https://www.faz.net/-gtl-pwzt

Insolvenz abgewendet : Die Borussia gewinnt ihr schwerstes Spiel

  • -Aktualisiert am

Molsiris-Anleger stimmen für den BVB-Sanierungsplan Bild: AP

Borussia Dortmund hat die Insolvenz vorerst abgewendet. Die Haupteigentümer des Westfalenstadions stimmten dem Sanierungskonzept zu. Damit ist die Grundlage zur Erteilung der Profifußball-Lizenz geschaffen.

          Das schwerste Spiel in der Vereins- und Unternehmensgeschichte von Borussia Dortmund fand in einer etwas anderen Arena statt. In einer früheren Abfertigungshalle des Düsseldorfer Flughafens entschieden die Anleger eines Immobilienfonds am Montag nachmittag über die Zukunft des insolvenzbedrohten Fußball-Bundesligaklubs.

          Die Partie im sogenannten Event-Terminal endete mit einem letztlich glatten Erfolg für die Sanierer. Mehr als 94 Prozent der in Düsseldorf vertretenen Kapitalanteile der Fondsgesellschaft Molsiris stimmten dem Sanierungsplan zu, den der Unternehmensberater Jochen Rölfs für den börsennotierten Bundesligaverein erarbeitet hatte. Aufgrund dieses Votums ist die Insolvenz des BVB vorerst abgewendet. Zuvor hatten schon alle anderen Gläubiger der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA das Rettungskonzept gebilligt.

          "BVB hat wieder eine solide Plattform"

          Trotz des erhofften Ergebnisses war Reinhard Rauball, dem Präsidenten des BVB, anzumerken, welch große Sorgen er sich um die Zukunft des Klubs gemacht hat. "Solch einen Tag möchte ich nicht noch einmal miterleben. Mir fehlen fast die Worte", sagte der redegewandte Rechtsanwalt. Er habe schon "viele erschütternde Szenen erlebt". Diese Veranstaltung aber habe alles übertroffen. "Wenn das hier schiefgegangen wäre und die KGaA Insolvenz hätte anmelden müssen, wäre auch der eingetragene Verein mit in den Sog geraten."

          Das Daumendrücken hat geholfen

          Einer der Eckpfeiler des Sanierungsplans sieht vor, daß Borussia Dortmund 42,8 Prozent der Anteile am Westfalenstadion von der zur Commerzleasing gehörenden Molsiris zurückerwirbt, um Zugriff auf ein Festgeldkonto zu bekommen. Das dort angelegte Guthaben in Höhe von etwa 52 Millionen Euro war verpfändet, um den ursprünglich auf das Jahr 2017 terminierten Rückerwerb der Arena zu sichern. Außerdem wird dem BVB die Stadionmiete bis Ende 2006 gestundet. Während rund 42 Millionen Euro des nun frei werdenden Festgeldes für den sofortigen Rückkauf von 42,8 Prozent der Stadionanteile verwendet werden, sichert der Klub mit dem Rest von neun Millionen Euro seine Zahlungsfähigkeit.

          „Wahl zwischen miesen und miserablen Szenario"

          "Der BVB hat jetzt wieder eine solide Plattform", behauptet Rölfs. Er sei zuversichtlich, "daß sich die Zukunft für die Borussia in völlig neuem Glanz darstellen wird". Eine solch breite Zustimmung der Eigner habe er jedoch bei allem Optimismus nicht erwartet. Der BVB hatte das Stadion Ende 2002 zu 94 Prozent an Molsiris verkauft, um sie im Sale-and-lease-back-Verfahren binnen fünfzehn Jahren lastenfrei zurückzuerwerben. Die ursprünglich vereinbarten Mietzahlungen belasteten das Budget mit rund siebzehn Millionen Euro per annum.

          Am Morgen war die Stimmung unter manchen Zeichnern des Fonds gereizt gewesen. "Wir haben hier nur die Wahl zwischen einem miesen und einem miserablen Szenario", sagte der Vertreter einer Gruppe von Kleinanlegern. "Niemand ist mehr bereit, dem BVB Geld zu geben, und nun sollen wir herhalten." Das stimmte nicht ganz. Der Unternehmensberater Jochen Rölfs, der das Sanierungskonzept erarbeitet hat, teilte den Eignern mit, daß der BVB einen Investor gefunden habe, der den für die Weltmeisterschaft 2006 erforderlichen Umbau des Westfalenstadions und den von der Deutschen Fußball Liga geforderten Bau eines Trainingsgeländes finanzieren wolle. Eine gute Nachricht mit Signalwirkung? Im Saal schien die Stimmung lange unentschieden. Rund zwei Dutzend Redner meldeten sich zu Wort, um das Für und Wider zu beleuchten.

          Nun geht es um die Lizenz

          Manche Anleger waren schon zu Beginn enttäuscht worden. "Hier geht es um richtig Taler", sagte einer von ihnen. Er wolle Geschäftsführer Michael Meier leiden sehen. Doch Meier mag gelitten und gezittert haben, aber er blieb der Versammlung fern. Am Morgen waren nur Hans-Joachim Watzke, der Geschäftsführer der KgaA, und Reinhard Rauball am Flughafen vorgefahren. Der BVB wolle nicht, daß die Diskussion rückwärts gewandt geführt werde, hieß es offiziell mit Blick auf das Fehlen Meiers. Neben Gerd Niebaum, der die Geschäftsführung inzwischen verlassen hat, gilt dessen früherer Kompagnon Meier als Symbolfigur für die Mißwirtschaft, die das Fußball-Unternehmen an den Rand der Insolvenz getrieben hat.

          Während Meier als Sanierer umstritten bliebt, hat sich für Rauball im Kampf um das Überleben ein Kreis geschlossen. Der Jurist erinnerte sich an ein Ereignis, das fast fünfzehn Jahre zurückliegt. "Da hatten wir unser schwerstes Auswärtsspiel auf dem Fußballplatz auch in Düsseldorf." Doch sei dies nicht so heikel wie die Partie auf dem Flugplatz gewesen. "Damals ging es nur um den Verbleib in der Bundesliga", sagt Rauball. Diesmal ging es um den Fortbestand des gesamten Klubs.

          Doch ein unter Fußballspielern bekannter Grundsatz gilt weiter: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. An diesem Dienstag, spätestens um 14 Uhr, muß der BVB bei der Deutschen Fußball Liga die Unterlagen für den Antrag auf Erteilung der Lizenz für die kommende Saison eingereicht haben. Dann geht es wieder um die Zugehörigkeit zur obersten höchsten deutschen Spielklasse.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Das Faxgerät ist eine schnelle Alternative, wenn die E-Mail aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht genutzt werden kann

          In puncto Datensicherheit : Fax schlägt E-Mail

          Anwälte, Ärzte, Krankenversicherer weigern sich immer häufiger, E-Mails zu verschicken – aus Gründen des Datenschutzes. Das gute alte Faxgerät erlebt ein Comeback.

          Klage vor Supreme Court : John Majors Verachtung für Boris Johnson

          Der frühere Premierminister John Major ging zu seiner Amtszeit nicht mit Samthandschuhen vor. Doch Boris Johnsons Mittel gehen ihm zu weit. Deswegen hat er sich der Klage gegen die Beurlaubung des Parlaments angeschlossen.

          Algenplage im Mittelmeer : Der asiatische Eindringling

          Laut spanischen Fischern spielt sich unter der Meeresoberfläche an der Straße von Gibraltar eine Umweltkatastrophe unabsehbaren Ausmaßes ab. Fische gehen nicht mehr viele ins Netz – stattdessen tonnenweise braune Algen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.