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Internationaler Wettskandal : Wetten, dass im Fußball krumme Dinger laufen?

Überall sind in den vergangenen Monaten und Jahren schwere Fälle von Spielmanipulation im Fußball bekanntgeworden. Gerade auch in Deutschland. Nach dem Skandal um den bestochenen Berliner Schiedsrichter Hoyzer (2005) kam es im Jahr 2009 zu den Enthüllungen durch die Bochumer Staatsanwälte. In insgesamt neun europäischen Ländern wurden mindestens 200 Spiele verschoben. Es gab schließlich Haft- und Bewährungsstrafen gegen fünf Verdächtige. Viele Fußballligen in Europa und der ganzen Welt waren ebenfalls betroffen - darunter auch die Türkei oder eine so große Fußballnation wie Italien. Wie mafios sich die Betrügerbanden mittlerweile verankert haben im Fußballbusiness, bewies der Fall des früheren italienischen Nachwuchsnationalspielers Simone Farina, der mit seinen Aussagen zu Spielmanipulationen den Stein in Italien ins Rollen brachte. Seither stehen Offizielle, Schiedsrichter und Profis im Zwielicht und wurden auch schon verurteilt. Zwar erhielt Farina dafür von der Fifa einen Preis, doch kein Klub in seiner Heimat wollte den „Aussätzigen“ danach mehr einstellen. Im Sommer 2012 beendete Farina zwangsläufig seine Karriere als Spieler.

Andere, die ihr Schweigen gebrochen haben, sind in Lebensgefahr. An geschütztem Ort irgendwo in Ungarn befindet sich derzeit der Malaysier Wilson Perumal, der als entlarvter Betrüger vor den Behörden in Finnland ausgesagt hatte. Er lieferte Hintergründe und erhielt dafür eine verminderte Haftstrafe. Perumal gab dem Wettbetrug aus Sicht der Ermittler ein Gesicht, als er die Manipulation von Fußballspielen in verschiedenen Ländern, aber auch von Länderspielen quer über die Kontinente einräumte und die Verbindungen zu den Betrügerbanden in Asien zog. Er war zwar, wie sich später herausstellte, keiner der großen Bosse eines Syndikats aus Singapur, aber zumindest einer der wichtigen Kontaktmänner zur Geschäftsanbahnung am Ort des Fußballgeschehens. Nun hat der Malaysier offenbar Angst vor der Rache des sogenannten Dan-Tan-Kartells.

Champions League statt Niederungen des Profifußballs

Es soll nach Ermittlungen von Interpol, die vor Weihnachten öffentlich wurden, möglicherweise hinter einer spektakulären Betrugsserie stehen, welche den südafrikanischen Fußball betrifft. Im WM-Ausrichterland von 2010, das derzeit Gastgeber ist für den Afrika-Cup, steht sogar der Verbandspräsident im Verdacht, Freundschaftsspiele der eigenen Nationalmannschaft für Geld und mit manipulierten Schiedsrichtern verschoben zu haben. Der Fall zeigt abermals, dass die organisierte Kriminalität inzwischen auch im „großen“ Fußball mitmischt. Die Annahme, dass Ergebniskorruption vor allem nur in den Niederungen des Profifußballs stattfindet, wo schlechtbezahlte Spieler, Schiedsrichter oder Manager leichter von den Betrügerbanden anzuwerben sind, widerlegen wohl auch die neuesten Erkenntnisse von Europol. Schließlich soll nun auch wieder die Champions League betroffen sein.

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