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Im Gespräch: Hasan Salihamidzic : „Wie konnten wir denn das noch verlieren?“

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Zwei, drei Ballkontakte und zwei Gegentore: Hasan Salihamidzic (Bild von 2007) Bild: picture-alliance/ dpa

Heute vor zehn Jahren haben die Bayern 1:2 im Champions-League-Finale gegen Manchester verloren. In der 89. Minute wurde Salihamidzic eingewechselt, beim Stand von 1:0. Der Bosnier im Gespräch mit Michael Wittershagen über die schlimmste Nachspielzeit seiner Karriere.

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          Am 26. Mai 1999 verlor Bayern München das Endspiel in der Champions League gegen Manchester United mit 1:2, durch Tore von Teddy Sheringham und Ole Gunnar Solskjaer in der 91. und 93. Minute - jeweils nach Eckstoß von David Beckham. In der 89. Minute wurde Hasan Salihamidzic eingewechselt, beim Stand von 1:0. Der Bosnier im Gespräch über die schlimmste Nachspielzeit seiner Karriere.

          Zehn Jahre sind vergangen, seit Sie das Endspiel mit Bayern München in der Champions League 1:2 gegen Manchester United verloren haben. Sie wurden in der 89. Minute eingewechselt, beim Stand von 1:0 - hätten Sie lieber auf der Bank bleiben sollen an diesem 26. Mai 1999?

          Das ist eine gute Frage. Aber ich habe nicht so viel Falsches angerichtet auf dem Platz. Mario Basler wollte vom Feld, er hatte unser Tor gemacht. Er ließ sich feiern, ich bekam vielleicht noch zwei oder drei Ballkontakte, wir aber noch zwei Gegentore. Das war ein Schock für alle, wir hatten doch nur noch darauf gewartet, dass der Schiedsrichter abpfeift.

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          Hat er aber nicht.

          Ja, und seitdem weiß ich, dass die Gefahr der Niederlage bis zum Schluss da ist. Nach dem Spiel saßen wir in der Kabine, wie in Trance war das. Keiner wusste, was passiert war. Nicht einmal die Spieler von Manchester. Die hatten sich ja schon mit einer Niederlage abgefunden und hätten sich nicht beschweren können, wenn sie 3:0 zurückgelegen hätten. Das ist uns nicht oft passiert, dass wir uns später gefragt haben: Wie konnten wir denn das noch verlieren?

          Im Hotel soll sich Oliver Kahn schnell auf das Zimmer zurückgezogen haben, um die Niederlage zu verarbeiten. Und Sie?

          Ich konnte nicht allein sein, ich konnte aber auch nicht weinen in diesen Momenten. 500 oder 600 Leute waren da - Sponsoren und Gäste -, wir haben eine wahnsinnige Party gefeiert. Wir wollten einfach nur vergessen, was da passiert war. Morgens um fünf habe ich dann auf einer Box getanzt, auf einer anderen standen Alexander Zickler und Markus Babbel, Mario Basler hat auf dem Tisch getanzt - es ist viel Alkohol geflossen in dieser Nacht.

          Und es soll auch etwas entstanden sein in der Mannschaft.

          Auf jeden Fall. Wahrscheinlich hätten wir ohne diese Niederlage zwei Jahre später die Champions League nicht gewonnen. Wir wollten diesen Titel unbedingt, die Fähnchen des FC Bayern München hingen ja schon 1999 am Pokal. Dieses Bild hat sich in den Kopf gebohrt, jeder hat sich gesagt: Das Ding holen wir uns. Egal, wie, egal, wann!

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