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Interview : Berti Vogts: „Auch als Ahnenforscher bestätigt“

  • Aktualisiert am

Zufriedener Sieger: Berti „McVogts” Bild: dpa/dpaweb

Nachgefragt beim früheren Bundestrainer Berti Vogts, der mit der schottischen Nationalmannschaft 1:0 gegen die Niederlande gewonnen hat und drauf und dran ist, sich für die EURO 2004 zu qualifizieren.

          Seit Anfang 2002 ist der frühere Bundestrainer Berti Vogts verantwortlich für die schottische Nationalmannschaft. Erster Gegner seiner neuen Mannschaft war damals Frankreich - Schottland verlor 0:5. Nach dem 1:0 von Glasgow gegen die Niederlande allerdings, dem Hinspiel der EM-Relegation, träumen die Schotten von der EURO 2004. Das Rückspiel findet am Mittwoch in Amsterdam statt.

          Vor nur 14 Monaten wurden Sie nach dem blamablen 2:2 auf den Färöern schon abgeschrieben. Und nun dieser 1:0-Sieg gegen die Niederlande, der die Chance auf die EM-Teilnahme eröffnet. Sehen Sie sich endlich bestätigt?

          Auf so ein Erfolgserlebnis hat man in Schottland vier, fünf Jahre gewartet. Die erste Halbzeit war die mit Abstand beste, seit ich hier vor anderthalb Jahren Nationaltrainer wurde. Besser können wir nicht spielen. Doch in der zweiten Hälfte haben wir uns zu weit zurückgezogen. Beim 1:2 in Dortmund gegen Deutschland waren wir, wenn man die gesamten neunzig Minuten nimmt, besser organisiert.

          Die Hälfte ist geschafft: Schottischer Jubel

          Also noch keine Feierlaune erlaubt?

          Man darf auch nach diesem großartigen Sieg nicht vergessen: Es ist erst Halbzeit im EM-Play-off, am Mittwoch kommt die zweite.

          Eine Stunde Dauerdruck der Holländer gaben einen Vorgeschmack auf das, was Ihrem Team in Amsterdam bevorsteht. Glauben Sie, daß es noch einmal so standhalten kann?

          Es ist uns gelungen, ihren gewohnten Spielaufbau nicht zuzulassen, mit einer Defensivarbeit, die schon bei den Stürmern begann. Nur so geht das auch am Mittwoch. Wenn man die Holländer ins Spiel kommen läßt, hat man keine Chance.

          Die meisten deutschen Fußballfans werden mit Ihnen mitfiebern wie vermutlich nicht mehr, seit Sie Bundestrainer waren. Schließlich ist es das beliebte Duell David gegen Goliath, und dann noch gegen die unbeliebten Holländer. Gefällt Ihnen die Rolle?

          Natürlich, wir haben nichts zu verlieren, die Holländer stehen dafür unter großem Druck. Aber man darf die Verhältnisse nicht vergessen. Wer kann es sich sonst schon erlauben, einen Makaay, einen Seedorf, Topspieler von Klubs wie Bayern München und AC Mailand, auf der Bank zu lassen und erst in der zweiten Halbzeit einzuwechseln? Ich dagegen mußte einen Neunzehnjährigen vom FC Motherwell bringen.

          Sie haben seit Beginn Ihrer Amtszeit vielen jungen Spielern eine Chance gegeben. Hat Sie deshalb das von dem 19jährigen Darren Fletcher und dem 20jährigen James McFadden herausgespielte Tor besonders begeistert?

          Herrlich, wie Fletcher den Doppelpaß mit der Hacke gespielt hat, besser kann man das nicht machen. Auch die Ballmitnahme und der Abschluß von McFadden.

          Sehen Sie sich in Fletchers Fall auch als Ahnenforscher bestätigt?

          Natürlich, wegen seiner irischen Mutter hätte er ja auch für Irland spielen können. Als ich hörte, daß es bei Manchester United ein 18jähriges Sturmtalent mit schottischem Vater gab, bin ich gleich hingefahren. Nachdem ich Fletcher überzeugt hatte, für Schottland zu spielen, ließ ich ihn von meinem U-21-Trainer Rainer Bonhof sofort bei einem Juniorenländerspiel einwechseln. So hatten wir ihn sicher. Und er hat sich glänzend entwickelt.

          Hoffen Sie darauf, daß bei den Holländern, bei denen Sie schon vor dem Spiel ein "Mentalitätsproblem" orteten, nun noch mehr Feuer unterm Dach ist?

          Das kann natürlich für uns auch nach hinten losgehen. Man hat zum Beispiel bei den Deutschen gesehen, die nach dem 0:0 in Island heftig kritisiert wurden und dann das Heimspiel 3:0 gewannen, wie sich Mannschaften zusammenreißen können, wenn sie bei der Ehre gepackt werden.

          Sie haben Kritikern nach den vielen schwachen Vorstellungen Ihres Teams stets erwidert, daß Ihre Aufgabe langfristig ausgerichtet sei, auf die WM 2006 hin. Nun gibt es die große Chance, schon die EM 2004 zu erreichen. Wäre das Ihr größter Erfolg seit dem Europameistertitel 1996 mit Deutschland?

          Er wäre sogar noch höher zu bewerten.

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