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Integration durch Fußball : Kicken statt „Kampf der Kulturen“

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Mein Freund ist aus Leder: Integration durch Fußball erfolgt „automatisch” Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Die Nachwuchszentren der Fußball-Bundesliga leisten wichtige Beiträge zur Integration von Migranten und Ausländern in Deutschland. So das Ergebnis einer Studie, die von der Deutschen Fußball Liga vorgestellt wurde.

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          Integration funktioniert bei den Nachwuchskickern hierzulande nach Ansicht der Deutschen Fußball Liga vorbildlich. „Integration findet in den Leistungszentren der Bundesliga-Clubs automatisch statt“, sagte Sascha L. Schmidt von der EBS Business School Wiesbaden/Rheingau, die eine Studie für die DFL erstellt hat. Dabei wurden fast 1600 Spieler in den 36 Junior- Leistungszentren befragt.

          „In Zeiten, in denen viel über Integration diskutiert wird, kann die Bundesliga ein Vorbild für gelungene Integrationsarbeit sein“, sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert bei der Vorstellung der Studie am Mittwoch in Frankfurt/Main. Seifert betonte, dass die DFL „nicht als Wellenreiter“ auftreten wolle in der aktuellen Diskussion um Migranten, denn die Studie sei bereits Ende vergangenen Jahres angedacht worden.

          19 der 23 deutschen WM-Spieler kamen aus Leistungszentren

          Die Nachwuchs-Leistungszentren sind verpflichtend für die Proficlubs. Von der Saison 2002/2003 an wurde über eine halbe Milliarde Euro in sie investiert. 5000 Spieler werden dort jährlich ausgebildet - knapp 40 Prozent davon sind Ausländer oder haben einen Migrationshintergrund.

          Wenige Tage vor dem EM-Qualifikationsspiel der deutschen Nationalmannschaft in Berlin gegen die Türkei war das für Seifert ein Grund, die Klubs für ihre Investitionen zu loben. „Die Leistungszentren sind elementar für den positiven Zustand des deutschen Fußballs verantwortlich. 19 der 23 deutschen WM-Spieler kamen aus Leistungszentren“, betonte Seifert, der die Ergebnisse der Studie an die Verantwortlichen der Klubs weiterleiten will. 95 Prozent der Fußballer aus den Leistungszentren werden später allerdings nicht Profi. In der Bundesliga sind nach DFL-Angaben derzeit 42 Prozent der Spieler ausländischer Herkunft. Ein hoher Anteil der restlichen 58 Prozent habe einen Migrationshintergrund.

          „Die Mär von den ungebildeten Fußballern lässt sich nicht bestätigen“

          „Die Nachwuchsspieler zeichnet einen hoher Grad an Integration aus und eine hohe Identifikation mit Deutschland“, sagte EBS-Privatdozent Schmidt. Die Nachwuchskicker hätten mehr deutsche Freude als gleichaltrige Jungs, die nicht in Leistungszentren trainieren.

          Erstaunlich war für Schmidt auch die Tatsache, dass ein Großteil der jugendlichen Fußballer das Abitur anstrebt. „Die Mär von den ungebildeten Fußballern lässt sich nicht bestätigen. Die Spieler in den Zentren sind bildungsorientiert“, sagte Schmidt, der den Klubs dazu rät, die „Integration für sich zu entdecken und stärker zu fördern“. Schmidt empfahl, das Modell dieser Elitezentren auf andere gesellschaftliche Bereiche wie die Kultur zu übertragen.

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