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Im Gespräch: Birgit Prinz : „Ich wollte nie die Welt retten“

  • Aktualisiert am

Lichtgestalt: Birgit Prinz am Tag vor ihrem Abschiedsspiel, dunkel gekleidet, aber hell beleuchtet. Bild: dpa

An diesem Dienstag (18 Uhr) bestreitet Birgit Prinz ihr Abschiedsspiel. Im Interview spricht die erfolreichste Fußballspielerin in der Geschichte des Sports über ihre Karriere, Medien und ihre Zukunft.

          7 Min.

          Birgit Prinz hat 214 mal für die deutsche Nationalmannschaft gespielt. Sie war zweimal Weltmeisterin und hat zu fünf Europameistertiteln beigetragen. Mit ihren Klubs FSV Frankfurt und FFC Frankfurt hat sie insgesamt neun deutsche Meistertitel und elf DFB-Pokalsiege errungen. In den Vereinigten Staaten wurde sie zudem 2002 mit Carolina Courage Meisterin. Damit ist die dreimalige Weltfußballerin die erfolgreichste Fußballspielerin der noch jungen Geschichte ihres Sports. An diesem Dienstag (18 Uhr/ live in Eurosport) bestreitet sie in einer Partie zwischen dem Nationalteam und ihrem Klub FFC Frankfurt ihre Abschiedsspiel.

          In der F.A.Z. erschienen in den 18 Jahren seit Ihrem Bundesligadebüt 1500 Artikel, in denen der Name Birgit Prinz erwähnt wird. Charly Körbel kam in seinen zwei Jahrzehnten bei der Eintracht auf die Hälfte, Torhüter Oka Nikolov bei einer ähnlichen Zeit etwa auf diese Zahl. Spricht das dafür, dass Sie wenigstens in Frankfurt die Gleichberechtigung zwischen Männer- und Frauenfußball erreicht haben?

          Keine Ahnung. Darüber habe ich mir nie Gedanken gemacht. Es war aber nie mein persönliches Ziel, die Gleichberechtigung im Fußball anzustreben. Aber es ist eine relativ hohe Zahl.

          Überrascht Sie das?

          Da müsste man mal hochrechnen, wie viele das pro Jahr sind.

          Etwas mehr als 75 Texte.

          Das ist schon nicht schlecht.

          Andere Zahlen: Könnten Sie alle Titel und Ehrungen aufzählen?

          Nein.

          Wissen Sie, wie oft Sie deutsche Meisterin wurden?

          Nein, da habe ich mich nie drauf konzentriert. Wirklich keine Ahnung.

          Die erfolgreichste Spielerin der Frauenfußball-Geschichte: Birgit Prinz nimmt 2007 in Schanghai als Spielführerin den WM-Pokal entgegen
          Die erfolgreichste Spielerin der Frauenfußball-Geschichte: Birgit Prinz nimmt 2007 in Schanghai als Spielführerin den WM-Pokal entgegen : Bild: dpa

          Sie haben vor mehr als einem halben Jahr ihre Karriere beendet und kürzlich zwei Monate Urlaub in Neuseeland gemacht. Haben Sie da noch mal Ihr Fußballleben Revue passieren lassen?

          Gerade in Neuseeland war Fußball nicht so mein Thema. Sicher blickt man immer mal wieder zurück, auch wegen der Frage, ob ich nicht doch noch mal als Spielerin zum FFC zurückkehren soll. Aber wirklich zurückgeblickt habe ich nicht. Das Leben geht irgendwie weiter.

          Haben Sie am Karriereende das Gefühl, dass der Frauenfußball wirklich respektiert ist?

          Ich habe nie gedacht, dass ich die Welt retten muss für den Frauenfußball und dass ich alle zu gläubigen Anhängern des Frauenfußballs machen muss. Wenn jemand lieber Männerfußball schaut, ist mir das recht. Das ist doch mit jeder Sportart so. Manche mögen eine Sportart, andere nicht, und das ist völlig okay so. Auf jeden Fall wird Frauenfußball heute aber eigenständig betrachtet und nicht mehr im ständigen Vergleich zum Männerfußball, und das ist sehr gut.

          Sie galten als Synonym für den deutschen Frauenfußball. War das eher Lust als Last?

          Ich habe mich in der meisten Zeit gar nicht so alleine im Fokus gesehen. Es gab immer andere Spielerinnen, auf die auch geschaut wurde. In der Anfangszeit Doris Fitschen oder Steffi Jones, später Maren Meinert und Bettina Wiegmann. Wenn ich zurückschaue, wird mir viel mehr bewusst, wie viel sich auf mich fokussiert hatte. Aber ich fühlte mich nie allein gelassen.

          „Ich habe mich in der meisten Zeit gar nicht so alleine im Fokus gesehen“
          „Ich habe mich in der meisten Zeit gar nicht so alleine im Fokus gesehen“ : Bild: dpa

          In jungen Jahren sagten Sie mal, dass Sie „kein Happy Hippo“ seien, „der auf Knopfdruck redet“. Wie haben Sie es im Spannungsfeld zwischen Ihrem Sport und den Ihnen unliebsamen Begleiterscheinungen wie den Medien ausgehalten?

          Beide Seiten haben Ihren Anteil an meinem Sportlerleben gehabt. Ich konnte ja nicht sagen, ich bin nur die Fußballerin Birgit Prinz. Das hätte ja keiner akzeptiert. Ich habe mich dann mit der Rolle auseinandergesetzt und auch mit dem, was ich für mich möchte. Damit hat mich das natürlich geprägt. Aber klar ist auch: Journalisten schreiben eine Geschichte, und die ist nur ein Abziehbild der Realität - und auch nur ein bedingt genaues.

          Sind Ihnen Medien im Zeitdruck der Aktualität zu wenig exakt?

          Es geht nicht um Exaktheit, diesen Anspruch habe ich gar nicht. Aber es gab halt immer ein Image, und das haben sich die Leute immer wieder selbst bestätigt und wollten es auch bestätigt haben.

          Hat Sie das verletzt?

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