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Interview : „Ein Uefa-Präsident sollte kein Diktator sein“

  • Aktualisiert am

Johansson: „Musste mir zuletzt ein paar mal auf die Zunge beißen” Bild: dpa

Uefa-Präsident Lennart Johansson im F.A.Z.-Interview über alte Werte, neue Wege, seine letzte Herausforderung im Wahlkampf und seinen Herausforderer Michel Platini, dessen Attacken er „hinterhältig“ nennt.

          Uefa-Präsident Lennart Johansson im F.A.Z.-Interview über alte Werte, neue Wege, seine letzte Herausforderung im Wahlkampf und seinen Herausforderer Michel Platini.

          Sie hier, im Büro?

          Wieso?

          Michel Platini kämpft mit harten Bandagen um das Amt des Uefa-Präsidenten

          Weil Ihr Mitbewerber um das höchste Amt der Uefa, Michel Platini, in einem Interview gesagt hat, wann immer man nach Zürich zum Internationalen Fußball-Verband (Fifa) komme, sei Präsident Joseph Blatter schon da; wer indes nach Nyon, zum Uefa-Sitz, reise, treffe den Uefa-Präsidenten Lennart Johansson so gut wie nie an. Stimmt das?

          Ich verstehe nicht, was Michel meint. Ich habe seit 17 Jahren nicht ein Uefa-Meeting in Nyon verpasst. Nur einmal, als ich eine Operation überstehen musste, war ich nicht da. Dass ich auch viel unterwegs bin, versteht sich von selbst. Ich werde von den Spitzen unserer 52 Verbände immer wieder mal zu bestimmten Anlässen eingeladen - und da gebietet es der Respekt, dort bei Gelegenheit zu erscheinen.

          Platini will aber, sofern er nächste Woche beim Kongress in Düsseldorf gewählt wird, ein "regierender" Präsident sein, also in die Fußstapfen seines Mentors Blatter treten und sich in der Nähe von Nyon niederlassen.

          Ich verstehe meinen Job anders. Auf keinen Fall so, dass ich hier sitze und tagtäglich die Uefa-Administration unter Generaldirektor Lars-Christer Olsson kontrolliere. So mögen andere handeln, ich nicht.

          Was schätzen Sie denn an Ihrem eigenen Regierungsstil?

          Ein Uefa-Präsident sollte kein Diktator sein. Er sollte die Meetings leiten, gut zuhören können, seine eigenen Ideen einbringen. Das funktioniert hier sehr gut.

          Wenn Platini käme, hieße das vermutlich auch, dass sich einiges an den innerbetrieblichen Strukturen der Uefa-Zentrale änderte. Fallen Ihnen auch ein paar Neuerungen ein?

          Wir haben vier Jahre daran gearbeitet, unsere Strukturen zeitgemäßen Erfordernissen anzupassen und eine starke Verwaltung in Nyon zu installieren. Olsson und seine Leute sind jeden Tag an ihrem Arbeitsplatz gefordert, gerade weil es in der Uefa mit den europäischen Klubwettbewerben und den Turnieren der Nationalmannschaften so viel zu tun gibt. Wenn von dort spezielle Ideen und Wünsche kommen, wendet sich die Administration selbstverständlich an die Uefa-Exekutive, also unser oberstes Regierungsorgan.

          Sie stehen der Uefa seit nahezu siebzehn Jahren vor. In Ihrer Regentschaft ist aus der europäischen Fußball-Konföderation ein reicher Verband geworden, der seine Mittel auf verschiedenste Weise einsetzen kann. Stimmen die finanziellen Akzente der Uefa?

          Wir sind finanziell in einer sehr starken Position. Etwas, das ich mit Leib und Seele verteidigen werde, solange ich im Amt bin, ist die Verteilung unserer Gelder. Wir nehmen, vor allem durch die Champions League, aber auch durch die Europameisterschafts-Endrunde, enorm viel Geld ein und zahlen eine Menge zurück an die nationalen Verbände und damit an jene, die sich um die Wurzeln des Spiels zu kümmern haben.

          Unterstützen Sie die 6+5-Formel - also mindestens sechs einheimische Spieler in der Anfangsformation, wie Blatter und Franz Beckenbauer das seit einiger Zeit fordern?

          Blatter, Beckenbauer und ich glauben daran. Dass das nicht so leicht in die Tat umzusetzen ist, weiß ich. Doch es ist immer leichter, daran zu glauben, was eigentlich nicht geht. Wir sind dazu aufgerufen herauszufinden, was möglich ist. Und wir haben einen Auftrag, dem Nachwuchs in den jeweiligen Ländern eine Chance zu geben, also eine ausbalancierte Formel zu finden. Immer mehr Klubs und Verbände akzeptieren diese Idee.

          Doch ohne die Politik und die Rechtsprechung werden Sie da nicht weit kommen.

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