayern (sie kassierten in der vorigen Saison 16 Millionen Euro aus der Fernsehverwertung der Bundesliga) etwa das Zehnfache aus den Erlösen der Serie A bekomme. Er argumentiert aber nicht damit, daß Bayern mit Adidas einen Sondervertrag hat, daß die Bayern Bandenwerbungseinnahmen haben, die Juve nicht hat, daß sie Sponsorengelder bekommen, die Juventus nicht bekommt. All das lassen sie gern unter den Tisch fallen. Von Bayern wird auch so gut wie jedes Pokalspiel im Fernsehen übertragen, wofür es auch wieder Geld gibt. All das unterschlägt Rummenigge bei seiner Betrachtungsweise.

          Was also sollte anstelle des Ihrer Ansicht nach überholten Begriffs vom Wettbewerb in der Bundesliga stehen?

          Was wir längst erleben, ist nur eine Manifestierung der jeweiligen Etats. Die Zeiten, da die Vereine auf mehr hoffen durften, sind vorbei.

          Dennoch schienen diese Tendenzen am Publikum in den Bundesliga-Stadien vorbeizugehen. Die Arenen sind proppevoll wie nie. Wie das?

          Der Fan ignoriert diesen Trend bisher. Doch die Gefahr besteht, daß irgendwann die Lust darauf fehlen wird, die Bayern immer wieder als Meister, den HSV immer wieder zwischen Platz drei und fünf und als Absteiger immer wieder Duisburg, Bielefeld oder Bochum zu sehen. Für uns in Frankfurt ist das ja okay, weil wir uns schon aufgrund unseres Stadions von den Kleinen abheben und uns deshalb leicht im Mittelfeld der Liga etablieren können.

          Sind Sie nicht insgesamt zu pessimistisch?

          Ich habe ja die nahezu aussichtslosen Vereine wie Arminia Bielefeld erlebt. Ich bin so lange im Fußball dabei, daß man zu meinen Einschätzungen kommen muß, wenn man nicht nur pro domo denkt. Deshalb verstehe ich auch Karl-Heinz Rummenigge in seiner Position. Da ich aber gewohnt bin, dialektisch zu denken, muß er auch meine manchmal konträren Auffassungen ertragen lernen.

          Die Fragen stellte Roland Zorn.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Die lokalen Stromverteilnetze könnten zum Engpass für die Energiewende werden.

          Energiewende : Mit Anreizen gegen die Stromrationierung

          Von Tesla bis Viessmann: Unternehmen wettern gegen die geplante Begrenzung der Stromversorgung für E-Autos und Wärmepumpen. Nun präsentieren sie Ideen, wie es ohne gehen könnte. Im Mittelpunkt stehen dabei die Verbraucher.
          BASF-Anlage in Ludwigsburg: Auf seine Beteiligung an Wintershall Dea musste der Chemiekonzern  5,4 Milliarden Euro abschreiben. (Symbolfoto)

          Nach BASF-Abschreibungen : Teurer Abschied aus Russland

          BASF muss Milliarden aus dem Russlandgeschäft von Wintershall abschreiben. Auch für andere Dax-Unternehmen wird der Ausstieg aus Putins Reich noch teuer.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.