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VfB Stuttgart : Stevens kommt, Schneider bleibt

  • -Aktualisiert am

Tore versetzen in Stuttgart: Stevens soll den VfB retten Bild: dpa

Der zweite Trainerwechsel in dieser Saison bringt die Rückkehr zur alten Schule: Der „Knurrer aus Kerkrade“ Huub Stevens soll den VfB Stuttgart retten. Thomas Schneider wird wohl wieder Jugendtrainer.

          Der Cheftrainer Thomas Schneider – es war am Ende doch nur eine Episode, geknüpft an die Hoffnung, noch einmal, wie zu Beginn des 21. Jahrhunderts, einen Stuttgarter Erfolgsweg mit den größten Talenten des Klubs gehen zu können. Die Neuauflage des Modells „Junge Wilde“ aber mit dem früheren Jugendtrainer Schneider an der Spitze blieb ein Wunsch. Nach siebeneinhalb Monaten scheiterte, was als Romanze begann, im Zeichen des Albtraums. Schneider und sein von Sportvorstand Fredi Bobic speziell in der Defensive suboptimal zusammengestelltes Team steuern nach acht Niederlagen in Serie und einem 2:2 gegen den Tabellenletzten Braunschweig geradewegs dem Abstieg entgegen.

          Roland Zorn

          Sportredakteur.

          Höchste Zeit also, zu reagieren und nach dem am 26. August 2013 entlassenen Bruno Labbadia den zweiten Trainer binnen einer Spielzeit mit freundlichen Worten zu verabschieden und vorerst bis zum Saisonende durch den sturmerprobten niederländischen Bundesliga-Kämpen Huub Stevens zu ersetzen.

          Am Sonntag war es nach einer Nacht der Diskussionen und Beratungen so weit: Der im Verein sportlich aufgewachsene frühere Bundesliga-Verteidiger Schneider musste gehen und darf dennoch bleiben. Der für Erstligaaufgaben und den damit verbundenen alltäglichen Dauerdruck vielleicht doch nicht geeignete Schneider soll, wie es in einer Pressemitteilung der Schwaben hieß, „auch zukünftig für den Verein tätig sein“. Wahrscheinlich da, wo er im vorigen Sommer als Trainer des deutschen B-Jugendmeisters herkam: in der gerühmten Nachwuchsarbeit dieses Klubs, die er aus dem Effeff beherrscht.

          Huub Stevens, vor einer Woche bei Paok Saloniki entlassen, übernimmt in Stuttgart das Training

          Die Mission Klassenverbleib übernimmt an diesem Montag der eben erst bei Paok Saloniki in der ersten griechischen Liga entlassene, 60 Jahre alte Stevens. Der „Knurrer aus Kerkrade“ gilt vielen als konservativer Trainer und Protagonist pragmatischen Ergebnisfußballs. Stevens feierte in Deutschland vor allem mit Schalke 04, wo er zweimal arbeitete, Erfolge. Er hinterließ aber als Coach von Hertha BSC Berlin, des Hamburger SV und des 1. FC Köln weit weniger prägende Spuren. „Wir setzen einen neuen Reiz bei den Spielern mit einem Trainer, der sehr viel Erfahrung hat, eine ganz klare Linie vertritt und ganz klar auf Disziplin setzt“, begründete Bobic den Paradigmenwechsel.

          Während Schneider den vielen Nervenbündeln in seiner Mannschaft zuletzt nicht mehr die mentale Zuversicht einspeisen konnte, die in der vertrackten Lage des Tabellen-Fünfzehnten nötig gewesen wäre, und dazu selbst so etwas wie leise Verzweiflung verspürte, ist Stevens einer, der immer von der Richtigkeit seiner rauen, aber stets kerzengeraden Arbeitsweise überzeugt war. Mit ihm kehrt die alte Fußballschule auf den Cannstatter Wasen zurück.

          Der bisherige Trainer Thomas Schneider soll dem VfB aber weiter - in anderer Funktion - erhalten bleiben

          Schneider ahnte wohl schon am Samstag, als seine Mannschaft ihren 2:1-Vorsprung nach den Toren von Maxim (30. Minute) und Harnik (35.) nicht ins Ziel bringen konnte, dass seine Bundesliga-Chance fürs erste vertan war. Der eingefleischte VfBler wusste schließlich, dass man ihm nach dem unglücklichen 1:2 in Frankfurt am Sonntag davor nur für das eine Spiel danach eine Jobgarantie mit Siegverpflichtung ausgestellt hatte. Als auch dieser Auftrag nicht eingelöst wurde, weil die Stuttgarter den Braunschweigern die Tore von Hochscheidt (24.) und Bicakcic (82.) ermöglichten und durch Gentner (52.) ein Foulelfmetergeschenk nicht nutzten, war Schneiders Zeit vorbei.

          Die Kritik, die danach vor allem in der Cannstatter Kurve, wo die Hardcore-Fans des VfB zusammenstehen, sehr laut wurde, richtete sich nicht gegen Schneider, wohl aber gegen Bobic. Der, schon als Stuttgarter Spieler hart im Geben und im Nehmen, stellte sich denen, die ihn teils bepöbelten oder mit Bierbechern bewarfen, und hegte den „Fanaufstand“ Seite an Seite mit dem Klubpräsidenten Bernd Wahler zumindest wieder ein. „Wir schaffen es nur gemeinsam“, rief der lange als unantastbare Integrationsfigur geltende und seit kurzem skeptisch beäugte Sportvorstand der weiß-roten Menge entgegen, „wenn wir uns jetzt entzweien, schaffen wir es nicht“. Ein Motto, das ab sofort auch Stevens verinnerlichen wird, den die Schalker Fans für immer in ihre Herzen geschlossen haben. Damit er in Stuttgart einen neuen Freundeskreis findet, muss er vom ersten Training an diesem Montag an hart arbeiten. Das aber ist seine Spezialität.

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