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Interview : Bierhoff: „Erst einen Trainer, dann den Manager“

  • Aktualisiert am

In fast aller Munde: Oliver Bierhoff Bild: dpa

Der frühere Nationalspieler Oliver Bierhoff über das Kompliment, als Teammanager der Nationalmannschaft im Gespräch zu sein.

          2 Min.

          Deutschland sucht einen Fußball-Nationaltrainer und will einen Nationalmannschafts-Manager. Während sich die Suche nach dem Coach zunehmend schwieriger gestaltet, weil die Spitzenkandidaten der Trainerfindungskommission abgesagt haben oder noch anderweitig unter Vertrag stehen, gibt es offenbar ernst zu nehmende Anwärter auf den Posten des Managers.

          Karl-Heinz Rummenigge, Vorstandsvorsitzender der FC Bayern München AG, brachte Oliver Bierhoff und Jürgen Klinsmann ins Spiel, die jene Aufgabe durchaus interessant finden. Während der in Kalifornien lebende Klinsmann für grundlegende Reformen im Deutschen Fußball-Bund eintritt und fordert, "im Prinzip muß man den ganzen Laden auseinandernehmen", gibt sich Bierhoff diplomatisch. Die Bundesligavereine, die gerne einen professionellen Ansprechpartner beim Nationalteam hätten, sind sich einig, daß der künftige Manager ein junger Mann sein soll, der aus dem Fußball kommt und das Profigeschäft kennt: Also Jürgen Klinsmann oder Oliver Bierhoff

          Wen bräuchte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) mehr: Den Stürmer Bierhoff oder den Nationalmannschaftsmanager Bierhoff?

          Bei der Europameisterschaft hätten sie wohl eher den Stürmer gebraucht. Es wird aber nun viel über den Teammanager diskutiert, und immer fällt mein Name, seit Karl-Heinz Rummenigge mich ins Spiel gebracht hat. Aber ich möchte keine Spekulationen vorantreiben oder Forderungen stellen. Erst mal ist es wichtig, daß ein Trainer gefunden wird. Das ist das Hauptproblem.

          Sie würden dem DFB also raten, erst einen Nationaltrainer, dann einen Teammanager zu verpflichten?

          Der DFB ist gut aufgestellt und organisiert in bezug auf das Organisatorische rund um die Nationalmannschaft. Deshalb ist der Manager vielleicht das geringere Problem. Ich weiß nicht, inwieweit die Vereine und die Deutsche Fußball-Liga sagen, wir möchten einen anderen oder einen professionelleren Ansprechpartner haben. Aber ich denke, es ist wichtig, daß der DFB einen Trainer findet. Wenn man weiß, wer der Trainer ist, kann man überlegen, ob man einen Manager dazunimmt oder nicht. Umgekehrt wäre es ja unnütz. Ich würde ja auch einiges vom Trainer abhängig machen.

          Wie sollte die Zusammenarbeit zwischen Nationaltrainer und Teammanager aussehen?

          Es muß ein Team sein, das zusammenpaßt, das zusammenspielt und kooperativ ist. Sollte ein ausländischer Trainer kommen, kann man sehen, ob er jemanden braucht, der in Deutschland ein bißchen mehr für ihn erledigt, der nach außen eine gewisse Darstellung hat.

          Müßte ein Manager auch eine Art Schutzschild für den Trainer sein, wie Uli Hoeneß beim FC Bayern?

          Es ist natürlich immer besser, wenn sich nicht alles auf einen fokussiert. Wenn es nur einen gibt wie zuletzt Rudi Völler, dann geht natürlich immer alles auf ihn. Insofern ist es eine Entlastung für den Trainer.

          Wenn der DFB einen ausländischer Trainer wie zum Beispiel Morten Olsen oder Guus Hiddink bekommen sollte, wäre ein Manager mit internationaler Erfahrung die ideale Ergänzung. Spricht das nicht für Sie oder Klinsmann, der auch seine Bereitschaft erklärt hat?

          Es ist schön, wenn man von kompetenten Stellen genannt wird. Ich habe aber meine Pläne Richtung 2006 mit der Beratung von Coca-Cola, Nike und auch mit der Champions League auf Sat.1 abgeschlossen. Wenn man einen ausländischen Trainer holt, muß man sich zwei Sachen überlegen: Möchten wir ein junges deutsches Gesicht dazusetzen, für repräsentative Aufgaben und Medienarbeit? Andererseits sollte, damit sich gerade ein ausländischer Trainer ausschließlich auf die Sichtung der Spieler konzentrieren kann, der Teammanager einen Bezug zu den Vereinen haben, auch wenn es darum geht, Rücksicht darauf zu nehmen, daß der eine oder andere Spieler nicht nominiert wird. Auf diese Weise könnte ein ausländischer Trainer durch einen Teammanager entlastet werden.

          Wie gut kennen Sie denn die DFB-Kandidaten Olsen oder Hiddink?

          Olsen kenne ich nur, weil ich als Spieler gegen eine von ihm trainierte Mannschaft gespielt habe.

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