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Im Gespräch: BVB-Fan Quambusch : „Fußball ist mehr als elf Mann, die einem Ball hinterherrennen“

  • Aktualisiert am

Ur-Borusse: Franz Jakobis Grab wird nach Hause gebracht Bild: privat

Das Grab des ersten prägenden Präsidenten von Borussia Dortmund wird am Samstag von Salzgitter nach Dortmund überführt. Initiator Marc Quambusch erklärt im FAZ.NET-Interview den Sinn einer solchen Grabverlegung.

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          Dank Ihrer Initiative wird am Samstag das Grab von Franz Jacobi, dem ersten Präsidenten von Borussia Dortmund von Salzgitter nach Dortmund verlegt. Rechtfertigt der Fußball jede Verrücktheit?

          Es geht nicht um eine Verrücktheit und schon gar keine Pietätlosigkeit. Wir finden es wichtig, dass man sich Leuten erinnert, die historische Taten vollbracht haben. Das hat Franz Jacobi mit seinem  Wirken für Borussia Dortmund getan. Indem wir das Grab nun erhalten, sollen Leute auch merken, dass Fußball mehr ist als elf Mann, die einem Ball hinterherrennen.

          Aber muss das mit einer Grabverlegung vonstatten gehen?

          Franz Jacobis Grab war schon aufgelöst und zerstört, das heißt, es gab keinen Grabstein mehr über 30 Jahre nach seinem Tod. Wir sind nur zufälligerweise bei Recherchen für das Projekt „Am Borsigplatz geboren - Leben und Wirken von Franz Jacobi“  darauf gestoßen, dass sein Grab selbst aber noch intakt war und nicht wieder neu belegt. Die Alternative wäre gewesen, dass das Grab für immer weg wäre. Die Familie hat uns versichert, dass es der Wunsch von Franz Jacobi gewesen wäre, in Dortmund begraben zu sein. Er war Ur-Dortmunder und war nur nach Salzgitter in die Nähe seines Sohns umgezogen, als seine Frau gesundheitliche Probleme hatte. So sind beide eben hier gestorben, Franz Jacobi im Jahr 1979, seine Frau vier Jahre zuvor.

          Wann war Jacobi Präsident von Borussia Dortmund?

          Er übernahm den Verein unmittelbar nach der Gründungsversammlung, die am 19. Dezember 1909 stattfand. Einige Monate war dann zwar noch Heinrich Unger Vorsitzender, aber er übergab das Amt direkt an Jacobi. Der war von 1910 bis 1923 Präsident und hat grundlegende Weichen gestellt. Er hat beispielsweise vorangetrieben, dass der Broussia-Sportplatz „Auf der Weißen Wiese“ gebaut wurde.Außerdem hat er dafür gesorgt, dass der Verein nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zwangsfusioniert wurde. Dieses und mehr ist bislang noch viel zu wenig gewürdigt und recherchiert worden. Wir sehen jetzt die letzte Gelegenheit, noch mit Zeitzeugen zu sprechen, die Jacobi vor seinem Tod gekannt haben.

          Heute abend steht der Supercup gegen Bayern München an, bald wieder jeden Samstag Bundesligaspiele. Glauben Sie wirklich, dass solche Gedenkarbeit wichtig ist?

          Ja. Auch wenn das natürlich im Alltag nicht jeden Tag gegenwärtig ist, so ist die Geschichte immer das Fundament und auch Kapital eines Vereins und nicht das Ergebnis eines Spiels. Das anerkennt auch die Vereinsführung der Borussia, die uns bei dem Projekt voll und ganz unterstützt, weil sie die Bedeutung der Geschichte für einen Traditionsverein kennen. Dann muss man diese Geschichte eben auch pflegen. Der Klub übernimmt nicht nur die Kosten der Überführung, Herr Rauball hat es auch als Selbstverständlichkeit angesehen, neben der Familie an der Gedenkfeier in der Dreifaltigkeitskirche und der Überführung auf dem Friedhof teilzunehmen. Die Dreifaltigkeitskirche hat dabei übrigens auch eine große Bedeutung für den BVB.

          Inwiefern?

          Die ersten Fußballer fanden in der Jünglingssodalität  der Kirche zusammen. Der Kaplan war aber gegen die „Fußlümmelei“ wie er das noch abschätzig nannte. Der Kaplan setzte dann immer Gottesdienste zu Zeiten der Spiele an. Die Gründung der Borussia war dann auch Protest gegen den Kaplan.

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