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Im Gespräch: Nationaltorwart Neuer : „Zu null, das muss unsere WM-Grundlage sein“

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Können und wollen Sie das Torwart-Spiel, das Sie beim FC Bayern spielen, auch in der Nationalmannschaft spielen?

Das ist nicht so einfach 1 zu 1 zu kopieren. Bei den letzten Tests gegen England und Italien hatte sich die Mannschaft personell verändert. Wir hatten Konstellationen, in denen keine Routine entstehen konnte. Ich denke, dass wir es hinbekommen. Aber wir müssen das trainieren. Derzeit haben wir bei der Nationalmannschaft dafür nicht die Möglichkeiten. Wir müssen das aber noch einüben, die Automatismen müssen erst noch greifen. Beim FC Bayern haben wir die Möglichkeit, diese Dinge tagtäglich zu wiederholen. Nur so kann man das reinkriegen.

Sollte dies gelingen – ändert sich dann bis zur WM das Defensivspiel der Nationalmannschaft?

Sicher wird es sich verändern, wenn man diese Möglichkeit dann auch anwendet.

Und – wird es so kommen?

Ich hoffe es. Wir versuchen ja auch in der Nationalelf schon, von hinten raus zu spielen und die nötige Ruhe mitzubringen. Aber das kann man nur schaffen, wenn man über einen längeren Zeitraum daran arbeitet. Ich denke schon, dass wir auch in der Nationalmannschaft so mutig spielen können.

Braucht man als Torwart für dieses risikoreichere Spiel besonders viel Mut?

Ich brauche nicht viel Mut dafür – wenn die Mitspieler mitmachen. Ich habe Vertrauen, wenn die Spieler sich zeigen. Und wenn wir keine langen Bälle schlagen, dann habe ich überhaupt keine Angst. Dann ist diese Spielweise auch kein großes Risiko.

Allein in den beiden Spielen in dieser Saison gegen Paraguay und Schweden haben Sie sechs Gegentore kassiert. Bei den Bayern ist das kaum mehr vorstellbar.

Ich denke nicht an Paraguay und Schweden. Das gehört zwar zur Saison, ist aber schon lange her. Wir lernen aus solchen Fehlern. Ich denke positiv.

Der Bundestrainer ist besorgt wegen vieler verletzter Spieler. Aber wird die deutsche Mannschaft nicht trotz aller Sorgen mit einem erstklassigen Kader in die WM starten, der das Zeug zum Weltmeister hat?

Wir wissen, welche Qualität wir haben können. Jeder wird alles daransetzen, auf den Punkt fit zu sein. Aber es stimmt schon, dass man nicht im ersten Spiel bei der WM den Schalter umlegen kann – man muss darauf hinarbeiten, körperlich und geistig. Die Erwartung von Fußball-Deutschland, dass wir Weltmeister werden und alles andere nicht zufriedenstellend ist, ist ja ohnehin da. Und für mich gilt das auch – aber es wird alles andere als einfach.

Was nutzt dem Team das Spiel gegen Chile auf dem Weg zur WM?

Erstens: Es ist ein guter Gegner aus Südamerika, da wissen wir danach auch ein bisschen mehr, was uns gegen südamerikanische Mannschaften von der Spielanlage erwartet. Sie sind taktisch flexibel, ballsicher und spielen ohne Angst.

Und was ist für Sie als Torwart wichtig?

Dass wir in der Nationalelf wie bei Bayern auch zu null spielen können. Das muss auch unsere Grundlage für die WM sein. Wir müssen eine stabile Defensive schaffen und über das gesamte Turnier erhalten, so wie wir das in Südafrika geschafft haben. Die Kreativität haben wir in der Offensive – und wenn wir uns wirklich auf die Defensive verlassen können, dann reicht auch mal ein 1:0. Aber das ist ein Ergebnis, das wir in der Nationalmannschaft nicht so oft haben.

Turek, Maier, Schumacher, Kahn: In Deutschland waren Torhüter immer Fußball-Helden, auch deswegen, weil sie Spiele ganz spektakulär alleine gewannen. Sie sind zum besten Torhüter der Welt gewählt worden, aber durch die veränderte, nüchternere Spielweise scheint die Zeit der Torwart-Helden dennoch zu vergehen.

Die Bälle, die aufs Tor kommen, sind die gleichen wie früher. Es kommt nur darauf an, was man als Torwart daraus macht. Ich mache keine Parade, wenn ich sie nicht machen muss. Ich versuche, den Ball festzuhalten. Ich will keinen Eckball für den Gegner, oder ihnen eine Chance bieten, nochmals an den Ball zu kommen. Ich will in Ballbesitz bleiben. Mir geht es um die Mannschaft, nicht darum, was die Leute denken. Und ich versuche dem Gegner damit auch zu zeigen: „Deine Bälle sind einfach für mich.“ Solche Aktionen verschaffen Respekt – und der Gegner soll keine Möglichkeit sehen, wie er uns besiegen kann.

Das Gespräch führte Michael Horeni.

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