https://www.faz.net/-gtl-49x1

Interview : „Es ist zu viel Geld im Spiel“

  • Aktualisiert am

Gefragt: Günter Netzer Bild: AP

Günter Netzer im F.A.Z.-Sportgespräch: Der frühere Nationalspieler gilt manchem schon als mächtigster Mann im deutschen Fußball, sagt aber über sich selbst, daß er ganz und gar „kein Machtmensch“ sei.

          Der frühere Fußball-Nationalspieler Günter Netzer ist „Executive Director“ bei der Sportrechteagentur Infront mit Sitz im schweizerischen Zug. Infront gehören die TV-Rechte an der Bundesliga und an der Fußball-WM 2006.

          Herr Netzer, es heißt so schön, Sie seien der neue Herrscher des Fußballs. Ihnen wurde auch nachgesagt, daß Sie die Fernsehrechte an der WM 2006 aus der linken Hosentasche gekauft hätten. Wie groß ist Ihr Einfluß wirklich?

          Ich war erschrocken über die Berichterstattung. Wer mich ein bißchen kennt weiß, daß ich kein Machtmensch und kein Geldmensch bin. Das entspricht nicht meinem Charakter und meinem Streben. Wer ein bißchen aufgepaßt hat, wußte übrigens, daß wir schon die WM 2002 mitvermarktet habe. Jetzt ist die Bundesliga dazugekommen. Das macht mich nicht größenwahnsinnig. Ich bin ein kleines Glied meiner Firma, die jetzt Infront heißt, und leiste meinen Beitrag aus meiner jahrzehntelangen Erfahrung im Fußball.

          Dennoch werden Sie nun mit einer anderen machtvollen Person verglichen - nämlich Franz Beckenbauer. Wo würden Sie sich neben dem „Kaiser“ einordnen?

          Ich habe keine Ambitionen, mich mit ihm zu vergleichen. Die Nation muß froh sein, daß wir den Franz haben. Ich wurde ins Rennen geschickt, weil unsere Firma über bestimmte Rechte verfügt. Meine Rolle ist in den Medien zu sehr übertrieben worden.

          Sie sind also kein Machtmensch, und die Finanzen motivieren Sie auch nicht. Was ist es, was Sie antreibt?

          Mich treibt gar nichts. Ich bin überhaupt kein ambitiöser Mensch. Wenn das der Fall wäre, wäre ich ein besserer Fußballer geworden.

          Noch besser?

          Ich hätte den Wolfgang Overath verdrängt und hätte 80 Länderspiele und nicht 37. Mein Naturell ist, daß ich zu allem gezwungen werden mußte - zum Laufen durch Hennes Weisweiler. Das hat sich auf mein ganzes Leben übertragen. Ich wollte auch nicht zum HSV gehen. Da wollte ich mich um die Stadionzeitung kümmern. Dann wurde gesagt: „Du mußt aber auch noch den Manager machen.“ Das ist ganz ähnlich wie beim Franz Beckenbauer. Wir sind beide vom Sternzeichen Jungfrau und damit sehr verwandt. Wenn wir etwas machen, dann versuchen wir, es hundert Prozent perfekt zu machen. Aber ich habe meine Karriere nie geplant. Die Aufgaben sind einfach auf mich zugekommen.

          Ist das eine spezielle Lebensphilosophie?

          Überhaupt nicht. Das einzige, was ich geplant habe, war, eine Familie zu gründen. Daß ich in die Schweiz gegangen bin, um einen gewissen Teil meiner Popularität loszuwerden. Ich wollte raus aus dem Fußball. Ich hatte dann ein sehr ruhiges Leben und habe das Familienleben genossen. Aus dieser Ruhe hat sich der nächste Schritt mit unserer Firma entwickelt. Wir sind ins Fernsehgeschäft eingestiegen, das hat sich vergrößert. Leo Kirch hat unsere Firma aufgekauft, dadurch gehörte ich zu Kirch, und dann konnten wir seine Firma kaufen. Das ist alles nicht strategisch geplant gewesen. Da bin ich Phlegmatiker wie Franz Beckenbauer. Das ist eine gute Eigenschaft für uns beide.

          Für Ihre Rolle als Fußballanalytiker der ARD gibt es viel Lob aus der Fernsehbranche und von Zuschauern - aus dem Fußball hingegen auch kritische Stimmen. Wie sehen Sie sich selbst?

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Unser Sprinter-Autor: Bastian Benrath

          F.A.Z.-Sprinter : Dunkle Wolken am Sommerhimmel

          In Sachsen beginnt der Prozess im Mordfall Daniel H., und in Paris möchte Boris Johnson weiter Zugeständnisse beim Brexit-Abkommen erwirken. Wie sie dennoch zu einem lockeren Sommertag kommen, steht im F.A.Z.-Sprinter.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.