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Im Gespräch: Steffi Jones : „Ich leiste nicht   Emanzipationsarbeit"

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„Als Direktorin habe ich nicht mehr so viele repräsentative Aufgaben.“: Steffi Jones möchte sich nicht mehr so sehr in den Mittelpunkt stellen Bild: Röth, Frank

Von der OK-Präsidentin zur DFB-Direktorin: Nach der gelungenen Heim-WM soll Steffi Jones der Zukunft des deutschen Frauenfußballs Struktur geben. Im F.A.Z.-Interview spricht sie über den Rollenwechsel und Aktenstudium.

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          Haben Sie es in Ihrer Karriere als Spielerin gemocht, Vorsprünge zu verwalten?

          Nein, ich hatte es immer gern, wenn Spiele spannend und eng bis zum Schluss waren. Ich war Abwehrspielerin, und da willst du dich ja beweisen. Da ist es schöner, wenn man die ein oder andere Situation lösen muss. Das ist bei einem hohen Vorsprung nicht gegeben.

          Nach der WM sind Sie aber nun aus dem Amt der Präsidentin des Organisationskomitees in einen Verwaltungsjob gewechselt. Müssen Sie als erste Direktorin Frauenfußball im DFB nun nicht eben nur den großen Schub der WM verwalten?

          Ich sage ganz klar, dass die WM abgeschlossen ist. Ich darf jetzt in meiner neuen Aufgabe verantwortlich leiten, nachdem ich bei der WM Repräsentantin war. Jetzt leite ich das operative Geschäft. Da will ich neue Akzente setzen. Das ist kein Verwalten, sondern eine riesige Herausforderung, bei der mir ein tolles Team zur Seite steht. Es geht aber nur um Nuancen, die wir verbessern müssen, um Abläufe, die optimiert werden sollen. Wir müssen nicht das Rad neu erfinden, sondern den Schwung der WM nutzen.

          Überragende Persönlichkeit: Steffi Jones mit DFB-Präsident Theo Zwanziger, einem ausgemachten Förderer und Freund des Frauenfußballs
          Überragende Persönlichkeit: Steffi Jones mit DFB-Präsident Theo Zwanziger, einem ausgemachten Förderer und Freund des Frauenfußballs : Bild: Sick, Cornelia

          Konkretisieren Sie das bitte.

          Es geht weiter darum, dass jedes Mädchen einen Verein in seiner Nähe finden können muss. Das ist noch nicht überall gegeben. Und Integration bleibt ein Thema. Da ist Lira Bajramaj weiter ein tolles Vorbild für Mädchen mit Migrationshintergrund, denen wir durch den Fußball einen Weg in die Gesellschaft ebnen wollen. Und natürlich freuen wir uns, dass die Zuschauerzahlen in der Bundesliga um fast 40 Prozent gestiegen sind. Das ist das, was wir realistisch erwartet haben, auch wenn die Öffentlichkeit vielleicht einen noch größeren Boom erhofft hatte. Wir sind auf einem guten Weg.

          Ihre Homepage ruht gerade. Deutet das auf einen Selbstfindungsprozess als Direktorin hin?

          Ich war als OK-Präsidentin viel unterwegs, hatte viele tolle Bilder von Reisen zu zeigen. Als Direktorin habe ich nicht mehr so viele repräsentative Aufgaben. Deshalb finde ich es nicht gut, wenn ich mich durch eine eigene Homepage in den Mittelpunkt stelle.

          Deshalb muss man auf der DFB-Seite in den Organigrammen nach einem Bild von Ihnen suchen. Da sind Sie die einzige Frau unter sieben Direktoren. Wie fühlt man sich allein unter Männern?

          Damit hatte ich noch nie Probleme. Ich habe früher mit Jungs auf dem Bolzplatz gespielt und weiß auch daher, wie ich mit Männern umzugehen habe. Aber ich bin ja nicht die Erste, die das erlebt. Da habe ich wiederum durch Hannelore Ratzeburg ein Vorbild, das Türen geöffnet hat. Sie hat mir da schon Tipps gegeben, wie ich als Frau bei Tagungen oder Ähnlichem auftreten soll. Zudem habe ich ein Führungsseminar absolviert, weil ich daran arbeiten will, wie ich führen kann. Ich habe zwar die Ausbildung zum Fußballlehrer gemacht und dabei einiges gelernt über Führung. Aber deswegen bin ich nicht automatisch eine gute Direktorin. Ich versuche, mir Erfahrungen anderer zunutze zu machen. Und ich will mit allen zusammenarbeiten und nicht irgendeine Emanzipationsarbeit leisten.

          In den vergangenen Wochen haben Sie noch einige Ehrungen entgegengenommen für Ihre Rolle als WM-Chefin. Wie werden Sie die WM in Erinnerung behalten?

          Ich denke, dass ich darauf stolz sein darf, diese Preise entgegennehmen zu dürfen, weil ich mich dreieinhalb Jahre lang dafür aufgeopfert habe. Es war ein großartiges Gemeinschaftswerk. Viele Menschen haben daran mitgewirkt. Dass ich Teil dieses Teams war, macht mich stolz. Für den Frauenfußball - national wie international - war das Turnier sicher ein Meilenstein. Für mich persönlich ein unvergessliches Erlebnis, mit vielen Bildern, die bleiben.

          Die Festtage des Frauenfußballs mit vollen Arenen sind vorbei. Wie geht es nun weiter? Was bleibt von der WM-Begeisterung?

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