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Im Gespräch: Renate Lingor : „Wir können keine Röcke tragen“

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„Ein blauer Fleck ist nicht schön, gehört aber dazu”: Renate Lingor Bild: Michael Hauri

Als Kind hat Renate Lingor sich im Dreck gesuhlt und erst Jahre später entdeckt, dass es so etwas wie Make-up gibt. Heute freut sich die Spielerin des 1. FFC Frankfurt über enge Trikots. SOLO - Ein Thema, ein Interview - Teil 3 mit Renate Lingor und „Schönheit“.

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          Als Kind hat sie sich im Dreck gesuhlt und erst Jahre später entdeckt, dass es so etwas wie Make-up gibt. Heute - nach mehr als fünfundzwanzig Jahren als Fußballspielerin und zweimaliger Weltmeisterin - freut sich Renate Lingor über enge Trikots und wird unruhig, wenn es um die Auswahl der Abendgarderobe für lange Ballnächte geht. Im dritten Teil der der FAZ.NET-Serie „SOLO - Ein Thema, ein Interview“ redet die Spielerin des 1. FFC Frankfurt über - Schönheit.

          Frau Lingor, was ist für Sie schön?

          Das ist eine schwierige Frage. Es gibt so unglaublich viele Dinge, die schön sein können. Sehen Sie nach draußen: Der Frühling kommt, die Blätter werden wieder grün. Für mich ist das die schönste Zeit des Jahres. Ich fahre dann gern mit dem Fahrrad durch den Wald, wenn die Sonne aufgeht und es ganz ruhig ist.

          Schönheit kann also sehr einfach sein.

          Ja. Aber es muss ein Gefühl ergeben, das einem das Herz aufgehen lässt. Ein Sonnenaufgang am Meer ist relativ trivial, und der ist auch alltäglich - aber trotzdem ist er sehr schön.

          Wie wichtig ist Ihnen Ihr Aussehen?

          Es ist nicht so, dass ich danach strebe, immer für jeden schön auszusehen. Bei Veranstaltungen wie dem Ball des Sports ist das natürlich ganz anders. Da stehe ich dann Stunden vor meinem Schrank und schaue zehnmal hinein, bevor ich mich für eines der Kleider entscheide.

          In Ihrem Alltag spielt Schönheit also eine untergeordnete Rolle?

          Ich will nicht hässlich aussehen, das will keine Frau. Aber ich beschäftige mich nicht permanent mit diesem Thema.

          Wann haben Sie sich denn das erste Mal damit beschäftigt?

          Das war sicher die Zeit, als ich in die Pubertät gekommen bin. Davor war es mir egal. Da habe ich mich im Dreck gesuhlt und Fußball gespielt, und so sah ich dann auch aus, als ich nach Hause gekommen bin. Dass es Make-up und all die anderen Sachen gibt, habe ich erst später entdeckt.

          Vor dem Endspiel der Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr sah man Sie und andere in der Kabine lange vor dem Spiegel stehen. Mit Haarspray wurden da die Haare fixiert, Sie haben Zöpfchen geflochten. Ist das Eitelkeit?

          Es gibt verschiedene Bedeutungen dafür. Man muss sehen, dass die langen Haare nicht im Gesicht hängen und während des Spiels stören. Man darf nie vergessen, dass wir eine Sportart ausüben, die sehr schnell ist. Da müssen die Haare gut halten - aber sie sollen auch gut aussehen. Das braucht seine Zeit. Ich verstehe das ja manchmal selbst nicht: Ich mache immer die gleichen Bewegungen, und trotzdem liegen die Haare immer anders. Dann mache ich es wieder weg, wieder neu, und das dauert dann. Das ist kein Ritual, aber gehört doch dazu.

          Immer?

          Nein, im Training ist es mir relativ egal, wie ich aussehe. Da sieht mich dann ja niemand.

          Wie wichtig ist das Äußere für Ihre Bedeutung als Fußballspielerin?

          Um die Sportart vernünftig ausüben zu können, spielt das keine Rolle. Aber das gesteigerte Medieninteresse an uns hat einiges verändert: Inzwischen haben wir eigene Frauentrikots, früher haben wir in denen der Männer gespielt. Wenn man darauf achtet, wie man auftritt und wie man aussieht, kann man seine Sportart noch besser verkaufen. Aber dorthin, wo wir sind, haben wir es vor allem mit Leistung geschafft. Die Leute haben sich doch jahrelang überhaupt nicht dafür interessiert, wie wir auf dem Platz aussahen.

          Die engeren Trikots haben Ihnen dennoch gefallen.

          Natürlich gefallen sie mir besser. Unsere Trikots sind auf Taille geschnitten, es ist nicht so ein Sack wie bei den Männern. Das sieht jetzt um einiges besser aus. Aber ich ärgere mich noch immer, wenn das Trikot eine Nummer zu groß geliefert wird. Das ist nicht mehr schick.

          Trotzdem sind Fußballspielerinnen nicht so weiblich gekleidet wie Hockeyspielerinnen oder Tennisspielerinnen.

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