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Ilkay Gündogan im Gespräch : Die Türken sagen: „Wir sind stolz auf dich“

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„Türkischer und deutscher Fußball - das ist eine tolle Kombination“: Ilkay Gündogan hat sie bis in die deutsche Nationalmannschaft geführt. Bild: dpa

Der gebürtige Gelsenkirchener galt in Dortmund schon als Fehleinkauf. Mittlerweile gibt er bei der Borussia den Takt an und wird auch im Nationalteam hoch gehandelt. Ilkay Gündogan über Integration durch Fußball.

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          Sie sind in Gelsenkirchen geboren, haben aber nur als Achtjähriger für ein Jahr für Schalke gespielt. Was ist schiefgelaufen mit Königsblau?

          Der Trainer meines Dorfklubs Gelsenkirchen-Hessler 06 wechselte zu Schalke und nahm mich mit. Ich hatte zuerst auch eine tolle Zeit. Das änderte sich, als ich Schmerzen in der Achillessehne bekam, was mit meinem Wachstum zu tun hatte. Ich bekam ein halbjähriges Sportverbot. Kein Wunder, dass ich zum Saisonende aussortiert wurde. Obwohl nur zwei von 16 Spielern bleiben durften, war es für mich eine Riesenenttäuschung, ein richtiger Niederschlag. Ich hatte mich doch so wohl gefühlt und meine Freunde bewunderten mich dafür, dass ich bei Schalke spielte. Das war alles vorbei. So bin ich zu meinem Heimatverein zurückgekehrt.

          Das war es dann mit Schalke?

          Wir blieben in Kontakt. Und nach drei oder vier Jahren war das Interesse der Schalker wieder da. Aber ich lehnte das Angebot ab, weil ich Angst davor hatte, wieder so enttäuscht zu werden

          Für einen Teenager eine ungewöhnliche Einstellung.

          Das war halt die schlechte Erfahrung, und ich wollte auch bei meinen Freunden bleiben.

          Wer waren Ihre Vorbilder als Kind?

          Ich hatte keine deutschen Vorbilder. Ich verfolgte mehr den türkischen Fußball und war auch riesiger Fan eines Klubs, dessen Namen ich jetzt nicht nennen will.

          Wieso nicht?

          Weil das eine Sache ist, die ich für mich behalten will. Und es ist ja auch so, dass ich heute fast jeden türkischen Verein mit der gleichen Sympathie verfolge, gerade im Europapokal. Aber es ist ja normal, dass ich in meiner Kindheit von meiner Familie geprägt wurde und zu den Klubs hielt, die meine Angehörigen mochten.

          In der Champions League traf Schalke auf Galatasaray. Hat es Sie mehr gefreut, dass Galatasaray weiterkam, oder mehr geärgert, dass Schalke ausschied?

          Am liebsten wäre es mir gewesen, wenn es gar nicht zu dieser Begegnung gekommen wäre. Ich hätte mir gewünscht, dass alle deutschen und alle türkischen Mannschaften eine Runde weitergekommen wären. Das aber war angesichts der Konstellation nicht möglich.

          War Ihr türkischer Hintergrund ein Thema bei den deutschen Mannschaftskameraden und in der Schule? Erfuhren Sie Fremdenfeindlichkeit?

          Ich bin meinen Eltern dankbar dafür, dass Sie den Mut hatten, sich von Anfang an in die deutsche Gesellschaft integrieren zu wollen. Obwohl sie die Sprache zunächst nicht beherrschten. Es gibt ja viele türkische Familien, die in ihrem Viertel zusammenwohnen. Da haben es die Heranwachsenden schwer, sich komplett auf die deutsche Gesellschaft einzulassen. Meine Eltern haben es immer bevorzugt, in einer Gegend zu wohnen, in der der deutsche Anteil überwog. So war ich früh gezwungen, mit meinen Spielkameraden Deutsch zu sprechen. Durch mein gutes Deutsch und meine Leidenschaft für den Fußball habe ich immer Anerkennung gespürt. Das hat sich komischerweise auf das normale Leben übertragen. Ich wurde ohne Vorurteile angenommen, dass ich Türke war, spielte keine Rolle.

          War es umgekehrt ein Problem? Kam von türkischer Seite der Vorwurf, die Familie Gündogan nabelte sich zu sehr ab?

          Nein, meine Eltern bekamen eher Anerkennung für den Mut, den Sie hatten. Kritik bekamen wir nur, als es darum ging, für welche Nationalmannschaft ich spiele. Obwohl ich von Anfang an sagte, dies sei keine Entscheidung gegen die Türkei, sondern eine für Deutschland.

          Haben Sie Druck gespürt, hat der türkische Verband um Sie gekämpft?

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