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EM-Qualifikation : Holland hilft nur noch beten

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Streiken bringt auch nichts: Wesley Sneijder pausiert beim Abschlusstraining Bild: dpa

„Beten, hoffen, Kerze anzünden“: Der WM-Dritte Niederlande braucht ein Fußball-Wunder, um sich noch für die EM in Frankreich zu qualifizieren. Nationaltrainer Blind gibt zwar den Berufsoptimisten - aber er ist auch schon fast weg.

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          Für Arjen Robben ist die Sache bereits gelaufen. „Wir müssen realistisch sein“, sagte der verletzte Mannschaftskapitän der Niederländer angesichts der nahezu aussichtslosen Lage seiner Nationalelf am Montag in einem Radio-Interview. Was Robben und wohl auch ganz Holland derzeit befürchten müssen: Die Europameisterschaft 2016 in Frankreich wird aller Wahrscheinlichkeit nach ohne die Niederlande stattfinden.

          Der Dienstag wird für den Dritten der WM in Brasilien der alles entscheidende Fußballabend. In der Amsterdam Arena müssen die Niederlande einerseits auf jeden Fall Tschechien besiegen – entscheidend ist aber, dass die gleichzeitig die Türkei gegen Island verliert (20.45 Uhr / beide Spiele live in der Konferenz bei RTL Nitro). Nur dann hat Oranje noch eine Chance, sich über die Playoffs für die EM zu qualifizieren.

          „Beten, hoffen, Kerze anzünden“

          „Dunkle Zeiten für den niederländischen Fußball“, prophezeite am Wochenende schon die Boulevardzeitung „De Telegraaf“. Und auch Robben hält das Wunder von Amsterdam für nahezu unmöglich: „Ich hatte meine Hoffnung auf den letzten Samstag gesetzt, als die Türkei gegen Tschechien spielen musste.“ Doch das Team um den Leverkusener Hakan Calhanoglu gewann 2:0. Doch nach Ansicht des Bayern-Stürmers werde die Türkei auch am Dienstag „nichts weggeben. Wir müssen tun, was wir können, also gewinnen. Und dann heißt es beten, hoffen und eine Kerze anzünden.“

          Quasi der einzige verbliebene Berufsoptimist ist Nationaltrainer Danny Blind geblieben: „Ich glaube an eine Niederlage der Türkei“, erklärte der Coach, für den ein Aufgeben nicht infrage kommt. Trotz allem kann nur noch Island die Holländer retten. Doch die Isländer haben sich bereits sensationell zum ersten Mal für eine EM qualifiziert, könnten also mit einer B-Elf bei den Türken auflaufen. Schon gegen den Tabellenvorletzten Lettland kam der Tabellenführer nur auf ein mageres Unentschieden.

          Kapitän Arjen Robben fällt gegen Tschechien verletzt aus

          Zwar hat auch Oranjes Gegner Tschechien bereits sein EM-Ticket sicher. Doch selbst wenn die Tschechen in Amsterdam ebenfalls mit einer B-Elf auflaufen sollten, dürfte es für Oranje kompliziert werden. Denn der WM-Dritte wird vom Verletzungspech verfolgt. In Kasachstan fielen gleich zwei Torhüter aus, zudem muss Bondscoach Blind am Dienstag auf mindestens acht Stammspieler verzichten. Auch auf Superstar Robben.

          Erst Anfang Juli hatte Blind den glücklosen Guus Hiddink als Nationaltrainer beerbt, aber einen miserablen Start hingelegt. Nach zwei Pleiten gelang dem 54-Jährigen erst in Kasachstan sein erster Sieg. Und nach gerade mal dreieinhalb Monaten droht dem früheren Ajax-Profi bei einem Scheitern in der EM-Qualifikation schon wieder das Aus.

          Auch die Position des Direktors des niederländischen Fußballbundes KNVB, Bert van Oostveen, steht zur Debatte. Er war maßgeblich für die höchst umstrittene Verpflichtung von Hiddink und der anschließenden Beförderung des damaligen Co-Trainers Blind verantwortlich. Der KNVB-Chef sei ein Mann „ohne Fußball-Knowhow“, stellte Hollands Chefkritiker Johan Cruyff kürzlich fest. Nach dem fast unvermeidlichen Aus müsse der KNVB nach dem Vorbild des DFB einen eigenen Fußball-Direktor anstellen. Cruyff: „Ein Fußballbund ohne Fußball-Direktor ist und bleibt ein Witz“.

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