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Internationaler Wettskandal : Wetten, dass im Fußball krumme Dinger laufen?

„Was ich da höre überrascht mich nicht. Das Risiko ist immer latent vorhanden gewesen“, sagt Wolfgang Feldner. Der Deutsche arbeitete fünf Jahre für die Fifa und das sogenannte Early Warning System, das über Wettverläufe bei den Wettunternehmen verdächtige Spiele frühzeitig identifizieren soll. Feldner ist ein Kenner der Branche, war zuvor beim staatlichen Sportwettenanbieter Oddset beschäftigt und leitet heute in Ismaning bei München das Institut für Sportwetten und Glücksspiel. Hier bietet er der Fußballbranche, den Profispielern und Verantwortlichen Präventionstrainings an. Feldner weiß, wie sich die Banden an die Kicker heranmachen, persönliche Probleme ausnutzen, sie in Abhängigkeiten bringen. Einige Profis berichteten, dass ihre eigene Spielsucht von den Kriminellen ausgenutzt wurde. „Die Vereine wissen oftmals gar nicht, welches Risiko sie eingehen“, sagt Feldner.

Ernste Mienen: Europolchef Rob Wainwright (2.v.l.) stellt die erschreckenden Ermittlungsergebnisse vor

Er meint damit vor allem Klubs aus der zweiten und dritten Liga, die meist gar nicht realisieren, welche Wettsummen irgendwo in Asien auf ihre Spiele gesetzt werden - und aus welchem Grund. Die meisten Betrugsfälle passieren gar nicht mehr in Partien, in denen plötzlich der Außenseiter gewinnt. Das wäre zu auffällig. Die meisten Manipulationen setzen bei Livewetten an, wenn der Favorit eines Spiels zum Beispiel zur Halbzeit nur mit einem 0:0 dasteht. Nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung fallen danach nicht mehr viele Tore, doch plötzlich werden in der Pause große Summen auf ein 4:1 gesetzt - und das Ergebnis oder der Torunterschied trifft am Ende genauso ein. Für solche Spielverläufe werden meist der Schiedsrichter und einzelne Schlüsselspieler bestochen. Seriöse Wettunternehmen bekommen davon oftmals nichts mit, weil der große Geldbatzen der Betrüger auf viele Wettanbieter verteilt wird.

Schulungen für Schiedsrichter

Der Fußball müsste sich in diesen Tagen bewusster werden, noch mehr zu tun in der Prävention, aber auch bei der Aufklärung. Die bisherigen Ermittlungsstrukturen auch in einem riesigen Verbandsapparat wie dem DFB sind bisher nur dafür geeignet, sportliche Aussetzer von Spielern oder Trainern auf dem Platz zu verfolgen. Weder bei Korruption noch bei Spielmanipulationen gibt es bisher eine schlagkräftige Abschreckung. Zwar werden die Fußballspiele von einer Spezialfirma aufgrund der einlaufenden Quoten nach möglichem Wettbetrug überwacht - doch was tun mit auffälligen Partien? Die Deutsche Fußball Liga arbeitet seit einiger Zeit mit der Organisation „Transparency International“ zusammen, dabei geht es auch um Aufklärung für junge Spieler, die ins Profigeschäft hineinwachsen.

Auch die Fifa hat reagiert und hat sich von einem Spezialunternehmen aus Berlin ein Hinweisgebersystem im Internet installieren lassen, das derzeit startet und weltweit in verschiedenen Sprachen sogenannten Whistleblowern die Möglichkeit gibt, auf Betrügereien anonym hinzuweisen. Fifa-Mann Mutschke will ein weltweites Netz mit Integritätsexperten aufbauen. Außerdem werden gerade die Schiedsrichter für die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien geschult, damit sie wissen, wie sich die Betrügerbanden üblicherweise an sie heranmachen. Im Zuge der weiteren Europol-Ermittlungen wird sich sehr schnell zeigen, ob nicht noch viel mehr zur Gefahrenabwehr gegen die organisierte Kriminalität im Fußball getan werden müsste. Zu vermuten ist es.

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