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Europa League in Malmö : Union Berlin gewinnt nach langer Unterbrechung

  • Aktualisiert am

Bereits vor dem Anpfiff wird Pyrotechnik auf den Rängen gezündet. Bild: dpa

Knapp 30 Minuten ist das Spiel zwischen Union und Malmö unterbrochen, weil Feuerwerkskörper auf das Feld fliegen. Trotzdem gewinnt Union das Spiel. Nach der Partie finden die Berliner klare Worte.

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          Überschattet von einem Beinahe-Abbruch nach Fan-Ausschreitungen hat der Tabellenführer der Bundesliga 1. FC Union Berlin seine Niederlagenserie in der Europa League beendet. Mit dem ersten Tor im Wettbewerb fuhren die Köpenicker am Donnerstag beim punktlosen schwedischen Rekordmeister Malmö FF den ersten Sieg in dem Wettbewerb ein. Das Tor zum 1:0 (0:0) in Unterzahl erzielte Sheraldo Becker in der 68. Minute.

          „Feuerwerk auf Menschen zu zielen, auf Menschen zu richten, das geht einfach zu weit. Das ist das Schlimme: Es geht nicht mehr um den Sport, um Fußball“, betonte Unions Trainer Urs Fischer: „Dass eine Minderheit es einfach immer wieder hinbekommt, dass man nicht übers Spiel spricht. Da fehlen mir die Worte. Das finde ich beschämend.“

          Europa League

          Sportlich wahrte sich die Mannschaft des rechtzeitig wieder negativ auf das Coronavirus getesteten und nachgereisten Fischer nach zuvor zwei 0:1-Niederlagen die Chancen aufs Weiterkommen in der Gruppe D. Das Geschehen auf den Rängen dürfte aber auch noch ein Nachspiel haben, zumal vor einem Monat Anhänger des 1. FC Köln beim Spiel in der Conference League in Nizza für massive Negativschlagzeilen gesorgt hatten.

          „Meine Gefühlslage ist zwiegespalten", sagte Unions Präsident Dirk Zingerle bei RTL+ nach dem Abpfiff.: „Es ist nicht zu akzeptieren. Nichts und niemand hat etwas auf dem Rasen zu suchen. Das ärgert mich total, ich bin stinksauer.“ Auch Aufarbeitung kündigte Zingler gleich nach Abpfiff an.

          „Das werden wir auswerten mit der Szene, das ist ganz klar“, betonte der Union-Boss: „Am Ende sind es immer wenige. Das hört sich zwar an wie eine Floskel, aber es ist die Wahrheit.“ Sorge vor abermaligen Ausschreitungen im Rückspiel in einer Woche im Stadion An der Alten Försterei habe er nicht: „Wir sind gut vorbereitet - und darauf freue ich mich.“

          Wiederanpfiff unter Bewährung

          In Malmö blieb aber zunächst unklar, von wem die pyrotechnischen Gegenstände und Feuerwerkskörper gezündet und geworfen worden waren. „Beide Lager haben Pyrotechnik aufs Feld geworfen“, hieß es vonseiten der Unioner, dessen Kommunikationschef nach den internationalen Durchsagen vor der Fortsetzung der Partie auch noch mal auf die Anhänger der Berliner einredete. Fernsehbilder zeigten auch, dass Sicherheitskräfte Anhänger von den Rängen brachten, die nicht im Block der gut 1000 Union-Anhänger standen.

          Klar war, dass Schiedsrichter Halil Umut Meler aus der Türkei nach der Unterbrechung in der 57. Minuten nur unter Bewährung wieder anpfiff. Sollten abermals Gegenstände von den Rängen in den Innenraum geworfen werden, würde die Partie sofort abgebrochen, hieß es. Entsprechend gestikulierte Becker, als nach seinem umjubelten Tor auf den Rängen abermals eine Leuchtfackel brannte.

          Dass die Unioner in der Situation treffen würden, hatten wohl nicht viele vermutet. Die Berliner mussten kurz vor der Pause einen schweren Rückschlag hinnehmen, als Andras Schäfer die Rote Karte sah. Die komplette Unioner Mannschaft hatte sich in der Hälfte der Schweden eingefunden, dann verstolperte Schäfer den Ball, spielte ihn unfreiwillig mit der Hacke Richtung eigenes Tor.

          Malmös Kapitän Anders Christiansen sprintete dazwischen, Schäfer hielt ihn am Trikot und Christiansen fiel. Der Schiedsrichter zeigte die Rote Karte: Schäfer hatte als letzter Mann klar eine Torchance vereitelt.

          Trainer Fischer, der am Sonntag noch positiv auf das Coronavirus getestet worden war und erst am Donnerstagvormittag nach einem weiteren Negativtest nachkommen konnte, lehnte sich erstmal ohne größere Gesichtsregung in seinem Trainerstuhl zurück. Da konnte er noch nicht ahnen, dass die Partie zehn Minuten nach dem Wiederanpfiff auch noch eine solche Wendung nehmen würde.

          Europa League

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