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Iker Casillas im Fokus : Der Fußball-Heilige und ein ganz besonderes Ziel

  • -Aktualisiert am

Bereit für große Aufgaben: Iker Casillas, hier 2019 Bild: AFP

Iker Casillas wird in Spanien bedingungslos verehrt. Ein Herzinfarkt hat aber jeden Gedanken an eine sportliche Zukunft zunichte gemacht. Deshalb hat der Weltmeister nun andere Zukunftspläne.

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          Es gibt Fußballspiele, da werden die Protagonisten zu Helden. Manchmal sogar zu Heiligen. Zumindest die ganz besonderen unter ihnen. Die öffentliche Heiligsprechung von Spaniens Torwart Iker Casillas nahm Sportreporter José Javier Santos vor: „Ich kann es nicht glauben. Robben gegen Casillas, Robben gegen Casillas...., Casillaaaaas der Heilige, Casillas führt uns zum Licht, Casillas hält seinen Laden dicht. Casillas annulliert Robben. Er ist der Kapitän. Er ist San Iker!“

          Es war am 11. Juli 2010 im Endspiel der Fußball-Weltmeisterschaft in Südafrika. Robben hatte Casillas eigentlich schon verladen, doch der damals 28-jährige Torhüter von Real Madrid hob noch im Fallen das rechte Bein und klärte den Schuss zum Eckball. In der Verlängerung machte Andrés Iniesta die Spanier dann mit dem Tor zum 1:0 gegen Holland zum Weltmeister. Casillas sah den Jubel von seinem Tor aus und weinte in seine Handschuhe. Am Ende küsste er die spanische TV-Reporterin Sara Carbonero, seine Freundin, während sie ihn interviewte. Inzwischen haben sie zwei gemeinsame Söhne.

          Der WM-Titel von 2010 ist zweifellos der Höhepunkt der Karriere von Iker Casillas Fernández. „Als Kind träumst Du von so etwas“, sagte er später im spanischen Fernsehen“, „Du siehst Brasilien, Frankreich, die, die immer die Titel holen.“ Und Spanien schied immer im Viertelfinale aus. Die Generation von Iker Casillas machte damit Schluss. 1997 wurde er U 16-Europameister, zwei Jahre später U 20-Weltmeister. 17 Jahre war er da alt, rückte in der nächsten Saison in den Profikader von Real Madrid, wo gerade Bodo Illgner die Nummer 1 war. Dennoch wurde Casillas letztlich zum jüngsten Keeper in einem Finale der Champions League. 3:0 gewann Real Madrid dort gegen Valencia.

          Langjährige spanische Nummer eins: Iker Casillas, hier 2013

          Es folgten viele Vereinstitel mit Real Madrid, insgesamt gewann Casillas dreimal die Champions League, wurde fünfmal spanischer Meister, zweimal Pokalsieger und zum Ende der Karriere auch noch mit dem FC Porto portugiesischer Meister. Bei der EM 2008 in Österreich und der Schweiz gewannen Casillas und seine Kollegen zudem im Endspiel 1:0 gegen Deutschland, es folgte der WM-Titel und noch einmal der EM-Titel. Casillas wurde in diesen Jahren fünfmal in Serie Welttorhüter.

          Dann folgten bittere Jahre. José Mourinho kam nach Madrid und mit ihm das Gift in den Verein, in die spanische Liga, sogar in die Nationalelf. Der Portugiese machte aus der Rivalität mit Barça einen Krieg, stachelte Hass zwischen Spielern beider Vereine an, die Nationalelf drohte zu zerfallen. Casillas und Barças Xavi wollten die Entwicklung stoppen. Mourinho verstand das als Verrat, auch Klubchef Florentino Pérez schien Casillas nun für einen illoyalen Angestellten zu halten. Das alles kratzte am Selbstvertrauen, der einst so sichere Rückhalt wurde immer nervöser. Sofern er überhaupt noch spielte. 2015 verließ er Real Madrid in Richtung Porto. Viele Fans meinen noch heute, der Verein habe ihn vom Hof gejagt. Casillas dagegen zeigt sich versöhnlich. „Ich hatte den Abschied, den ich haben wollte. Ich kann nicht schlecht vom Verein reden“, sagt er.

          Im Mai des vergangenen Jahres erlitt Casillas im Training einen Herzinfarkt. Zwar hat er sich seither erholt, aber an Profisport ist nicht mehr zu denken. Nun möchte er Vorsitzender des spanischen Fußballverbands werden. Amtsinhaber Luis Rubiales hat in seiner nur zweijährigen Amtszeit viele Fehler gemacht. Der schwerste war, Nationaltrainer Julen Lopetegui zwei Tage vor dem Start der WM in Russland zu entlassen. Casillas hat deshalb tatsächlich Chancen, den Verband demnächst anzuführen – auch wenn dies angesichts einflussreicher Regionalverbände keine leichte Aufgabe darstellt. Wer, wenn nicht ein Heiliger, sollte dieser gewachsen sein.

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