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Im Gespräch: Huub Stevens : „Heute können andere von Deutschland lernen"

  • Aktualisiert am

Ein Niederländer in deutschen Diensten: Schalke-Trainer Huub Stevens Bild: dapd

Ein Holländer in der Bundesliga: Schalke-Trainer Huub Stevens spricht vor dem Duell zwischen den Nationalteams seines Heimatlands und seiner deutschen Wahlheimat (Dienstag, 20.45 Uhr) über seine Wandlung, verwirrte Spieler und die Eurofighter.

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          Viele Fans fragen sich: Wer wird im nächsten Jahr Fußball-Europameister - Spanien oder Deutschland? Wie stehen Sie als Niederländer dazu?

          Ich denke, es gibt drei Favoriten: Spanien, Deutschland und die Niederlande. Hinzu kommen bei so einem Turnier immer Länder, die aus einer Außenseiterrolle heraus für eine Überraschung sorgen können.

          Zum Beispiel?

          Ich weiß es nicht, man sagt immer England. Vielleicht auch Frankreich.

          Der deutsche Fußball hat nach dem Tiefpunkt bei der EM 2000 international aufgeholt. Warum sind die deutschen Talente heute besser ausgebildet, wenn sie zu den Profis kommen?

          Das hat erst einmal mit der Arbeit der Vereine zu tun und erstreckt sich bis zur Nationalmannschaft. Die Denkweise hat sich geändert, wenn es darum geht, wie man Jugendliche fordert und fördert. Auch Trainingsinhalte und -methoden haben sich verbessert.

          Machen talentierte, kreative Offensivspieler wie Özil, Thomas Müller oder Götze, aber auch moderne Innenverteidiger wie Badstuber oder Hummels Deutschland zu einer auch spielerisch führenden Fußballnation?

          In gewisser Weise schon. Die Deutschen haben sich bei anderen Ländern das eine oder andere abgeguckt und diese Erkenntnisse dann gemischt mit ihren eigenen Tugenden wie Laufstärke und taktischer Disziplin. Das macht sie stark. Inzwischen gucken vielleicht auch die Niederländer nach Deutschland. Wenn sie es nicht täten, wäre das arrogant. Jetzt können andere Länder auch etwas von Deutschland lernen.

          Der deutsche Fußball hat sich verändert. Haben auch Sie als Trainer, der als konservativ gilt, sich geändert?

          Ich glaube, wer nicht täglich dazulernt, kann keinen Erfolg haben. Nicht nur das Spiel muss sich weiterentwickeln, sondern jeder Mensch, egal ob im Fußball oder in welcher Branche auch immer. Wenn Sie sich Ihre Zeitung von vor fünfzehn Jahren anschauen und mit der Zeitung vergleichen, wie sie heute erscheint, werden Sie auch einen Unterschied feststellen. Anders ist es bei einem Trainer und einer Mannschaft auch nicht.

          Was haben Sie dem Trainer Stevens voraus, der vor fünfzehn Jahren als Nobody in die Bundesliga kam?

          Erfahrung und Gelassenheit. Irgendwann habe ich mir vorgenommen, mich nicht mehr zu ärgern, auch nicht über die Medien. Sie können mir jede Frage stellen. Ich versuche, damit ganz locker umzugehen. Aber glauben Sie mir: Wenn mir jemand in einer emotionalen Situation eine unpassende Frage stellt, dann bekommt er auch eine unpassende Antwort. Das ist doch dann auch wieder schön für das Publikum, dann haben die Leute wieder etwas zu reden. Fußball ist ein öffentliches Spiel, und ich spiele das Spiel mit.

          Wie hilft Ihnen die Erfahrung konkret im Umgang mit den Spielern, besonders den jungen?

          Heutzutage versuche ich, mich mehr in die Spieler hineinzuversetzen, um sie zu verstehen und zu erreichen. Früher haben sie einfach so akzeptiert, was wir Trainer gesagt und getan haben. Die aktuelle Spielergeneration ist ganz anders aufgewachsen, sie lebt in einer anderen Welt und ist viel besser informiert. Vor fünfzehn, zwanzig Jahren gab es zwar schon Computer, aber die spielten bei jungen Leuten nicht so eine wichtige Rolle, und Handys kamen gerade erst auf den Markt.

          Jens Lehmann, einst Ihr Torwart "auf" Schalke, hat jüngst gesagt, er habe manchmal "Schiss" vor Ihnen gehabt. Sind Sie milder geworden?

          Ich war und bin eine sehr präsente Persönlichkeit. Dass die Spieler Schiss haben, will ich aber gar nicht. Ich möchte, dass wir respektvoll miteinander umgehen. Das war zwischen Jens und mir gegeben, obwohl er auch nicht immer der Einfachste war.

          Der Trend geht dahin, junge Spieler früher in die Bundesliga oder auch in die Nationalmannschaft einzubauen. Sind die Trainer mutiger geworden?

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