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Ibrahimovic hadert : „Ich hätte gerne wie Gott gejubelt“

  • -Aktualisiert am

Ohne Tor zum Auftakt: Zlatan Ibrahimovic beim Spiel gegen Genua Bild: EPA

Zlatan Ibrahimovic soll dem AC Mailand wieder auf die Beine helfen – doch bei seiner Premiere in der italienischen Liga läuft längst nicht alles nach Plan. Die Probleme des Klubs reichen tiefer.

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          Die Tifosi des AC Mailand erleben derzeit so etwas wie eine Eiszeit im Verhältnis zu ihrem Verein. Der legendäre Klub krebst im unteren Mittelfeld der Serie A herum. Das Management bemüht sich um aufstrebende Spieler, die sich aber leicht verunsichern und nicht zu einem außerordentlichen Team formen lassen. Was nottut, so dachten sich die Verantwortlichen, sei eine Art Erlöser, das Selbstbewusstsein in Person. Auch wenn es schon 38 Jahre alt ist. Am Dreikönigstag lief diese Figur dann unter dem begeisterten Applaus der 58 000 Zuschauer tatsächlich im Giuseppe-Meazza-Stadion auf: Zlatan Ibrahimovic. Beim Spiel gegen den Abstiegskandidaten Sampdoria Genua wechselte Trainer Stefano Pioli ihn in der 55. Minute ein.

          Sein letztes Spiel hatte der Stürmer Ende Oktober für LA Galaxy in den Vereinigten Staaten bestritten. In der Winterpause kehrte er nun zurück zu seinem früheren Verein und in die Stadt, in der sich offenbar stets besonders wohlgefühlt hat. Nach Malmö ist Mailand der Ort, in dem sich der ehemalige schwedische Nationalspieler in seiner Karriere am längsten aufgehalten hat.

          Von 2006 bis 2009 trug er das Trikot von Inter Mailand. Nach einem kurzen Zwischenspiel beim FC Barcelona kam der Stürmer 2010 zum AC Mailand. „Ibra“, wie er von den Tifosi genannt wird, führte den Klub damals zu seiner ersten Meisterschaft seit sieben Jahren und erzielte in 85 Spielen 56 Tore. Wenn schon keine Titel, dann erwarten sich die Fans vom Rückkehrer nun eine ansteckende Dosis Selbstsicherheit. Verbal war Ibrahimovic nach dem enttäuschenden 0:0 gegen Genua schon auf der Höhe. „Ich bin mir sicher, dass wir wieder nach oben kommen. Ich hätte gerne ein Tor unter der Kurve gefeiert und wie Gott gejubelt.“

          Zur von Ibrahimovic bevorzugten Jubel-Geste mit ausgebreiteten Armen kam es zunächst nicht. Zweimal setzte der Stürmer zum Kopfball an, allerdings ohne Erfolg. „Ibras Einstand war absolut positiv“, sagte Trainer Pioli. Die Mannschaft sei noch nicht an ihn gewöhnt. Man könnte auch sagen: Das Selbstbewusstsein ist da, der AC Mailand hat es nur noch nicht verinnerlicht. Ibrahimovic kokettiert seit Langem mit der eigenen Allmächtigkeit. Als jemand, der überall aneckte, machte er das Anecken zum Markenzeichen. Wunderbare Tricks und Tore galten den Fans in Italien, aber auch bei Paris Saint-Germain als Nachweis seiner Ausnahmestellung. Selbst wenn die persönlichen Erfolge ausblieben, wie in den Jahren 2016 bis 2018 bei Manchester United, gibt sich der Schwede als unbesiegbares Wesen.

          Die Frage ist nun, wie der notorisch Unruhige mit der notorischen Unruhe im Verein zurecht kommt. Das Spielerkarussell dreht sich rasch, die ehemaligen Bundesligastars Hasan Calhanoglu und Ante Rebic konnten sich bislang nicht durchsetzen. Von neun Heimspielen gewann Milan in dieser Spielzeit bislang nur zwei, in den vergangenen drei Partien erzielte die Mannschaft kein einziges Tor. Die Unsicherheit des Teams war auch in der Begegnung gegen Genua spürbar.

          Seit Ibrahimovics Abschied im Sommer 2012 beschäftigte der AC Mailand acht Trainer, im Durchschnitt kam jede Saison ein neuer Coach. Ähnlich unstet geht es bei den Eigentümern zu. Silvio Berlusconi verkaufte den Verein 2017 an den chinesischen Unternehmer Li Yonghong. 2018 übernahm der New Yorker Hedgefonds Eliott Management Corporation. Inzwischen machen Gerüchte die Runde, der französische Mode-Unternehmer Bernard Arnault sei am Erwerb des Fußballklubs interessiert.

          Auch im Management ging es drunter und drüber: Nun haben Milan-Legende Paolo Maldini und der ehemalige Spieler Zvonimir Boban als Sportdirektoren das Sagen. Der fünfte Tabellenplatz im vergangenen Jahr ist unter diesen Umständen schon als Erfolg zu werten. Seit dem 0:0 gegen Sampdoria ist Milan sogar auf den 12. Tabellenplatz abgerutscht. „Wir denken nicht, dass Ibra der Retter des Vaterlands ist, der alle Probleme lösen wird“, hatte Trainer Pioli gesagt. Das hatte sich beim enttäuschenden 0:0 gegen Sampdoria Genua gezeigt. „Ibra ist da“, titelte der Corriere della Sera am Dienstag. „Was fehlt, ist Milan.“

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