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Internationale Pressestimmen : „Özil ist der Inbegriff des Migranten, der nicht reinpasst“

  • Aktualisiert am

Mesut Özil polarisiert auch in Europa: Die Gemeinde Devrek in Zonguldak, aus der seine Vorfahren stammen, hat das Straßenschild der Mesut-Özil-Straße bereits ausgetauscht Bild: Reuters

Rückendeckung aus der Türkei, Verständnis aus Westeuropa, Ressentiments aus Ungarn: Die internationalen Pressereaktionen auf Mesut Özil spiegeln die politische Situation.

          Türkei

          „Sabah“: „Mesut Özil hat das schönste Tor gegen den Rassismus geschossen“. Er habe „Stopp“ gesagt gegen die zunehmende Migranten-Feindlichkeit und den Rassismus in Europa und dem „rassistischen Gesicht“ des Westens den Spiegel vorgehalten.“

          „Takvim“: „Wir sind an Deiner Seite mein Bruder!“. Özil hat dem Druck nicht standhalten können.

          „Fanatik“: „Du bist nicht alleine.“

          Großbritannien

          „Guardian“: „Özil ist der Inbegriff des Migranten, der nicht reinpasst. Seine Eltern kommen aus der Schwarzmeerstadt Zonguldak, wuchsen aber im westdeutschen Gelsenkirchen auf. Er ist ein Superstar bei Arsenal, der seine Antwort auf einen deutsch-türkischen Streit auf Englisch twittert. Indem sie von ihrer gegenseitigen Kritik zehren, um die in der Mitte zu isolieren, zeigen die Reaktionen der Hardliner auf beiden Seiten eine Symbiose. Deutschland und die Türkei ähneln sich darin, dass in beiden Ländern Ideen von „Rasse“ und „Blut“ weiterhin die Nation definieren.“

          „Telegraph“: „Mit der extremen Rechten in Frankreich, die sich beschwert, dass 15 Spieler der 23-köpfigen Mannschaft des Landes afrikanische Wurzeln (meist in den ehemaligen französischen Kolonien) haben, sowie Lukaku, der auf die Vorurteile hinweist, mit denen er in Belgien zu kämpfen hatte (auch Großbritannien hat bedeutende Probleme mit einem abwegigen Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit), zeigt der Fußball nicht den Weg für die Politik, sondern geht in ihren Flammen auf.“

          „Daily Mail“: „Mesut Özils Rückzug aus dem internationalen Fußball ist das tragische Ende einer glorreichen Karriere (...) einer der besten Mittelfeldspieler Deutschlands wurde von einem Symbol der Integration zu einer Gestalt der toxischen öffentlichen Debatte.“

          Italien

          „La Repubblica“: „Nachdem sich das Idol von Millionen junger Türken zum Abschied gezwungen gesehen hat, besteht die Gefahr, sich mit einer Minderheit wiederzufinden, deren Herz nur für ein einziges Land schlagen könnte. Und das könnte nicht Deutschland sein.“ 

          Österreich

          „Kurier“: „Es ging am Ende nicht mehr darum, dass Özil sich im türkischen Wahlkampf mit einem Autokraten fotografieren ließ, der Gegner seiner Politik einsperren lässt. Vielmehr warf man Özil vor, kein echter Deutscher zu sein, sich nicht mit seinem Geburtsland zu identifizieren. Plötzlich war Nationalismus der übelsten Sorte im Spiel, der, wie eigentlich immer, am Ende in Rassismus umschlug.“

          „Standard“: „Um Erdogan geht es aber vor allem auf den zweiten Blick. Vielmehr geht es um gekränkten Nationalstolz, eine beleidigt geführte Integrationsdebatte und um blanken Rassismus. Nicht weniger. Mit dem Foto zertrümmerten Özil und Gündogan jene Integrationsluftschlösser, deren Fundament vielmehr Assimilation ist.“

          Im Fokus auch der internationalen Medien: Mesut Özil

          Schweiz

          „Neue Zürcher Zeitung“: Sportler in anderen Ländern mögen hin und wieder ähnliche Erfahrungen machen. Aber die Art und Weise, wie die deutsche Öffentlichkeit ihre Athleten vereinnahmt und verurteilt, ist eine besondere. Als drei Schweizer Nationalspieler bei der WM die Doppeladler-Geste machten, ein bekanntes Zeichen albanischer Nationalisten, gab es im Land zwar eine hitzige Diskussion. Die hat sich aber vergleichsweise schnell beruhigt, und alle Beteiligten spielen nach wie vor für die Schweiz.

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