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Im Interview: Michael Ballack : „Frings' Rücktritt wäre schlimm“

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Ballack über Löw: „Respekt und Loyalität ist das Wenigste, was man als verdienter Nationalspieler erwarten kann” Bild: picture-alliance/ dpa

Michael Ballack empfindet es als schlimm, dass Torsten Frings unter dem Druck über seinen Rücktritt nachdenkt. Der Mittelfeldspieler vermisst Respekt und Loyalität. Im F.A.Z.-Interview bezeichnet er die Kritik des früheren Nationalspielers Olaf Thon als Frechheit.

          5 Min.

          Michael Ballack, 32 Jahre alter Fußballprofi, wundert sich, wie der von Bundestrainer Joachim Löw geschürte Konkurrenzkampf in der Nationalmannschaft geführt wird. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung empfindet es Ballack als Frechheit, wie manche Stammkräfte im Team von Außenstehenden wie dem früheren Nationalspieler Olaf Thon diskreditiert werden und vermisst Respekt und Loyalität.

          Sie hatten vergangene Woche eine kleine Operation an beiden Füßen, bei der Ihnen gutartige Knoten entfernt worden sind. Wie verläuft die Heilung?

          Ich vertraue den Ärzten, die sagen, dass ich relativ schnell wieder am Training teilnehmen kann - in ein, zwei Wochen. Außerdem bekomme ich viele aufmunternde Genesungswünsche, da kann ja nichts mehr schief gehen.

          Michael Ballack: „Es wird versucht, einigen Spielern ans Bein zu pinkeln”
          Michael Ballack: „Es wird versucht, einigen Spielern ans Bein zu pinkeln” : Bild: ddp

          Wer hat sich denn alles gemeldet?

          Mein Trainer in Chelsea, Felipe Scolari, viele Mitspieler, auch einige vom FC Bayern München und José Mourinho.

          Hat sich der Bundestrainer denn gemeldet?

          Nein.

          Überrascht Sie, dass Joachim Löw sich nicht bei seinem Kapitän über dessen Gesundheitszustand erkundigt?

          Das überrascht mich schon, weil es in der Vergangenheit bisher immer anders war.

          Joachim Löw hat ja zuletzt den großen Konkurrenzkampf ausgerufen und die arrivierten Kräfte mit einbezogen. Außerdem hat er gesagt, er würde jetzt nur noch nach Leistung gehen und alle Spieler hätten sich zu "unterwerfen". Weht in der Nationalelf nun ein anderer Wind?

          Ich finde es grundsätzlich gut, einen Konkurrenzkampf auszurufen. Aber das ist nichts Besonderes, sondern eine Normalität für jeden von uns. Im Umkehrschluss frage ich mich natürlich, ob es in der Vergangenheit in der Nationalelf wohl Fälle gab, bei denen das Leistungsprinzip nicht angewendet worden ist.

          Was meinen Sie konkret?

          Die Form des Konkurrenzkampfes nach einer erfolgreichen Europameisterschaft, dass gestandene Leistungsträger wie Torsten Frings, Miroslav Klose und auch ich plötzlich in Frage gestellt und öffentlich angegriffen werden. Ich denke da besonders an Torsten Frings. Er war und ist Stammspieler, einer, der im Verein regelmäßig auf hohem Niveau spielt und dies vor allem auch in der Champions League zeigt. Bei der EM hatte er einen Rippenbruch und hat sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Ich kenne den Torsten seit den "U21"-Junioren gut, weiß wie er denkt und hoffe, er wird nicht zu einer Entscheidung verleitet, die Torsten und viele andere später bereuen werden.

          Will der Bundestrainer nicht einfach nur Druck machen auf Stammspieler und den anderen zeigen, dass sie im Hinblick auf die Weltmeisterschaft eine realistische Chance haben - ist das nicht legitim?

          Natürlich, aber nochmals, warum sollte ich etwas gegen den Konkurrenzkampf haben? Ich freue mich, wenn der Bundestrainer andere Spieler auffordert, mehr Verantwortung zu übernehmen. Das erleichtert nur die Aufgabe und entlastet mich.

          Was heißt das für Frings?

          Torsten hat fast 80 Länderspiele und spielt regelmäßig in der Champions League auf einem hohen Niveau. Um ihn zu verdrängen, müsste ein anderer besser sein und diese Leistung über einen längeren Zeitraum konstant auf hohem Niveau unter Beweis stellen. Vielleicht befindet sich ja Torsten aktuell nicht in Topform, aber er spielt immer noch auf einem sehr hohen Niveau. Dieses Faktum kann niemand wegdiskutieren. Ich habe deshalb ein ungutes Gefühl, dass er diesen Konkurrenzkampf nicht gewinnen kann.

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