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Im Gespräch: Dietrich Weise : „Es war der Traum, gegen Deutschland zu spielen“

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1996 spielte Weise mit Liechtenstein in Mannheim gegen Deutschland. Vorher erklärt er seinem Torhüter Martin Heeb noch, wie die Gegentreffer beim späteren 1:9 verhidnern soll Bild: picture-alliance / dpa

Erster richtiger Nationaltrainer Liechtensteins war der Deutsche Dietrich Weise. Vor dem ersten Auftritt der deutschen Nationalelf im Fürstentum spricht Weise im FAZ.NET-Gespräch über den Verlust an Fußballromantik und seinen größten Erfolg mit Liechtenstein.

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          Erster richtiger Nationaltrainer war Dietrich Weise, der das Team 17 Mal betreute und 1994 ins erste Qualifikationsspiel der Liechtensteiner Fußballgeschichte geführt hat. Der heute 73 Jahre alte Fußballlehrer war in den 70ern und 80ern ein renommierter Bundesligatrainer bei Eintracht Frankfurt, dem 1. FC Kaiserslautern und bei Fortuna Düsseldorf.

          Seine größten Erfolge feierte er bei der Frankfurter Eintracht, mit der er in den 70ernzwei Mal den DFB-Pokal gewann. Später war Weise als DFB-Juniorentrainer erfolgreich und holte als bislang einziger Nachwuchscoach im Verband eine Welt- und einer Europameisterschaft. Seine Tätigkeit im Nachwuchsbereich brachte ihm sogar die Ehre eines eigens nach ihm benannten und bei Jungkickern höchst beliebten Hartplatzschuhs ein. Deshalb ist Weises Name Legende - auch wenn er selbst in den noch nicht gänzlich kommerziellen Zeiten des Fußballs kaum etwas an dem Schuhe verdiente. In Ägypten arbeitete Weise später sowohl als Vereinstrainer, als auch als Betreuer der Nationalmannschaft.

          Vor dem ersten Auftritt der deutschen Nationalmannschaft in Liechtenstein spricht Weise im FAZ.NET-Gespräch über „seine“ noch immer aktiven Nationalspieler, einen Stadionbau, seinen torlosen größten Erfolg mit Liechtenstein und den Verlust an Fußballromantik.

          Dietrich Weise beim Diensantritt in Liechtenstein 1993

          Herr Weise, Sie trainierten von 1993 bis 1996 als erster hauptamtlicher Nationaltrainer die Nationalmannschaft Liechtensteins. Wie kamen Sie als renommierter Trainer zu dem Job in der Fußball-Diaspora?

          Der Günter Netzer hat mich da ins Gespräch gebracht. Der war schon mit seiner Agentur in der Schweiz tätig und gab den Liechtensteinern den Tipp, dass der alte Weise nicht mehr wirklich Bock hat auf Bundesliga-Stress oder Tätigkeiten im Ausland. Die haben mich dann eingeladen, ich habe mir das angeschaut und fand die Menschen im Verband erstaunlich nett. Dann habe ich das gemacht.

          Wo stand der Liechtensteiner Fußball damals?

          In Liechtenstein hat sich kaum einer der mit 25.000 Menschen eh schon wenigen Einwohner für Fußball interessiert. Skifahren war alles, deshalb haben auch die großen Banken kein Geld für Fußball gegeben. Da aber selbst noch kleinere Länder wie die Faröer oder San Marino oder Andorra eine richtige Nationalmannschaft zu den Qualifikationsspielen angemeldet hatten, wollten die Liechtensteiner sich nun doch auch dort präsentieren. Ich sollte das Team darauf vorbereiten.

          Mit welcher Zielsetzung sind Sie ans Werk gegangen?

          Es war von Anfang an unser Traum, dass wir mal gegen Deutschland spielen können.

          Inwiefern war das ein Ziel?

          Weil wir damals gar nicht in der Lage gewesen wären, Deutschland in Liechtenstein zu empfangen. Es gab gar kein geeignetes Stadion. Als ich 1993 anfing, gab es dort, wo heute das Stadion in Vaduz steht, nur einen Dorfsportplatz für 300 Zuschauer. Deshalb ist es ein Riesenerfolg, dass Liechtenstein am Samstag ein so großes Stadion bieten kann, dass das Spiel überhaupt möglich ist. Für dieses wunderbare Stadion haben wir fünf Jahre gekämpft.

          Mussten Sie als international bekannter Trainer für den Verband an die Front im Kampf ums Stadion?

          Ja. Ich habe dieser Tage mal wieder den Schriftwechsel mit dem Fürsten und der Regierung aus meinem Archiv gekramt. Entzückende Briefe sind das! Das war alles sehr wichtig für den Liechtensteiner Fußball. Nur deshalb ist es jetzt auch für den FC Vaduz möglich, in der ersten Schweizer Liga mitzuspielen.

          Wenn der Stadionbau der größte Erfolg Ihrer Tätigkeit war, was war denn das schönste sportliche Erlebnis. Auf dem Rasen gab es in Ihren 17 Spielen keinen Sieg ...

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