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Im Gespräch: Polizistin und Weltmeisterin Smisek : „Ich konnte Hass sehen“

  • Aktualisiert am

Komissarin und zweifache Fußball-Weltmeisterin: Sandra Smisek Bild: F.A.Z. - Foto Wolfgang Eilmes

Sandra Smisek kennt man eigentlich nur als Fußball-Weltmeisterin. Im wahren Leben ist sie aber Kommissarin. Im Interview spricht sie über Einsätze im Stadion in Uniform statt Trikot.

          2 Min.

          Sandra Smisek ist 2003 und 2007 Weltmeisterin geworden mit der deutschen Frauenfußball-Nationalmannschaft. Nebenher absolvierte sie eine Ausbildung bei der Polizei. Die Spielerin vom FFC Frankfurt, Kommissarin der Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit in Wiesbaden, spricht im Interview über ihre Einsätze im Stadion.

          Sind Sie als Polizistin gerne im Fußball-Einsatz?

          Ja, ich gehe gerne ins Stadion. Ich finde es faszinierend, die Sprechchöre zu hören und die Choreographien zu erleben, da steckt sehr viel Herzblut drin. Ich weiß, dass diese Leute den Sport ausmachen, dass wir die, die Stimmung machen, auch brauchen. Andererseits: Wenn ich manchmal die Gewaltbereitschaft gegenüber anderen Fans oder uns Polizeibeamten erlebe, dann kann ich das natürlich so nicht akzeptieren und tolerieren.

          Weltmeisterin und Polizistin: Sandra Smisek (l., mit Garefrekes und Prinz) bei der WM 2007

          Beim Kongress „Feindbilder ins Abseits“ am Mittwoch in Frankfurt war die Rede davon, dass die Feindbilder größer geworden sind: die Polizei auf der einen Seite, ein Teil der Fans auf der anderen. Sehen Sie das auch so?

          Das kann ich noch nicht beurteilen, weil ich erst seit zwei Jahren so richtig im Berufsleben bin. Aber ich empfinde das Verhältnis schon als gestört. Ich versuche immer, mich in die Fansituation hineinzuversetzen, und finde viel Gutes dabei. Es bleibt aber immer ein Rest übrig, der Probleme bereitet. Es können sich immer Situationen ergeben, in denen es umkippt.

          Wie sieht ein normaler Einsatz aus?

          Wir begleiten die Gäste- oder die Heimfans zum Stadion, betreuen sie auch beim Spiel selbst, und führen sie dann wieder zurück. Solange nichts passiert, ist es ein schöner Einsatz.

          Was war Ihr unangenehmstes Erlebnis?

          Es gab in der vergangenen Saison eine Situation vor der Frankfurter Arena, als die beiden Fangruppen auseinandergehalten werden mussten, die dann auf 100 Meter Entfernung aneinander vorbeigeschleust wurden. Wir haben die Kette dazwischen gestellt, und an der Körpersprache eines Eintracht-Fans und den Augen konnte ich sehen, dass der hasserfüllt ist. Ich konnte nicht mehr unterscheiden, ob es mir gilt ist oder den Gästefans. Sich zwischen beide stellen zu müssen ist unangenehm. Ich habe zwar Pfefferspray und Schlagstock dabei, hoffe aber, dass beides nie zum Einsatz kommt.

          Haben Sie es noch nie gebraucht?

          Nein. Meine Maxime ist Deeskalation.

          Das ist ein schönes Wort - was bedeutet das konkret?

          Sprechen und zuhören. Und den Gegenüber respektieren. Das fängt bei Kleinigkeiten an: Siezen. Ich duze keine Fans. Das ist eine Person, die meinen Respekt verdient. Ich stehe in der Rolle des Polizeibeamten nicht über diesen Menschen, nur weil ich die Uniform anhabe. Aber natürlich spreche ich auch klar an, wie alles vonstatten gehen soll. So lange man sich daran hält, haben alle Parteien eigentlich keine Probleme. Ich hatte im direkten Kontakt zu meinem Gegenüber noch nie eine Auseinandersetzung.

          Mehr Kommunikation war auch beim Kongress eine zentrale Forderung. Sehen Sie das genauso?

          Ja. Es muss sich jeder hinterfragen und bereit sein, dazu beizutragen, dass es besser wird.

          Ist Annäherung überhaupt möglich?

          Ich denke schon, dass so eine Veranstaltung, bei der man sich mal austauscht, gut ist. Wenn jeder ein bisschen mehr vom anderen weiß, dann geht man vielleicht in der nächsten Situation ganz anders miteinander um.

          Was würden Sie sich von Seiten der Fans wünschen?

          Offener sein gegenüber der Polizei. Sie will ja nicht dieses Ereignis stören. Sie will es schützen.

          Wenn Sie den Fans gegenüberstehen, werden Sie dann auch mal als Fußballweltmeisterin erkannt?

          Nein. Bei anderen Einsätzen schon, im Stadion ist das aber zum Glück noch nicht vorgekommen. Da bin ich auch bis oben eingedeckt mit Einsatzkleidung.

          Die Fragen stellte Christian Kamp.

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