https://www.faz.net/-gtl-159hd

Im Gespräch: Martin Grubinger, Weltklasse-Percussionist : „Man sollte Podolski ans Schlagzeug setzen“

  • Aktualisiert am

Grubinger am Mondsee in Österreich: „Die brasilianische Spielweise steht im Zusammenhang mit Musik” Bild: Michael Herdlein / VISUM

Martin Grubinger füllt Konzertsäle von New York bis Tokio. Um sich für seine Mammutkonzerte fit zu machen, läuft der österreichische Weltklasse-Percussionist den Marathon unter drei Stunden. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erzählt er von Musik, Fußball, Training und Doping.

          6 Min.

          Martin Grubingers Metier ist das klassische Schlagwerk: Schlagzeug, Pauke, Trommel, Becken, Stabspielinstrumente bis hin zu japanischer und afroamerikanischer Percussion. Er füllt Konzertsäle von New York bis Tokio. Um sich für seine Mammutkonzerte fit zu machen, läuft der österreichische Weltklasse-Percussionist den Marathon unter drei Stunden. Im Gespräch mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erzählt Grubinger von der Musik, dem Fußball, von Training und Doping und warum er froh ist, dass ihm als Musiker keine Anti-Doping-Agentur im Nacken sitzt.

          Musik und Sport verbindet ein Verbum: spielen. Ist das der gemeinsame Nenner, das Spiel?

          Ich glaube schon. Erinnern Sie sich an diese Szene beim Fußball-Confederations Cup 2005 in Frankfurt? Brasilien hatte Argentinien im Finale geschlagen. Danach haben Ronaldinho, Lucio, Kaka und all die anderen mit Samba-Instrumenten auf dem Spielfeld gefeiert. Ich habe gesehen, wie sie sich bewegt haben, und gehört, was sie gespielt haben, und das war für mich die Bestätigung, dass das in einem Zusammenhang steht: die brasilianische Spielweise und die Musik. Wenn man sah, wie Ronaldinho die Percussionsinstrumente gespielt hat, dann versteht man, warum er damals so genial gekickt hat.

          „Wie Zidane seinen Körper verschoben hat, das war nichts anderes als Tanzen mit dem Ball”
          „Wie Zidane seinen Körper verschoben hat, das war nichts anderes als Tanzen mit dem Ball” :

          Sie sind Fußballfan?

          Ja, ich liebe Fußball. Mein Vater und ich, wir sehen fast jedes Spiel im Fernsehen. Ich bin auch Mitglied von Bayern München und ab und zu im Stadion.

          Was kann der Fußball von der Musik lernen?

          Eine Menge. Musik sollte im Training eine viel größere Rolle spielen. Mein Vater ist Schlagzeuglehrer an der Universität Salzburg. Er sagt, wenn er Fußballtrainer wäre, würde er das Training anders aufbauen. Er würde die Spieler auch nach Musik spielen lassen, würde Spielzüge üben in verschiedenen Tempi. Große Mannschaften zeichnen sich ja dadurch aus, dass sie Tempo, Rhythmus und die Vielfalt ihrer Spielaktion sehr stark variieren können. Musik kann dabei helfen, das zu lernen.

          Wie sollte das funktionieren?

          Was ich zum Beispiel bemängele, ist, dass in der deutschen Bundesliga kaum noch ein Profi in einer Eins-zu-eins-Situation jemand überspielen kann. Schweinsteiger zum Beispiel muss dann immer einen Doppelpass nehmen, oder er schlägt die Flanke aus dem Halbfeld. Im Training brauchte man eine große Tonanlage, und jeder Spieler müsste sich verschiedene Eins-zu-eins-Situationen überlegen, die er machen könnte, die würde er in verschiedenen Tempi mit Musik trainieren, erst im Walzertempo, sehr langsam, um die Bewegung ganz allmählich zu automatisieren, dann Tango, Salsa, das ist schon schneller, dann Funk und Fusion, dann wird es pfeilschnell. Mein Vater und ich glauben, dass Bewegungsabläufe Rhythmen sind. Wie zum Beispiel Zidane seinen Körper verschoben hat, das war nichts anderes als Tanzen, Tanzen mit dem Ball.

          Wann wird Sport zur Kunst?

          Wenn man sich die aktuellen Superstars im Fußball anschaut, dann ist Messi ein unheimlich druckvoller Speedfußballer, auch Cristiano Ronaldo. Aber Zidane hatte noch andere Qualitäten, er hat extrem kultiviert gespielt. Es hatte etwas Ästhetisches, wie er mit kleinsten Bewegungen Körpertäuschungen spielen konnte, das war für mich Kunst.

          Wenn man versucht, Sie und Ihre Kunst auf eine sportliche Leistung zu reduzieren, was entgegnen Sie?

          Ich saß vor kurzem mit einem Komponisten zusammen, und er sagte, er finde es nicht gut, dass man bei mir immer die Sportkomponente betone, aber die Wahrheit ist: Das ist schon richtig. Als Schlagzeuger habe ich eine physische Belastung, die weit über der anderer Musiker liegt. Ich habe bei Konzerten einen Durchschnittspuls von 155 bis 160 - zwei Stunden lang. In England hat eine Studie ergeben, dass Rockschlagzeuger höhere körperliche Belastungen haben als Fußballer in der Premier League. Ein Schlagzeuger muss fit sein, deshalb trainiere ich sehr viel. Ich arbeite mit Sportmedizinern, bekomme meine Trainingspläne vom Red Bull Diagnostik- und Trainingszentrum in Thalgau, beim Ausbelastungstest auf dem Ergometer trete ich 420 Watt über vier Minuten, ich mache Laktattests und habe genaue Vorgaben für Rudern, Laufen, Radfahren.

          Weitere Themen

          Vorreiter bei der Inklusion

          SV Darmstadt 98 : Vorreiter bei der Inklusion

          Ob Menschen mit Down-Syndrom oder einem geringen IQ durch geistige Behinderungen: Der SV Darmstadt hat jetzt ein Team für intellektuell Beeinträchtigte und ist damit der erste Profiklub.

          Topmeldungen

          Im Mittelpunkt: Emre Can verursachte einen Handelfmeter, mit dem auf dem Rasen nicht alle einverstanden waren.

          Niederlage in Champions League : Aus der Traum für den BVB

          Keine „Weltsensation“: Dortmund gelingt im Viertelfinal-Rückspiel gegen Manchester City ein fulminanter Auftakt, am Ende aber muss sich der BVB geschlagen geben. Eine Szene sorgt für Diskussionen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.