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Inter besiegt Milan im Derby : Diesmal klatscht sogar Ibrahimovic für Lukaku

Klarer Sieger: Inter und Lukaku (links) besiegen Milan und Ibrahimovic. Bild: Reuters

Das Mailänder Derby hat einen klaren Sieger. Spitzenreiter Inter gewinnt gegen Verfolger Milan. Auch das Duell der Alphatiere geht an Romelu Lukaku – mit einer besonderen Geste von Zlatan Ibrahimovic.

          3 Min.

          Es war nicht nur das 228. Derby della Madonnina zwischen dem AC Milan und Inter Mailand. Es war nicht nur das abermalige Aufeinandertreffen der Alphatiere Zlatan Ibrahimovic und Romelu Lukaku, die sich beim Viertelfinale der Coppa Italia vier Wochen zuvor fast eine Rauferei geliefert hatten. Es war nicht nur das Duell zweier italienischer Traditionsvereine, die längst von finanzstarken Investoren aus China alimentiert werden. Es war vor allem „il derby scudetto“, das Derby der Meisterschaft, wie die italienischen Medien schon vor Anpfiff getitelt hatten.

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          Matthias Rüb

          Politischer Korrespondent für Italien, den Vatikan, Albanien und Malta mit Sitz in Rom.

          Die Charakterisierung sollte sich als zutreffend erweisen. Nicht nur deshalb, weil es das Aufeinandertreffen des Tabellenführers Inter Mailand mit dem Verfolger AC Milan war – zum ersten Mal übrigens seit zehn Jahren, dass bei der Mailänder Stadtmeisterschaft der Erste auf den Zweiten traf. Sondern weil der Kampf auf dem Rasen des Giuseppe-Meazza-Stadions den Charakter eines veritablen Endspiels hatte.

          Schon vor dem Anpfiff hatten Tifosi des AC Milan vor dem Stadion mit Feuerwerk, Rauchbomben und bengalischem Feuer ihr Team in einer Weise angespornt, mit welcher sie ersichtlich gegen einschlägige Hygiene- und Abstandsregeln im Kampf gegen die Pandemie verstoßen hatten. Die Gedenkminute für den am Samstag im Alter von 71 Jahren verstorbenen Mauro Bellugi vor dem Anpfiff war buchstäblich die Ruhe vor dem Sturm: Alle Spieler, Betreuer und die Unparteiischen gedachten dem früheren Inter-Verteidiger und italienischen Fußball-Nationalspieler, der einer Covid-19-Erkrankung vom Dezember und der Amputation beider Beine in Folge der Infektion erlegen war.

          Lukaku bereitet das 1:0 vor

          Den besseren Start bei dem über 93 Minuten mit viel Tempo und Kampf geführten Meisterschafts-Derby erwischte Inter. Schon in der fünften Minute gelang dem Argentinier Lautaro Martínez mit einem Kopfball aus fünf Metern der Führungstreffer. Milan-Torhüter Gianluigi Donnarumma war chancenlos. Vorausgegangen war dem Treffer die unvergleichliche und unwiderstehliche Vorarbeit des belgischen Stürmerstars Lukaku.

          Der hatte seinen Gegenspieler auf der rechten Außenbahn überlaufen, war mit dem ersten Flankenversuch noch am dänischen Verteidiger Simon Kjaer gescheitert, ehe er im zweiten Anlauf mit dem linken Fuß den Ball förmlich auf Martínez‘ Kopf ablegte. Bis zur Pause lieferten sich die Mailänder Teams einen offenen Schlagabtausch, mit leichten Vorteilen zunächst für Inter, später für den AC Milan.

          Unmittelbar nach Wiederanpfiff, in der stärksten Drangperiode von Milan, zeigten der schwedische Milan-Stürmer Ibrahimovic und der slowenische Inter-Torhüter Samir Handanovic binnen weniger Minuten jeweils Weltklasseleistungen: Ibrahimovic mit zwei plazierten harten Kopfbällen, Handanovic mit zwei Reflexen auf der Linie. Bei einem weiteren Schuss von Sandro Tonali in der 48. Minute verhinderte Handanovic mit einer weiteren Glanzparade abermals den möglichen Ausgleich für Milan.

          Neun Minuten später, mitten im Sturmlauf der Rossoneri, entschieden stattdessen die Nerauzzurri das Spiel. Eine Ballkombination des Dänen Christian Eriksen und des früheren Bundesliga-Profis Ivan Perisic schloss Doppeltorschütze Lautaro Martínez mit einem Flachschuss ins linke Eck ab. Als der überragende Lukaku in der 66. Minute nach einer Balleroberung im Mittelkreis den Ball über 35 Meter in Richtung Milan-Tor trieb und mit einem plazierten Linksschuss ins kurze Eck Torhüter Donnarumma zum 3:0 überwand, war das Spiel längst entschieden.

          Da klatschte sogar Ibrahimovic, der seine Mannschaft unermüdlich angetrieben hatte und wenige Minuten nach dem Tor Lukakus ausgewechselt wurde, seinem Konkurrenten für dessen 17. Saisontor Beifall. Damit steht Lukaku nun an der Spitze der Torschützenliste, mit einem Treffer mehr als Cristiano Ronaldo von Juventus Turin und mit drei Toren Vorsprung vor Ibrahimovic. Meister Juve und Ronaldo vervollständigen an diesem Montag gegen Aufsteiger und Schlusslicht Crotone den 23. Spieltag.

          Der Sieg der Nerazzurri mochte um ein Tor zu hoch ausgefallen sein, aber er war vor allem wegen der überlegenen Athletik und des höheren Tempos von Inter verdient. Der Gewinner hat nun vier Punkte Vorsprung vor Milan und kann sich vor allem dank Lukaku berechtigte Hoffnungen auf den ersten Meistertitel seit 2010 machen. Damals hatten die Nerazzurri unter José Mourinho das Triple gewonnen und im Champions-League-Finale den FC Bayern München mit 2:0 besiegt.

          Wo Romelu Lukaku ist, ist oben: Inter und der Stürmer besiegen Milan.
          Wo Romelu Lukaku ist, ist oben: Inter und der Stürmer besiegen Milan. : Bild: AP

          Lukaku hat bisher in allen Mailänder Derbys getroffen und darf sich nicht nur als Gewinner des 23. Spieltags, sondern schon jetzt als Saisonsieger im Duell mit Ibrahimovic fühlen. Und während der AC Milan und Trainer Stefano Pioli sich zuletzt Blößen gaben und am vergangenen Spieltag mit einer blamablen 0:2-Auswärtsniederlage gegen Spezia Calcio patzten, gewann Inter unter Coach Antonio Conte vor Wochenfrist das wichtige Heimspiel gegen Lazio Rom mit 3:1 und eroberte Platz eins. Es dürfte für alle Verfolger schwierig werden, den schwarz-blauen Mailänder Stadtmeister vom Sonntag von diesem Platz noch zu verdrängen.

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