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Nationalspieler Ilkay Gündogan : „Vorbildfunktion – das erwartet man natürlich auch von Funktionären“

Ilkay Gündogan: „In Dortmund versuche ich, eine immer wichtigere Rolle einzunehmen, das überträgt sich auf die Nationalmannschaft“ Bild: Reuters

Ilkay Gündogan ist wieder als Stratege gefragt - auch im Nationalteam. Vor dem Länderspiel in Frankreich spricht er im Interview über den neuen BVB, das Gedränge im deutschen Mittelfeld und Dinge, die wichtiger sind als Fußball.

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          Der DFB steckt in der vielleicht größten Krise seiner Geschichte - was kommt von dieser Welle bei der Nationalmannschaft an?

          Natürlich kriegt man mit, was passiert. Aber für uns als Mannschaft spielt das in diesen Tagen keine Rolle. Wir wollen jetzt zwei gute Länderspiele gegen zwei hochkarätige Gegner abliefern. Wir wollen die Sachen gut erledigen, die wir zu tun haben, um unseren Job zu erfüllen. Über solche Dinge Statements abzugeben ist auch nicht die Aufgabe von uns Spielern, dafür sind andere zuständig.

          Sind Sie nicht neugierig und lesen alles, was Sie in die Hände bekommen können?

          Nein. Es ist nicht so, dass ich jeden Tag etwas Neues darüber lesen muss. Ich konnte das relativ gut von mir fernhalten.

          Von Ihnen als Spieler wird verlangt, Werte vorzuleben, immer Vorbild zu sein - kommt man sich da nicht ein bisschen blöd vor, wenn man dann mitkriegt, dass überall krumme Dinger gedreht werden?

          Wir müssen erst mal abwarten, was bewiesen wird. Aber unbestritten sind das bewegte Tage für den DFB. Wir Spieler haben eine sehr große Verantwortung gegenüber den Fans, gerade für Kinder und Jugendliche, die uns als Vorbilder nehmen und zu uns aufschauen. Deswegen ist es für uns immer enorm wichtig, dass wir uns dementsprechend präsentieren. Und das erwartet man natürlich auch von Funktionären in Führungsrollen.

          Sportlich aber kommen Sie gerade aus einer perfekten Welt zur Nationalmannschaft, oder?

          Perfekt nicht - perfekt wäre es, Erster in der Bundesliga zu sein, aber das ist momentan aus bekannten Gründen schwierig. Dennoch läuft alles wirklich sehr gut, sogar besser, als wir uns das vor der Saison vorgestellt haben. Wir spielen mittlerweile einen richtig gefestigten Fußball, mit einem klaren Plan und einer klaren Spielidee. Das ist das Schöne an dieser Saison: dass wir immer wissen, was wir zu tun haben. Das kann man letztlich auch in der Tabelle sehen.

          Am Sonntag beim Sieg gegen Schalke hatte man das Gefühl, dass noch einmal etwas Besonderes passiert ist, auch für die Selbstwahrnehmung des BVB - und das nicht nur, weil es das Derby war. Stimmt das?

          Wir hatten uns vorgenommen, ein bisschen cooler zu sein als in den Wochen davor. Wir wussten, was wir können, dass wir enorm viel Qualität haben, und wir wussten, dass, wenn wir das spielen, was wir können, dieses Spiel auch gewinnen werden. Insgesamt sind wir mittlerweile in der Lage, Spiele relativ cool runterzuspielen und uns die Punkte zu sichern. Unabhängig davon wird der BVB immer von diesen Emotionen und dieser Leidenschaft leben, die man bei jedem Heimspiel im Stadion spürt.

          Über sein Verhältnis zu Trainer Tuchel: „Wichtig ist vor allem, dass es ein offener Dialog mit dem Trainer ist“

          Können Sie dann zumindest ein bisschen Hoffnung machen, dass es doch noch Spannung an der Spitze gibt?

          Dazu gehören immer zwei. Zum einen müssen wir weiter so gut spielen, zum anderen müssten die Bayern irgendwann schwächeln. Danach sieht es im Moment nicht aus. Aber ganz ehrlich: Wichtig ist aber vor allem, dass es ein offener Dialog mit dem Trainer ist. Wir haben jetzt acht Punkte Vorsprung auf den Dritten - das ist schon eine Hausnummer und für uns das alles Entscheidende.

          Sie haben jetzt 18 Punkte mehr als zum selben Zeitpunkt in der vergangenen Saison. Die Mannschaft hat sich kaum verändert, da landet man bei der Suche nach Gründen natürlich schnell beim Trainer ...

          Es gab auf jeden Fall eine Veränderung. Alle konnten oder mussten wieder komplett bei null anfangen. Manchmal ist es bei einem Trainerwechsel dann so, dass auch die Mannschaft wie ausgewechselt wirkt, manchmal geht es einfach so weiter. In unserem Fall ist die Entwicklung sehr positiv, und das ist keine Kritik an Jürgen Klopp, der hier phantastische Arbeit geleistet hat. Thomas Tuchel hat es geschafft, uns aus dem Tief der letzten Saison rauszuholen.

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