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WM-2006-Affäre : Post für Beckenbauer

Es wird ungemütlicher für Franz Beckenbauer in der WM-Affäre Bild: dpa

Im Skandal um die Vergabe der WM 2006 geht es längst nicht mehr nur um Schuld und Unschuld oder um Posten – sondern um viel Geld. Das bekommen nun Franz Beckenbauer und die einstigen Macher zu spüren.

          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat zur Hemmung der Verjährungsfrist in Zusammenhang mit einer dubiosen Transaktion rund um die Fußball-WM 2006 allenfalls vage Zahlungsaufforderungen über 6,7 Millionen Euro unter anderen an Franz Beckenbauer, Wolfgang Niersbach, Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt in die Wege geleitet. Den Adressaten ist der entsprechende „Güteantrag“ aber noch nicht zugestellt worden. Dabei handelt es sich nicht um Mahnbescheide mit einer konkreten juristischen Begründung, sondern um eine prophylaktische Sicherung von Schadenersatzansprüchen.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Zuvor hatte Fedor Radmann, der ebenfalls zum Organisationskomitee der WM gehörte, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur den Eingang eines „Betreibungsverfahrens“ nach Schweizer Recht, das wesentlich konkreter formuliert ist, bestätigt. Hintergrund ist unter anderem die Recherche der Kanzlei Freshfields. Sie versucht, herauszufinden, warum das Organisationskomitee 2005 6,7 Millionen Euro an den Fußball-Weltverband (Fifa) überwies, die Zahlung aber als Beitrag für ein Kulturprogramm kaschierte, das gar nicht stattfand. Der Abschlussbericht soll am 4. März vorgestellt werden. Gleichzeitig ermittelt die Staatsanwaltschaft Frankfurt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Auch die Schweizer Bundesstaatsanwaltschaft ist involviert.

          Öffnen

          Weil mit Ablauf des 31. Dezembers 2015 die Verjährung für einen möglichen zivilrechtlichen Anspruch eingesetzt hätte, sah sich der DFB verpflichtet, rechtzeitig bei der „Öffentliche Rechtsauskunft- und Vergleichsstelle“ (ÖRA) in Hamburg einen „Güteantrag“ zu stellen und damit seine Rechtsposition zu halten. Denn schon aus den Erkenntnissen von Freshfields könnte sich theoretisch eine finanzielle Forderung an die ehemaligen Organisationsmitglieder und andere Beteiligte ableiten lassen.

          Da der DFB eine gemeinnützige Institution ist und die neue Führung von der Verjährungsfrist wusste, hätte sie sich ohne diesen Schritt im Falle von später bestätigten Ansprüchen selbst in Bedrängnis gebracht. Und vor allem den Versuch konterkariert, die beschädigte Integrität des DFB wiederherzustellen. Darüber hinaus hatte der Plan des DFB auch einen ermittlungstaktischen Hintergrund. Weil die ÖRA in der Regel gut drei Monate zur Bearbeitung und Weiterleitung der Fälle an die Adressaten braucht, wäre eine grundsätzliche Gesprächsbereitschaft von Beckenbauer und Ko für weitere drei Monate erhalten geblieben, also wenigstens bis zum Erscheinen des Freshfields-Berichtes.

          Im DFB ist man nicht davon überzeugt, dass die WM-Organisatoren bei der Befragung durch die privaten Ermittler ihr gesamtes Wissen preisgegeben haben. Weil der Berchtesgadener Fedor Radmann in der Schweiz lebt und über das sogenannte „Betreibungsverfahren“ schon Anfang Januar eine entsprechende Anfrage zur Kenntnis nahm, erhielten die früheren Kollegen früher als erwartet Kenntnis von der Vorsichtsmaßnahme des DFB. Das Netzwerk funktioniert. Gegen die Aufforderung legte Radmann Widerspruch ein und behauptete: „Die werden nie in der Lage sein, nur den Hauch einer Forderung nachzuweisen.“

          Unbenanntes Dokument

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